Josephine Cochrane

Erfinderin der Geschirrspülmaschine (1886), die später zum Erfolg von KitchenAid beitrug

* 8. März 1839 Ashtabula County, Ohio, USA

† 3. August 1913 Chicago, Illinois, USA

Eine junge Frau mit zarten Gesichtszügen, schick gekleidet und mit Flechtfrisur namens Josephine Cochrane

Wer war Josephine Garis Cochrane?

Josephine Garis Cochrane war Anfang vierzig, als sie in Shelbyville, Illinois, ihrem Hausmädchen die Teller aus der Hand nahm. Bei den regelmäßigen Dinnerpartys hatten die Bediensteten zu oft ihr geerbtes Porzellan aus dem 17. Jahrhundert angeschlagen. Sie wollte das gute Service nun selbst spülen. Doch auch in ihren eigenen Händen splitterten die Kanten. Daraufhin soll sie verkündet haben: „Wenn niemand sonst eine mechanische Geschirrspülmaschine erfindet, dann mache ich es eben selbst.“¹
Dieser Satz, später vom United States Patent and Trademark Office als Schlüsselzitat überliefert, beschreibt einen privaten Moment einer wohlhabenden Hausfrau im ländlichen Illinois.¹ Er beschreibt zugleich den Beginn der Industriegeschichte des Geschirrspülers. Knapp fünf Jahre später hielt Cochrane das US-Patent Nr. 355.139 in den Händen. Das war am 28. Dezember 1886, und sie hatte gerade die erste praktisch funktionierende Geschirrspülmaschine der Welt patentieren lassen.²

Kindheit am Eriesee und in Indiana

Josephine Garis kam am 8. März 1839 im ländlichen Ashtabula County im Norden Ohios zur Welt.² Aufgewachsen ist sie in Valparaiso, Indiana. Ihr Vater John Garis arbeitete als Bauingenieur und betreute mehrere Mühlen entlang des Ohio River. Ihre Mutter Irene Fitch Garis stammte aus einer Neuengland-Familie.
Eine formale technische Ausbildung erhielt Josephine nicht. Frauen waren im Amerika der 1850er Jahre von Ingenieurstudiengängen praktisch ausgeschlossen.² Trotzdem wuchs sie zwischen Werkstätten und Pumpenkonstruktionen auf. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter zog sie zu einer älteren Schwester nach Shelbyville, Illinois.⁴ Dort lernte sie William Apperson Cochran kennen.

Die Heirat in 1858 mit William A. Cochran

Mit neunzehn Jahren heiratete sie am 13. Oktober 1858 den neun Jahre älteren William.⁵ Er war vom kalifornischen Goldrausch zurückgekehrt, in dem er sich erfolglos als Bergmann, Lehrer und Eisenbahnarbeiter versucht hatte. In Shelbyville bauten beide sich ein zweites Leben auf: William wurde Stoffhändler und Politiker der Demokratischen Partei, Josephine die Frau an seiner Seite.⁵

Sie behielt seinen Nachnamen, schrieb ihn jedoch bald mit einem zusätzlichen „e“ am Ende – „Cochrane“ klang in ihren Ohren europäischer und feiner.⁶ Das Paar bekam zwei Töchter, Hallie und Katharine; ein weiteres Kind starb früh. Um 1870 zog die Familie in ein größeres Haus. Cochrane stieg in die Gesellschaft von Chicago auf und gab regelmäßig Dinnerpartys, bei denen das geerbte Porzellan zum Einsatz kam.⁵

Die Witwe mit 1.500 $ Schulden

Im Jahr 1883 starb William überraschend. Was Josephine Garis Cochrane danach in den Familienpapieren fand, traf sie schwer: 1.535,59 Dollar Bargeld – nach heutigem Wert rund 47.000 US-Dollar – und ein erheblicher Schuldenberg.⁵ Damit war die Witwe in einer wirtschaftlich heiklen Lage. Sie hatte zwei Töchter und eine Reihe von Verwandten zu unterstützen.

