Henrietta Lacks

Ihre HeLa-Zellen schrieben die Medizin neu – ohne ihr Wissen

* 1. August 1920 Roanoke, Virginia, USA

† 4. Oktober 1951  in Baltimore, Maryland, USA

Foto: Oregon State University, CC BY-SA 2.0
Eine junge lächelnde Frau mit Kopfschmuck und schickem Mantel namens Henrietta Lacks
Veröffentlicht am: 16.06.2026Letzte Aktualisierung: 16.06.20261875 Worte13,4 Min. LesedauerCategories: , ,

Wer war Henrietta Lacks?

Henrietta Lacks war eine Schwarze Tabakfarmerin aus Virginia und Mutter von fünf Kindern. Henrietta Lacks starb mit 31 Jahren an einem aggressiven Gebärmutterhalskrebs. Acht Monate vor ihrem Tod entnahm ein Arzt am Johns Hopkins Hospital ohne ihr Wissen eine Gewebeprobe ihres Tumors. Diese Zellen teilten sich im Labor weiter – und teilen sich bis heute. Sie wurden zur ersten dauerhaft kultivierbaren menschlichen Zelllinie der Medizingeschichte und bilden seither die biologische Grundlage für Impfstoffe, Krebsforschung und Genetik.¹

Kindheit in Roanoke und Clover

Henrietta Lacks kam am 1. August 1920 als Loretta Pleasant in Roanoke, Virginia, zur Welt. Ihre Eltern Eliza und Johnny Pleasant hatten zehn Kinder. Als Eliza 1924 im Wochenbett starb, brachte Johnny die Geschwister auf die Tabakfarm der Familie Lacks im Ort Clover im Süden Virginias.² Die vierjährige Loretta wuchs bei ihrem Großvater Tommy Lacks in einer Blockhütte mit vier Räumen, Gaslaternen und ohne fließendes Wasser auf. Wann genau aus Loretta „Henrietta“ wurde, ist nicht überliefert.

In Clover teilte sie sich das Zimmer mit ihrem Cousin David „Day“ Lacks. Beide arbeiteten ab dem Grundschulalter auf den Tabakfeldern der Familie. Henrietta besuchte eine zwei Meilen entfernte Schule für Schwarze Kinder bis zur sechsten Klasse, dann brachen die Schichten in der Ernte sie ab.² Mit 14 Jahren brachte sie ihren ersten Sohn Lawrence zur Welt; Vater war ihr Cousin Day. 1941 heirateten die beiden in Halifax County, Virginia.

Baltimore, Day Lacks und fünf Kinder 

1941 trat Day Lacks eine Stelle im Stahlwerk Bethlehem Steel in Sparrows Point an. Henrietta folgte ihm mit den Kindern nach Turner Station, einer Schwarzen Arbeitersiedlung im Süden von Dundalk, Maryland, am Rand von Baltimore.³ Dort kamen drei weitere Kinder zur Welt: Deborah, David junior und Joseph, der später den Namen Zakariyya annahm. Tochter Elsie, das zweite Kind, war 1939 mit Epilepsie und einer geistigen Behinderung geboren worden.

Henriettas Alltag bestand aus Hausarbeit, der Versorgung der fünf Kinder und gelegentlichen Verwandtenbesuchen aus Clover, die wochenlang im kleinen Haus übernachteten. Sie kochte für alle. Zudem galt sie in Turner Station als ausgesprochen elegant: rote Lippenstifte, gebügelte Kleider, lackierte Nägel selbst bei der Gartenarbeit.

