Berühmte Frauen im 20. Jahrhundert
Das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert, in dem Frauen die Weltbühne betraten – und zwar auf jedem Kontinent zugleich. Diese Seite versammelt berühmte Frauen des 20. Jahrhunderts aus Kunst, Wissenschaft, Musik und Politik, von Mexiko-Stadt bis Kairo, von Tokio bis Nairobi.
Malerinnen und Künstlerinnen im 20. Jahrhundert
Die berühmten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts arbeiteten längst nicht nur in Europa. Malerinnen entstanden zudem überall dort, wo die Moderne Fuß fasste – häufig gegen den Widerstand von Akademien, die Frauen jahrzehntelang ausschlossen.
Lateinamerika und die Moderne
In Mexiko machte Frida Kahlo zunächst den eigenen Körper zum Thema. Sie malte Schmerz, Fehlgeburten und indigene Symbolik, als das kaum jemand wagte. In Brasilien entwarf Tarsila do Amaral mit ihrem Bild Abaporu (1928) die Bildsprache der Bewegung Antropofagia. Später verband ihre Landsfrau Lygia Clark Kunst und Therapie und lud das Publikum ein, ihre Objekte selbst zu bewegen. Zugleich schufen Remedios Varo und Leonora Carrington im mexikanischen Exil eine eigene, surrealistische Welt.
Asien und Australien
In Indien verband Amrita Sher-Gil europäische Moderne mit indischen Motiven. Sie starb 1941 mit nur 28 Jahren und gilt als frühe Wegbereiterin der modernen indischen Malerei.¹ In Japan erlangte Yayoi Kusama mit ihren Punktmustern und Spiegelräumen später Weltruhm. Anders verlief der Weg von Emily Kame Kngwarreye: Die Aborigine-Künstlerin aus Utopia im Northern Territory begann erst mit rund 70 Jahren zu malen. In nur acht Jahren schuf sie über 3.000 Werke.²
Europa und die USA
In den USA übersetzte Georgia O’Keeffe Blüten und Wüsten in große, abstrahierte Formen. In Deutschland hielt Käthe Kollwitz hingegen Armut, Krieg und Trauer in Grafik und Skulptur fest. Auch die Architektur öffnete sich langsam: Die Italienerin Lina Bo Bardi baute in Brasilien Museen und Wohnhäuser, die bis heute besucht werden. Berühmte Malerinnen des 20. Jahrhunderts kamen also aus Ost und West, aus Nord und Süd.
Schriftstellerinnen, Dichterinnen und Denkerinnen
Bei den berühmten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts fällt zuerst der Literaturnobelpreis ins Auge. Zunächst erhielt ihn 1909 die Schwedin Selma Lagerlöf – als erste Frau überhaupt.³ Später folgten weitere.
Europa und Russland
In England schrieb Virginia Woolf Romane und mit Ein Zimmer für sich allein einen Schlüsseltext über Frauen und Literatur. In Italien bekam Grazia Deledda 1926 den Nobelpreis, als zweite Frau nach Lagerlöf.⁴ In Frankreich verband Simone de Beauvoir Philosophie und Analyse der Geschlechter. Russland wiederum brachte zwei große Dichterinnen hervor: Anna Achmatowa und Marina Zwetajewa schrieben unter Zensur und Verfolgung weiter. Später hielt die Polin Wisława Szymborska mit knappen, klaren Gedichten dagegen.