Genau in dieser Situation wurde aus der privaten Idee einer Spülmaschine eine geschäftliche Notwendigkeit. Cochrane hatte schon vor dem Tod ihres Mannes erste Skizzen entworfen, doch jetzt setzte sie alles auf diese Erfindung. Ihre wirtschaftliche Lage zwang sie, das Projekt schnell zur Marktreife zu bringen.⁶

Wie die erste Spülmaschine von Cochrane funktionierte

Cochrane begann die Konstruktion in einem Schuppen hinter ihrem Haus in Shelbyville.² Sie hatte keine Ingenieursausbildung und benötigte deshalb mechanische Hilfe. Sie engagierte den jungen Mechaniker George Butters, der durch den Hinterhof zum Schuppen kam – Cochrane fürchtete, regelmäßige Besuche eines Mannes würden ihrem Ruf schaden.⁶

Das Prinzip war neu: Cochrane vermaß Teller, Tassen und Untertassen einzeln und baute für jede Form passgenaue Drahtkörbe. Diese Körbe befestigte sie auf einem Rad, das flach in einem kupfernen Kessel lag. Ein Motor drehte das Rad, während heißes Seifenwasser von unten nach oben gegen das Geschirr spritzte und wieder auf die Stücke herabregnete.² Damit war ihre Maschine die erste, die Wasserdruck statt mechanischer Bürsten einsetzte – ein Prinzip, das in jedem modernen Geschirrspüler bis heute steckt.⁷

Funktionsweise von Josephine Cochranes Geschirrspülmaschine in einer gezeichneten Seitenansicht

Vor Cochrane: Joel Houghton, L. A. Alexander und 36 Jahre Anlauf

Cochrane war nicht die Erste, die das Spülen automatisieren wollte. Bereits am 14. Mai 1850 hatte Joel Houghton ein US-Patent für eine handbetriebene Maschine erhalten. Sein Apparat war eine Holzkiste mit Kurbel: Über ein Rad wurde Wasser auf das Geschirr gespritzt, zusätzlich kamen Bürsten zum Einsatz. Die Maschine funktionierte kaum.⁷ Zehn Jahre später baute L. A. Alexander eine verbesserte Version mit Zahnradmechanik. In ihr drehten sich die Teller in einem Wasserbad. Auch dieses Modell setzte sich kommerziell nicht durch.⁵

Cochranes Patent vom 28. Dezember 1886 unterschied sich technisch klar von diesen Vorläufern.² Es war das erste mit speziell angepassten Drahtkörben, die das Geschirr fixierten. Zugleich war es das erste, das vollständig auf Wasserdruck statt auf Reibung setzte.³ Im modernen Sinn ist es deshalb das Patent, ab dem die Geschichte der heutigen Spülmaschine beginnt.

Vom Palmer House zur Weltausstellung 1893

Nach Erteilung des Patents gründete Cochrane die Garis-Cochran Manufacturing Company.⁵ Den ersten großen Auftrag holte sie 1887 persönlich: Das Palmer House Hotel in Chicago kaufte ihre Maschine für 800 Dollar. Über diesen Termin sagte sie später: „Sie können sich nicht vorstellen, wie es damals war, als Frau allein eine Hotellobby zu durchqueren. Ich war nie ohne meinen Mann oder Vater irgendwo gewesen – die Lobby schien eine Meile breit. Ich dachte, ich falle bei jedem Schritt in Ohnmacht.“⁶

Der Durchbruch kam 1893 auf der Weltausstellung in Chicago, der World’s Columbian Exposition. Cochrane stellte ihre Maschine in der Machinery Hall aus. Neun Garis-Cochran-Geräte spülten dort das Geschirr für die Restaurants und Pavillons – bis zu 240 Teller in zwei Minuten.⁶ Die Maschine erhielt einen Preis für „beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und Anpassung an ihren Einsatzzweck“.⁵ Es war das einzige Gerät der riesigen Maschinenhalle, das eine Frau erfunden hatte.⁶