Januar 1951 – Diagnose bei Johns Hopkins

Ende Januar 1951 fuhr Henrietta Lacks ins Johns Hopkins Hospital in Baltimore. Sie hatte einen „Knoten im Bauch“ gespürt und blutete zwischen den Perioden. Johns Hopkins war damals eines der wenigen Krankenhäuser in der Gegend, das Schwarze Patientinnen überhaupt aufnahm – in einer strikt nach Hautfarbe getrennten Ambulanz.⁴

Der Gynäkologe Howard W. Jones diagnostizierte ein bösartiges Karzinom am Gebärmutterhals, zunächst klassifiziert als Stadium-I-Plattenepithelkarzinom.⁴ Die damalige Standardtherapie waren Radium-Einlagen, die direkt in die Gebärmutter eingeführt wurden. Während einer dieser Behandlungen, am 5. Februar 1951, entnahm der Assistenzarzt Lawrence Wharton Jr. zwei kleine Gewebeproben von rund einem Quadratzentimeter: eine vom Tumor, eine vom gesunden Nachbargewebe.¹ Henrietta Lacks unterschrieb dafür keine Einwilligung. In den USA war es 1951 üblich, Patient:innen bei der Probenentnahme nicht zu fragen – eine Praxis, die erst Jahrzehnte später systematisch in Frage gestellt wurde.

Die Radiumtherapie schlug an, dann kehrte der Krebs zurück. Henrietta Lacks starb am 4. Oktober 1951 im Alter von 31 Jahren. Die Obduktion zeigte Metastasen in nahezu allen inneren Organen. Beerdigt wurde sie auf dem Familienfriedhof in Clover, in einem unmarkierten Grab.⁴

Wie HeLa-Zellen ohne Zustimmung entstanden

Die Gewebeproben aus dem Operationssaal landeten am selben Tag im Labor von George Otto Gey, dem Leiter der Gewebekulturforschung am Johns Hopkins. Gey suchte seit Jahren nach menschlichen Zellen, die sich außerhalb des Körpers dauerhaft vermehren ließen. Bis dahin starben alle Kulturen nach wenigen Tagen ab.⁵

Geys Assistentin Mary Kubicek präparierte die Probe und gab ihr nach den ersten beiden Buchstaben von Vor- und Nachname das Laborkürzel HeLa. Innerhalb weniger Tage verdoppelte sich die Zellzahl. Nach einer Woche war klar: Diese Zellen sterben nicht.⁵ Gey verschickte Proben kostenlos an Forschungseinrichtungen rund um die Welt – ein Schritt, der HeLa zur Standardware in fast jedem zellbiologischen Labor machte und gleichzeitig die spätere kommerzielle Verwertung durch Dritte ermöglichte.

Henrietta Lacks erfuhr von dieser Entwicklung nichts. Auch ihre Familie wusste 25 Jahre lang nicht, dass Zellen von Henrietta in Tausenden Laboren weltweit wuchsen.

HeLa-Zellen, in Gewebekultur gezüchtet und mit Antikörpern gegen Aktin (grün), Vimentin (rot) und DNA (blau) gefärbt

Shaw, G. (2011). HeLa cells stained with antibody to actin (green), vimentin (red) and DNA (blue) [Fluoreszenzmikroskopie]. Wikimedia Commons. commons.wikimedia.org. Lizenzen: CC BY-SA 3.0 sowie GFDL 1.2+. Keine inhaltlichen Änderungen.

Was HeLa-Zellen sind und warum sie sich unendlich teilen

HeLa-Zellen sind menschliche Krebszellen aus dem Gebärmutterhals von Henrietta Lacks. Sie wachsen adhärent, also auf einer Oberfläche, zeigen eine epithelartige, leicht polygonale Form und teilen sich unter Laborbedingungen alle 20 bis 24 Stunden.⁶

Der biologische Grund für ihre Unsterblichkeit liegt im Genom. Henrietta Lacks war mit dem humanen Papillomvirus Typ 18 (HPV-18) infiziert. Virale DNA hatte sich in ihre Zellen integriert und dort die Onkogene E6 und E7 dauerhaft aktiviert. E6 schaltet das Tumorsuppressor-Protein p53 aus, E7 blockiert das Rb-Protein, und beide gemeinsam aktivieren die Telomerase.⁷ Telomerase verlängert nach jeder Zellteilung die Schutzkappen der Chromosomen, die sogenannten Telomere. Normale Körperzellen können sich nur 40 bis 60 Mal teilen, weil ihre Telomere schrittweise schrumpfen. HeLa-Zellen umgehen diese Begrenzung vollständig.