Lateinamerika, Asien und Afrika
Die Chilenin Gabriela Mistral war 1945 die erste Person aus Lateinamerika mit dem Literaturnobelpreis.⁵ In Brasilien schrieb Clarice Lispector zugleich eine Prosa, die nach innen horchte. Japan wiederum brachte Yosano Akiko hervor, die schon früh mit offen sinnlichen Versen schockierte. In China erzählte Eileen Chang vom Alltag in Shanghai, während Ding Ling über das Leben von Frauen im Umbruch schrieb. Die Inderin Ismat Chughtai nahm daraufhin Tabus wie weibliche Sexualität ins Visier. In Ägypten tat die Ärztin und Autorin Nawal El Saadawi dasselbe – und zahlte später mit Haft dafür. Im Senegal wiederum schrieb Mariama Bâ mit Ein so langer Brief einen Schlüsselroman über Vielehe und Frauenleben. Aus den USA kam schließlich mit Toni Morrison 1993 eine weitere Nobelpreisträgerin, die das Erbe der Sklaverei erzählbar machte.⁶
Auch die Kinderliteratur zählt dazu. Die Schwedin Astrid Lindgren schuf mit Pippi Langstrumpf ein Mädchen, das sich schlicht nichts vorschreiben ließ.
Komponistinnen, Dirigentinnen und die großen Stimmen
Frauen in der Musik des 20. Jahrhunderts standen lange am Rand. Komponistinnen und Dirigentinnen mussten sich Konzertsäle hart erkämpfen. In Frankreich unterrichtete Nadia Boulanger eine ganze Generation und dirigierte große Orchester in London und Boston. Vor allem aber bestimmten Sängerinnen das Jahrhundert – und die berühmtesten Stimmen kamen keineswegs nur aus dem Westen.
Die arabische Welt und Afrika
In Ägypten stieg Umm Kulthum zur Stimme der arabischen Welt auf. Man nannte sie „Stern des Ostens“, und ihre Konzerte hörten Millionen im Radio.⁷ Im Libanon füllte Fairuz die Rolle der nächsten Generation aus; zusammen zählen beide zu den meistverkauften Stimmen des Nahen Ostens.⁸ Aus Südafrika kam Miriam Makeba, genannt „Mama Africa“. 1966 gewann sie als erste afrikanische Künstlerin einen Grammy.⁹ Von den Kapverden aus trug Cesária Évora die Morna später barfuß auf die Weltbühnen.
Amerika, Europa und Asien
In Lateinamerika sammelte Violeta Parra Volkslieder, während Mercedes Sosa und die Kubanerin Celia Cruz ganze Kontinente bewegten. In den USA formten zudem Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Nina Simone und Aretha Franklin Jazz, Blues und Soul. Die Gitarristin Sister Rosetta Tharpe gilt heute als Wegbereiterin des Rock ’n’ Roll. In Europa sangen Edith Piaf und die Opernstimme Maria Callas. In Indien schließlich wurde Lata Mangeshkar zur Stimme des Kinos, und M. S. Subbulakshmi trug die klassische karnatische Musik bis vor die UNO.
Die Rolle der Frau im 20. Jahrhundert
Der Wandel der Frau im 20. Jahrhundert lässt sich an einem Datum festmachen: 1893 führte Neuseeland als erster Staat das Frauenwahlrecht ein.¹⁰ Danach kippte das alte Frauenbild Land für Land. Finnland folgte 1906, Deutschland 1918; viele weitere Staaten zogen später nach den Weltkriegen nach. Mit dem Wahlrecht änderte sich die gesellschaftliche Stellung der Frau – langsam, aber weltweit.
Die Frauenbewegung war dabei kein rein westliches Projekt. In Ägypten legte Huda Sha’arawi 1923 öffentlich ihren Gesichtsschleier ab und gründete die Egyptian Feminist Union. In Nigeria organisierte Funmilayo Ransome-Kuti daraufhin Steuerproteste von Marktfrauen. China wiederum brachte die Revolutionärin Qiu Jin hervor, die für Bildung und Rechte kämpfte und 1907 hingerichtet wurde. In Indonesien schrieb Raden Ajeng Kartini zudem schon um 1900 für die Schulbildung von Mädchen. Auch das gehört zur Emanzipation der Frau: Sie hatte viele Gesichter und viele Sprachen.
In den USA rückte der Kampf um Rechte in die Mitte des Jahrhunderts. Rosa Parks blieb 1955 in Montgomery sitzen und galt bald als Symbol der Bürgerrechtsbewegung. Später verband Angela Davis den Kampf gegen Rassismus mit dem gegen Sexismus. Das Rollenbild der Frau geriet damit endgültig ins Wanken.