Warum die Spülmaschine zunächst nicht in die Haushalte kam

Geschäftlich war die Ausstellung der Wendepunkt. Hotels, Restaurants, später Krankenhäuser und Hochschulen orderten. Doch der private Haushalt blieb verschlossen. Die gewerblichen Modelle kosteten je nach Größe zwischen 700 und 1.000 Dollar.¹⁰ Cochrane brachte zusätzlich eine kleinere Haushaltsversion für rund 350 Dollar auf den Markt, doch auch das war für die meisten Familien unerreichbar.¹⁰ Zudem hatten die wenigsten Häuser eine Warmwasserversorgung, die den Bedarf des Geräts gedeckt hätte.⁵

Cochrane selbst hat das in einem späteren Interview präzise analysiert: „Wenn eine Frau etwas für die Küche kaufen soll, das 75 oder 100 Dollar kostet, beginnt sie sofort zu rechnen, was sie sonst alles mit dem Geld machen könnte. Sie hasst das Spülen – welche Frau nicht? – aber sie hat nicht gelernt, ihre Zeit und ihre Ruhe als Geld zu betrachten.“⁶ Erst in den 1950er Jahren, mit veränderten Frauenrollen, neuen Geschirrspülmitteln und größeren Warmwasserspeichern, wurde das Gerät zum Massenprodukt.²

„Sie wussten, dass ich akademisch nichts von Mechanik verstand“

Cochrane war nicht nur Erfinderin, sondern auch Geschäftsführerin, Verkäuferin und Bauleiterin in einem.³ 1897 benannte sie das Unternehmen in Cochran’s Crescent Washing Machine Company um, 1898 eröffnete sie eine eigene Fabrik mit Butters als Werkstattleiter. Die Maschinen verkauften sich von Mexiko bis Alaska. Bis zu ihrem Tod meldete sie sechs US- und zwei britische Patente an.⁴

Die Arbeit mit männlichen Konstrukteuren war für Cochrane mühsam. In einem Interview mit dem Chicago Record-Herald im Jahr 1912 sagte sie: „Ich konnte die Männer nicht dazu bringen, die Dinge auf meine Art zu tun, bis sie es nicht auf ihre eigene versucht und gescheitert waren. Und das war teuer für mich. Sie wussten, dass ich akademisch nichts von Mechanik verstand, und bestanden darauf, ihren Weg mit meiner Erfindung zu gehen.“⁸ Investoren forderten zudem mehrfach, sie solle ihre Funktion abgeben, damit das Unternehmen an einen Mann verkauft werden könne. Sie lehnte ab.⁷

Mythos John Fitch und das „e“ im Namen

Cochrane verstand sich gut auf Selbstinszenierung. Sie ließ die Presse glauben, sie sei die Urenkelin des Dampfschiff-Erfinders John Fitch. Tatsächlich hatte sie einen Urgroßvater namens John Fitch, doch wie Historikerin Irene M. H. Herold von der Virginia Commonwealth University in ihrer Magisterarbeit zeigt, war dieser nicht identisch mit dem berühmten Erfinder. Cochrane wusste das, ließ den schmeichelhaften Irrtum aber stehen, weil er ihrem Geschäft nützte.⁴

Auch die häufig erzählte Geschichte vom Haushalt mit vielen Bediensteten, die ihr Porzellan ruinierten, hält der Quellenlage nur bedingt stand. Im Zensus von 1880 ist ein einziger Hausangestellter verzeichnet.⁴ Selbst die Schreibweise ihres Nachnamens veränderte Cochrane bewusst: Aus Cochran wurde in den 1890er Jahren Cochrane – das zusätzliche „e“ sollte europäisch wirken.⁶ Sie war nicht nur Erfinderin, sondern auch eine frühe Markenstrategin in eigener Sache.

Tod 1913 und das Erbe: Crescent, Hobart, KitchenAid

Josephine Garis Cochrane starb am 3. August 1913 in Chicago, vermutlich an einem Schlaganfall oder an Erschöpfung. Sie wurde 74 Jahre alt und liegt auf dem Glenwood Cemetery in Shelbyville begraben.⁵ Dreizehn Jahre nach ihrem Tod, 1926, kaufte die Hobart Manufacturing Company ihr Unternehmen, die Crescent Washing Machine Company.⁹ Hobart vermarktete die Geräte zunächst weiter für die Gastronomie.