Das HeLa-Genom unterscheidet sich deutlich von Henrietta Lacks‘ ursprünglichem Erbgut. HeLa-Zellen sind hypertriploid: Sie tragen 76 bis 82 Chromosomen statt der üblichen 46, dazu rund 22 bis 25 krankhaft veränderte „HeLa-Signaturchromosomen“.⁶ Das macht sie zwar robust, aber als Modell für gesunde menschliche Zellen nur eingeschränkt aussagekräftig.

Was HeLa ermöglichte – von der Polio-Impfung bis CRISPR

Die erste große Anwendung kam 1954. Jonas Salk brauchte für seinen Polio-Impfstoff Millionen Tests an einer Zellkultur, die sich mit Polio infizieren ließ. HeLa erfüllte diese Bedingung. Am Tuskegee Institute in Alabama richteten Russell W. Brown und James H. M. Henderson die weltweit erste HeLa-Zellfabrik ein und produzierten wöchentlich 20.000 Röhrchen, insgesamt rund sechs Billionen Zellen.⁸ Damit konnte Salk seinen Impfstoff im April 1954 in der bis dahin größten klinischen Studie der Medizingeschichte testen.

In den folgenden Jahrzehnten lieferten HeLa-Zellen die Grundlage für eine lange Reihe medizinischer Entwicklungen. Mit ihrer Hilfe stellten Joe Hin Tjio und Albert Levan 1956 fest, dass der Mensch 46 Chromosomen besitzt. Sie machten die ersten Versuche zur Zellklonierung möglich, dienten der Entwicklung der in-vitro-Fertilisation und der HPV-Impfung und stehen heute in der Krebs-, HIV- und Genom-Editing-Forschung im Labor.¹ Auch bei der Entwicklung der COVID-19-Impfstoffe wurden HeLa-Zellen zur Untersuchung der Aufnahme und Wirkung von mRNA-Konstrukten eingesetzt.

Wie viele Veröffentlichungen auf HeLa beruhen, lässt sich nur schätzen: PubMed listet über 110.000 wissenschaftliche Arbeiten, in denen die Zelllinie auftaucht. Eine handelsübliche Bestellung bei einem kommerziellen Anbieter wie ATCC oder DSMZ kostet aktuell mehrere Hundert Euro pro Ampulle – ohne dass die Familie Lacks daran verdient.

Tuskegee, Crownsville und das stille Leid der Familie

Während HeLa-Zellen ab 1951 weltweit Karriere machten, lebte die Familie Lacks weiter in Armut. David Lacks junior arbeitete im Stahlwerk, Deborah Lacks putzte Häuser, der jüngste Sohn Joseph saß zeitweise im Gefängnis. Keiner der Kinder hatte eine Krankenversicherung, mehrere wussten bis in die 1970er nicht, woran ihre Mutter eigentlich gestorben war.⁹

Besonders bitter ist die Geschichte von Elsie Lacks. Henriettas zweite Tochter wurde 1955 in der „Hospital for the Negro Insane“ in Crownsville, Maryland, untergebracht – einer Einrichtung, die zu dieser Zeit 800 Patient:innen über Kapazität betrieb, mit überfüllten Schlafsälen, Schmerzversuchen und experimentellen Eingriffen an Schwarzen Insass:innen.¹⁰ Elsie starb mit 15 Jahren in Crownsville, vermutlich an den Folgen einer Pneumoencephalographie, einem damals üblichen, äußerst schmerzhaften Diagnoseverfahren. Deborah Lacks erfuhr erst Jahrzehnte später durch die Recherchen der Journalistin Rebecca Skloot von den Misshandlungen ihrer Schwester.