Mode, Kleidung und Frisuren
Der Wandel zeigte sich auch am Körper. Coco Chanel befreite die Frauen der 1920er vom Korsett und machte Hosen und schlichte Schnitte salonfähig. Die Kleidung wurde leichter, die Frisuren kürzer – der Bubikopf wurde zum Zeichen einer neuen Zeit. Später lösten Jeans und Miniröcke weitere Debatten aus. Mode war im 20. Jahrhundert selten nur Mode; sie war oft eine Ansage.
Forscherinnen, Ärztinnen und Erfinderinnen
In der Wissenschaft holten Frauen im 20. Jahrhundert auf – trotz verschlossener Labortüren. In Frankreich und Polen zugleich zu Hause, erhielt Marie Curie als erster Mensch zwei Nobelpreise, 1903 in Physik und 1911 in Chemie.¹¹ Die Österreicherin Lise Meitner erklärte zudem die Kernspaltung mit, ging bei der Nobelehrung aber leer aus.
Physik, Chemie und Medizin weltweit
In England lieferte Rosalind Franklin die Röntgenaufnahme, die zur Doppelhelix führte. In China entwickelte Tu Youyou aus einem alten Kräuterrezept den Malariawirkstoff Artemisinin; 2015 wurde sie als erste Chinesin mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt.¹² Ihre Landsfrau Chien-Shiung Wu widerlegte 1956 im Experiment ein physikalisches Grundgesetz.¹³ In den USA entschlüsselte Barbara McClintock die springenden Gene; Gerty Cori erhielt zudem als erste Frau den Medizin-Nobelpreis. In Italien erforschte Rita Levi-Montalcini den Nervenwachstumsfaktor, in England entschlüsselte Dorothy Hodgkin komplexe Moleküle.
Erde, Zellen und Erfindungen
Manche Durchbrüche trugen lange andere Namen. Henrietta Lacks ahnte nie, dass ihre Zellen die Medizin verändern würden – man hatte sie ihr ohne Einwilligung entnommen. Alice Augusta Ball fand mit Anfang 20 eine Lepra-Therapie, deren Ruhm zunächst ein Mann einstrich. In Dänemark entdeckte Inge Lehmann zudem den festen inneren Erdkern. Andere erfanden Handfestes: Maria Telkes die Solarheizung, Stephanie Kwolek die Kevlarfaser, Gertrude Belle Elion lebenswichtige Medikamente. In der Klinik rettete Virginia Apgar mit einem simplen Test Neugeborene. Und die Astronomin Vera Rubin lieferte den Beweis für Dunkle Materie.
Am Himmel, im All und im Sport
Auch Höhe, Tiefe und Geschwindigkeit waren im 20. Jahrhundert plötzlich weiblich besetzt. In den USA flog Amelia Earhart 1932 allein über den Atlantik, bevor sie 1937 im Pazifik verschwand. Die Erfinderin und Hollywoodschauspielerin Hedy Lamarr legte nebenbei die Grundlage für heutige Funktechnik.
Weltraum und Berge
1963 flog die Sowjetbürgerin Walentina Tereschkowa als erste Frau ins All.¹⁴ Zwanzig Jahre später folgten die US-Astronautinnen Sally Ride und Mae Jemison, die erste Schwarze Frau im Weltraum. Am Boden rechnete zuvor Katherine Johnson die Flugbahnen der NASA. In den Bergen stieg 1975 die Japanerin Junko Tabei als erste Frau auf den Mount Everest.¹⁵ Die Polin Wanda Rutkiewicz bezwang später einen Achttausender nach dem anderen.
Auf der Bahn
Auf der Aschenbahn schrieb Wilma Rudolph Geschichte, die als Kind an Kinderlähmung erkrankt war. Die Rumänin Nadia Comăneci turnte 1976 in Montreal daraufhin die erste perfekte Zehn der olympischen Geschichte.¹⁶ Auf dem Tennisplatz kämpfte Billie Jean King um gleiche Preisgelder. Und im Meer erforschte die Ozeanografin Sylvia Earle die Tiefsee wie kaum ein Mann vor ihr.