1949 stellte Hobart erstmals einen Haushaltsgeschirrspüler unter dem Markennamen KitchenAid vor: die KD-10 in Weiß und Rosa, „inspiriert vom Potenzial des Patents von Josephine Garis Cochrane“, wie KitchenAid in seiner offiziellen Markengeschichte schreibt.¹⁰ Aus dem Schuppen in Shelbyville führt damit eine ununterbrochene Linie zu jedem heutigen KitchenAid- und Whirlpool-Geschirrspüler. Whirlpool übernahm KitchenAid 1986 und verweist auch heute auf den Ursprung bei Cochrane.⁴

Posthume Anerkennung: Hall of Fame, KitchenAid und Glenwood

Zu Lebzeiten blieb Cochrane vor allem in Fachkreisen bekannt. Im Jahr 2006 nahm die National Inventors Hall of Fame sie für Patent Nr. 355.139 posthum auf.³ Die Aufnahme verschob die historische Erinnerung deutlich. Aus einer Fußnote in der Geschichte der Haushaltsgeräte wurde eine der frühen Frauen in der amerikanischen Industriegeschichte. Sie hatte Erfindung, Fertigung und Vertrieb selbst in einer Hand gebündelt.

Ihre Biografie zeigt, wie viel Beharrlichkeit eine Frau im späten 19. Jahrhundert aufbringen musste. Sie brauchte sie sowohl für die technische Idee als auch für deren Markteinführung. Daher wirkt ein Satz aus einem Interview kurz vor ihrem Tod fast wie eine Bilanz: „Wenn ich heute alles gewusst hätte, was ich weiß, als ich die Spülmaschine auf den Markt brachte, hätte ich nie den Mut gehabt anzufangen. Aber dann hätte ich eine wundervolle Erfahrung verpasst.“³

War Josephine Cochrane wirklich die Erste?

Streng technisch nicht. Joel Houghton hielt schon 1850 das erste US-Patent für eine Spülmaschine, L. A. Alexander legte in den 1860er Jahren nach.⁷ Beide Maschinen blieben jedoch unbrauchbar. Cochranes Konstruktion vom 28. Dezember 1886 war die erste mit angepassten Drahtkörben, die erste mit reinem Wasserdruck und – entscheidend – die erste, die sich kommerziell durchsetzte und eine Industrie begründete.²

Wer also die Frage stellt, wer den Geschirrspüler erfunden hat, kann sie genau beantworten: Den ersten patentierten Geschirrspüler erfand Joel Houghton 1850. Den ersten praktisch funktionierenden, kommerziell erfolgreichen Geschirrspüler erfand Josephine Garis Cochrane 1886. Und sie produzierte und verkaufte ihn selbst.

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Bildquellen

Textquellen

  1. Ram, Jocelyn; Atkisson, Eric; Premack, Jay; Larrimore, Laura; Schatz, Steve; Camarota, Alex: „‚I’ll do it myself'“. USPTO
  2. „Josephine Cochrane – Dishwashing Machine“. Lemelson-MIT Program
  3. „Josephine Garis Cochran“. National Inventors Hall of Fame. invent.org
  4. Little, Becky: „Who Invented the Dishwasher?“. 23. September 2024, aktualisiert 5. September 2025. History.com
  5. „Josephine Cochrane“. Wikipedia (englisch)
  6. Durn, Sarah: „The forgotten story of the woman who invented the dishwasher“. 8. März 2025. Popular Science
  7. Goodrich, Joanna: „This Socialite Hated Washing Dishes So Much That She Invented the Automated Dishwasher“. 6. Oktober 2020. IEEE Spectrum
  8. „Josephine Cochrane, Inventor of the Dishwasher“. Invention & Technology Magazine. inventionandtech.com
  9. „Hobart Company History“. KaTom
  10. „Markengeschichte“. KitchenAid Deutschland