In dieselbe Epoche fällt die Tuskegee-Syphilis-Studie. Zwischen 1932 und 1972 verweigerte die U.S. Public Health Service hunderten Schwarzen Männern in Alabama bewusst die Behandlung mit Penicillin, um den Verlauf der Krankheit zu dokumentieren.⁸ Henrietta Lacks und ihre Familie lebten in einem medizinischen System, das Schwarze Körper als Forschungsmaterial betrachtete – und das prägte den Umgang mit ihren Zellen weit über ihren Tod hinaus.

„Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks“ – Buch und Film

Erst 2010 wurde die Geschichte einem breiten Publikum zugänglich. Die Wissenschaftsjournalistin Rebecca Skloot hatte mehr als zehn Jahre recherchiert und gemeinsam mit Deborah Lacks an dem Buch The Immortal Life of Henrietta Lacks gearbeitet.¹¹ Es stand wochenlang auf der Bestsellerliste der New York Times, gewann 2011 den National Academies Communication Award und wurde in über 25 Sprachen übersetzt. Die deutsche Ausgabe erschien 2010 unter dem Titel Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks. Die Geschichte der HeLa-Zellen im Irisiana-Verlag.

2017 verfilmte HBO den Stoff. Regie führte George C. Wolfe, Oprah Winfrey übernahm die Hauptrolle der Deborah Lacks, Rose Byrne spielte die Journalistin Skloot.¹² Der Film The Immortal Life of Henrietta Lacks erschien im April 2017 und brachte die Geschichte erstmals einem Millionenpublikum. Deborah Lacks selbst erlebte die Verfilmung nicht mehr; sie war 2009 gestorben. Skloot zufolge hatte Deborah ihr zu Lebzeiten gesagt, sie habe sich gewünscht, von Oprah Winfrey dargestellt zu werden.

Das HeLa-Genom 2013 und die NIH-Vereinbarung

Im März 2013 veröffentlichte ein Team des European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg die vollständige Genomsequenz einer HeLa-Zelllinie – ohne die Familie Lacks zu informieren.¹³ Nach Protesten zog das EMBL die Daten zurück. Die US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) verhandelten daraufhin mit der Familie und kündigten am 7. August 2013 das NIH-Lacks-Family-Agreement an.¹³

Seitdem entscheidet ein sechsköpfiges Gremium über jeden Zugriffsantrag auf HeLa-Genomdaten, die unter NIH-Förderung generiert wurden. Zwei Sitze gehören Familienmitgliedern. Antragstellende müssen kommerzielle Pläne offenlegen und die Familie in Publikationen nennen. Eine finanzielle Beteiligung sah die Vereinbarung nicht vor – ein Punkt, der bis heute kritisiert wird.

Posthume Anerkennung: WHO-Award und Thermo-Fisher-Settlement

Am 13. Oktober 2021 zeichnete WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus Henrietta Lacks mit dem WHO Director-General’s Award aus. Lawrence Lacks, der älteste Sohn, nahm die Auszeichnung in Genf entgegen.¹⁴ Tedros betonte, die Anerkennung sei zugleich eine Auseinandersetzung mit historischer rassistischer Ungerechtigkeit in der Wissenschaft.

Zwei Jahre später folgte ein juristischer Erfolg. 2021 hatte die Familie Lacks vor einem Bundesgericht in Baltimore Klage gegen den US-Konzern Thermo Fisher Scientific eingereicht: Das Unternehmen habe sich mit HeLa-basierten Produkten ohne Zustimmung und ohne Beteiligung der Erbinnen bereichert. Am 1. August 2023 – Henrietta Lacks‘ 103. Geburtstag – einigten sich beide Seiten außergerichtlich. Die Konditionen blieben vertraulich.¹⁵ Die Anwälte der Familie kündigten weitere Klagen gegen andere Biotech-Konzerne an.