Staatsfrauen, Friedensnobelpreise und Widerstand
Bei der Frage nach Macht kippt das eurozentrische Bild vollends. Die erste Regierungschefin der Welt regierte nämlich in Asien. 1960 wurde Sirimavo Bandaranaike in Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, zur ersten Premierministerin der Geschichte gewählt.¹⁷
Regierungschefinnen jenseits Europas
Wenig später führte Indira Gandhi Indien, das bevölkerungsreiche Land, durch zwei Jahrzehnte. 1986 machte ein friedlicher Aufstand Corazon Aquino zur ersten Präsidentin der Philippinen.¹⁸ 1988 übernahm Benazir Bhutto in Pakistan als erste Frau die Regierung eines mehrheitlich muslimischen Staates.¹⁹ In Israel stand Golda Meir an der Spitze; in Argentinien stieg Eva Perón zugleich zur Ikone der Armen auf. In Liberia schließlich gewann Ellen Johnson Sirleaf das Präsidentenamt und später den Friedensnobelpreis.
Friedensnobelpreis und Widerstand
Der Friedensnobelpreis ging im 20. Jahrhundert an mehrere Frauen aus dem globalen Süden. Die Kenianerin Wangari Maathai erhielt ihn 2004 als erste Afrikanerin, für Millionen gepflanzte Bäume.²⁰ Die Maya-Aktivistin Rigoberta Menchú aus Guatemala bekam ihn 1992.²¹ Mutter Teresa erhielt ihn 1979 für ihre Arbeit in Kalkutta.²² Widerstand hatte im Krieg viele Formen. Die Britin Nancy Wake wurde als Spionin und Widerstandskämpferin zur meistgesuchten Frau der Gestapo. In Polen rettete Irena Sendler rund 2.500 jüdische Kinder. Die Studentin Sophie Scholl verteilte in Deutschland Flugblätter gegen Hitler und bezahlte 1943 mit dem Leben. In Algerien und Palästina wiederum trugen Djamila Bouhired und Leila Khaled den antikolonialen Kampf – ein Kapitel, das bis heute umstritten bleibt. In Südafrika stritt Winnie Madikizela-Mandela gegen die Apartheid, so hart, dass ihr Erbe zwiespältig blieb.
Berühmte Frauen des 20. Jahrhunderts finden sich also in jedem Feld und auf jedem Kontinent. Wer nur nach Europa und Nordamerika schaut, verpasst die größere Hälfte der Geschichte.
Bildquellen:
Keine
Textquellen:
- Encyclopædia Britannica – Amrita Sher-Gil
- National Museum of Australia – Emily Kame Kngwarreye
- NobelPrize.org – Selma Lagerlöf, Literatur 1909
- NobelPrize.org – Grazia Deledda, Literatur 1926
- NobelPrize.org – Gabriela Mistral, Literatur 1945
- NobelPrize.org – Toni Morrison, Literatur 1993
- Encyclopædia Britannica – Umm Kulthum
- Encyclopædia Britannica – Fairuz
- South African History Online – Miriam Makeba
- NZ History – Women’s suffrage
- NobelPrize.org – Marie Curie
- NobelPrize.org – Tu Youyou, Medizin 2015
- Encyclopædia Britannica – Chien-Shiung Wu
- Encyclopædia Britannica – Valentina Tereshkova
- BBC News – Junko Tabei
- Olympics.com (IOC) – Nadia Comăneci
- Encyclopædia Britannica – Sirimavo Bandaranaike
- Encyclopædia Britannica – Corazon Aquino
- Encyclopædia Britannica – Benazir Bhutto
- NobelPrize.org – Wangari Maathai, Frieden 2004
- NobelPrize.org – Rigoberta Menchú Tum, Frieden 1992
- NobelPrize.org – Mutter Teresa, Frieden 1979
