Im selben Zeitraum wurden weltweit Schulen, Gebäude und Stipendien nach Henrietta Lacks benannt. Johns Hopkins kündigte am 6. Oktober 2018 ein nach ihr benanntes Forschungsgebäude in East Baltimore an, das Henrietta Lacks Building, dessen Bau im Oktober 2024 begann.¹⁷ Die National Portrait Gallery und das National Museum of African American History and Culture in Washington erwarben 2018 gemeinsam ein Porträt von Kadir Nelson. 2020 wurde Henrietta Lacks in die National Women’s Hall of Fame aufgenommen. Im Oktober 2021 enthüllte die University of Bristol im Royal Fort House eine Bronzestatue der Bildhauerin Helen Wilson-Roe – die erste öffentliche Statue einer Schwarzen Frau, geschaffen von einer Schwarzen Künstlerin, in Großbritannien.

Henrietta Lacks Foundation – Stipendien für die Nachkommen

2010 gründete Rebecca Skloot die Henrietta Lacks Foundation. Die Stiftung hat seither rund 90 Einzelförderungen an mehr als 30 Familienangehörige vergeben – für Gesundheitsversorgung, Studiengebühren, Berufsausbildung und Nothilfen.¹⁶ Seit 2020 unterstützt das britische Life-Sciences-Unternehmen Abcam ein MINT-Stipendium für Lacks-Nachkommen über 40.000 US-Dollar, verteilt auf vier Jahre.

Die Stiftung finanziert sich aus Spenden und einem Teil der Buch- und Filmerlöse, die Skloot vertraglich an die Foundation abtritt. Eine direkte Beteiligung an den Gewinnen der Biotech-Industrie ist sie nicht.

Häufig gestellte Fragen zu Henrietta Lacks

Was sind HeLa-Zellen?2026-06-16T00:36:31+02:00

HeLa-Zellen sind menschliche Gebärmutterhalskrebszellen, die 1951 aus einer Biopsie von Henrietta Lacks gewonnen wurden. Sie wachsen adhärent, sind epithelartig geformt und teilen sich alle 20 bis 24 Stunden. HeLa war die erste unsterbliche menschliche Zelllinie und ist bis heute die am häufigsten verwendete Zelllinie der biomedizinischen Forschung.

Warum sind HeLa-Zellen unsterblich?2026-06-16T00:37:14+02:00

HeLa-Zellen tragen eingebaute DNA des humanen Papillomvirus Typ 18 (HPV-18). Die viralen Onkogene E6 und E7 schalten die Tumorsuppressoren p53 und Rb aus und aktivieren dauerhaft die Telomerase. Telomerase verlängert die Chromosomenenden bei jeder Zellteilung. Dadurch altern HeLa-Zellen nicht und können sich theoretisch unbegrenzt teilen.

Wie groß sind HeLa-Zellen?2026-06-16T00:37:38+02:00

Eine HeLa-Zelle misst rund 20 bis 40 Mikrometer im Durchmesser. Damit sind sie mittelgroß für tierische Zellen. Die genaue Größe variiert je nach Zellzyklus-Phase und Kulturbedingungen.

Wie viele Chromosomen haben HeLa-Zellen?2026-06-16T00:38:18+02:00

HeLa-Zellen sind hypertriploid und tragen je nach Klon 76 bis 82 Chromosomen statt der bei gesunden Menschen üblichen 46. Hinzu kommen 22 bis 25 krankhaft veränderte, sogenannte „HeLa-Signaturchromosomen“. Diese Aneuploidie ist eine direkte Folge der HPV-Integration und der Krebsentstehung.

Wofür werden HeLa-Zellen verwendet?2026-06-16T00:38:40+02:00

HeLa-Zellen dienen als Modellsystem für unzählige Forschungsfragen. Sie waren entscheidend für die Entwicklung des Polio-Impfstoffs 1954, für die Bestimmung der menschlichen Chromosomenzahl, für die ersten Zellklonierungen, für die in-vitro-Fertilisation, die HPV-Impfung sowie für die HIV-, Krebs- und CRISPR-Forschung. Auch im Rahmen der COVID-19-Impfstoff-Entwicklung wurden sie eingesetzt.

Wie wurden HeLa-Zellen entdeckt?2026-06-16T00:38:58+02:00

Am 8. Februar 1951 entnahm der Johns-Hopkins-Gynäkologe Howard W. Jones Gewebeproben aus dem Gebärmutterhalstumor von Henrietta Lacks. Die Proben gingen an George Otto Gey, Leiter der Gewebekulturforschung. Seine Assistentin Mary Kubicek präparierte sie und beobachtete, dass sich die Zellen alle 24 Stunden verdoppelten – das hatte bis dahin keine menschliche Zellkultur geschafft.

Warum heißen sie HeLa-Zellen?2026-06-16T00:39:18+02:00

Das Kürzel HeLa setzt sich aus den ersten beiden Buchstaben von Vor- und Nachname zusammen: Henrietta Lacks. Geys Labor benutzte diese Abkürzung intern, sie blieb hängen und wurde zum weltweiten Standardnamen der Zelllinie. Lange Zeit verbreitete Hopkins fälschlich, „HeLa“ stehe für eine fiktive Helen Lane oder Helen Larson, um die Identität der Spenderin zu verschleiern.

Leben Henrietta Lacks‘ Zellen heute noch?2026-06-16T00:39:37+02:00

Ja. Die direkten Nachfahren der 1951 entnommenen Zellen werden in Tausenden Laboren weltweit kultiviert. Ihr Gesamtgewicht, summiert über alle Replikate, übersteigt heute das Gewicht Henrietta Lacks‘ selbst um ein Vielfaches. Die Zelllinie ist über Anbieter wie ATCC und DSMZ kommerziell erhältlich.

War die Entnahme der HeLa-Zellen legal?2026-06-16T00:40:54+02:00

Nach US-amerikanischem Recht von 1951 war die Entnahme legal. Eine informierte Einwilligung („informed consent“) gab es als Standard noch nicht; sie wurde erst durch den Nuremberg Code von 1947, den Helsinki-Declaration-Prozess ab 1964 und das Common-Rule-Regelwerk von 1991 verbindlich verankert. Ethisch betrachtet gilt der Vorgang heute als klare Verletzung der Patientinnenrechte.

Wie wurden HeLa-Zellen für die Polio-Impfung genutzt?2026-06-16T00:41:40+02:00

Jonas Salk brauchte 1953/54 für die klinische Erprobung seines Polio-Impfstoffs Zellkulturen in industriellem Maßstab. Am Tuskegee Institute richteten Russell W. Brown und James H. M. Henderson eine HeLa-Zellfabrik ein, die wöchentlich 20.000 Röhrchen mit insgesamt sechs Billionen Zellen produzierte. Auf dieser Basis testete Salk die Wirksamkeit ab dem 26. April 1954 an über 1,8 Millionen Schulkindern in den USA.

Sind HeLa-Zellen gefährlich?2026-06-16T00:41:58+02:00

Im normalen Laborbetrieb sind HeLa-Zellen für Forschende nicht infektiös und werden in der biologischen Sicherheitsstufe 2 (BSL-2) gehandhabt. Gefährlich sind sie jedoch im wissenschaftlichen Sinn: HeLa-Zellen verbreiten sich extrem aggressiv und kontaminierten zwischen 1951 und heute Hunderte andere Zelllinien. Stanley Gartler wies 1966 erstmals nach, dass 18 angeblich eigenständige Zelllinien in Wahrheit HeLa waren – ein Befund, der bis heute als „HeLa-Bombe“ bekannt ist.

Wo kann man HeLa-Zellen kaufen?2026-06-16T00:42:15+02:00

HeLa-Zellen sind über zertifizierte Zellbanken erhältlich. Die American Type Culture Collection (ATCC) in den USA und die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) in Braunschweig vertreiben die Linie an Forschungseinrichtungen. Eine Ampulle kostet, je nach Variante und Region, zwischen 400 und 700 Euro.

Wie viele Kinder hatte Henrietta Lacks?2026-06-16T00:42:40+02:00

Henrietta Lacks hatte fünf Kinder: Lawrence Lacks (geboren 1935), Lucille Elsie Lacks (1939–1955), David „Sonny“ Lacks junior (1947), Deborah Lacks Pullum (1949–2009) und Joseph Lacks, später Zakariyya Bari Abdul Rahman (1950).

Wer war Deborah Lacks?2026-06-16T00:43:08+02:00

Deborah Lacks war Henriettas vierte Tochter. Sie war ein Jahr alt, als ihre Mutter starb, und verbrachte einen Großteil ihres Lebens damit, mehr über sie zu erfahren. Gemeinsam mit Rebecca Skloot recherchierte sie ab 1999 die Geschichte ihrer Mutter und ihrer Schwester Elsie. Deborah Lacks starb 2009 an einem Herzinfarkt, bevor das Buch erschien.

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Auch unvergessen:

Bildquellen

  1. Oregon State University. (o. J.). Henrietta Lacks [Fotografie]. Wikimedia Commons. commons.wikimedia.org. Lizenz: CC BY-SA 2.0. Anpassung am Bild: Hintergrund entfernt.
  2. Shaw, G. (2011). HeLa cells stained with antibody to actin (green), vimentin (red) and DNA (blue) [Fluoreszenzmikroskopie]. Wikimedia Commons. commons.wikimedia.org. Lizenzen: CC BY-SA 3.0 sowie GFDL 1.2+. Keine inhaltlichen Änderungen.

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Textquellen

  1. „The Legacy of Henrietta Lacks“. Johns Hopkins Medicine
  2. „Henrietta Lacks“. Library of Virginia – Virginia Changemakers
  3. „Mrs. Henrietta Lacks“. Johns Hopkins Institute for Clinical and Translational Research
  4. Embryo Project Encyclopedia: „Henrietta Lacks (1920–1951)“. Arizona State University
  5. „HeLa Cell Line“. Embryo Project Encyclopedia, Arizona State University
  6. Adey, Andrew et al.: „The haplotype-resolved genome and epigenome of the aneuploid HeLa cancer cell line“. Nature, 2013. PubMed Central
  7. Liu, Xuefeng et al.: „Telomerase Induction in HPV Infection and Oncogenesis“. PubMed Central
  8. „Hidden Black Scientists Proved the Polio Vaccine Worked“. Scientific American
  9. Skloot, Rebecca: The Immortal Life of Henrietta Lacks. Crown Publishing, New York 2010. rebeccaskloot.com
  10. „Elsie Lacks: Henrietta’s Daughter, Committed to a Hospital“. Shortform
  11. „The Immortal Life of Henrietta Lacks“. Wikipedia
  12. „The Immortal Life of Henrietta Lacks (film)“. Wikipedia
  13. „The NIH-Lacks Family Agreement“. National Institutes of Health
  14. „WHO Director-General Bestows Posthumous Award on the Late Henrietta Lacks“. World Health Organization
  15. „Estate of Henrietta Lacks reaches settlement with biotech company for nonconsensual use of her cells in medical research“. CNN
  16. „About The Foundation“. Henrietta Lacks Foundation
  17. „Johns Hopkins and Family of Henrietta Lacks Break Ground on Building Named in Honor of Henrietta Lacks“, 28. Oktober 2024. Johns Hopkins Medicine
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