Berühmte Ingenieurinnen & Technikerinnen

Berühmte Ingenieurinnen – Frauen, die Brücken, Netzwerke und Maschinen gebaut haben
Die Brooklyn Bridge, das Frequenzsprungverfahren hinter Bluetooth, das Spanning-Tree-Protocol in heutigen Firmennetzen und der erste Compiler überhaupt: Hinter all dem stehen Ingenieurinnen. Ihre Namen tauchen in vielen Technikgeschichten jedoch oft nur am Rand auf. Diese Kategorie sammelt ihre Biografien. Dazu gehören Bauingenieurinnen, Elektroingenieurinnen, Informatikerinnen und Materialforscherinnen. Viele von ihnen waren Patentinhaberinnen. Allerdings gingen ihre Patente häufig an große Konzerne über. Zudem waren manche die ersten Absolventinnen ihrer Fächer. Ihre Diplome verloren später jedoch oft durch Heirat ihre offizielle Wirkung.
Vom ersten Algorithmus zum WLAN-Patent
Ada Lovelace schrieb 1843 in ihrer Note G eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Berechnung der Bernoulli-Zahlen. Diese war für Charles Babbages nie gebaute Analytical Engine gedacht. Heute gilt sie daher als erstes Computerprogramm überhaupt.
In ihren Notizen ging Lovelace jedoch noch weiter. Sie formulierte die Idee, dass eine solche Maschine nicht nur Zahlen verarbeiten könne, sondern auch Töne, Buchstaben und Bilder. Damit dachte sie über ein Jahrhundert vor dem ersten realen Computer in grundlegenden Konzepten der Informatik.
Hedy Lamarr meldete am 10. Juni 1941 gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil ein „Secret Communication System“ beim US-Patentamt an. Dieses Patent (US2292387A) wurde 1942 erteilt.
Das Verfahren basierte auf Frequenzsprungtechnik. Es sollte ursprünglich Torpedos störungssicher steuern. Später übernahmen Militär und Industrie diese Idee für Funkanlagen. Daraus entwickelten sich schließlich Technologien, die in Varianten auch in Bluetooth und GSM genutzt werden. Während des Krieges blieb das Patent jedoch ungenutzt im Archiv der US-Marine. Finanziell profitierte Lamarr davon nicht.
Strom, Stahl und Brücken: die Bauingenieurinnen
Emily Warren Roebling war keine ausgebildete Ingenieurin. Dennoch übernahm sie ab 1872 faktisch die Bauleitung der Brooklyn Bridge. Ihr Mann Washington Roebling war an der Caissonkrankheit erkrankt, daher konnte er das Projekt nicht weiterführen.
Roebling pendelte über viele Jahre zwischen Krankenbett und Baustelle. Dabei eignete sie sich selbst Kenntnisse in Festigkeitslehre, Materialkunde und Kabeltechnik an. Außerdem verhandelte sie mit Stahlwerken über neue Profile, die es zuvor nicht gab.
Bei der Eröffnung am 24. Mai 1883 fuhr sie als erste Person mit der Kutsche über die fertige Brücke. Heute erinnert eine Bronzetafel an ihre Rolle neben Vater und Sohn Roebling.
Edith Clarke war 1919 die erste Frau mit einem Master in Elektrotechnik vom MIT. Zunächst fand sie jedoch keine Stelle als Ingenieurin. Daher arbeitete sie bei General Electric als „Computer“, also als menschliche Rechenkraft im Turbinenbau.
In ihrer Freizeit entwickelte sie den Clarke Calculator. Dieses grafische Rechengerät ermöglichte schnellere Berechnungen von Übertragungsleitungs-Gleichungen. Dadurch ließ sich die Rechenzeit etwa um das Zehnfache reduzieren. Das Patent US1552113 erhielt sie 1925.
1926 hielt sie als erste Frau einen Fachvortrag vor dem American Institute of Electrical Engineers. Später wurde sie zudem die erste Elektrotechnik-Professorin der USA an der University of Texas in Austin.
Die deutschen Pionierinnen: Knobelsdorff und ter Meer
Elisabeth von Knobelsdorff bestand 1911 an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg die Diplomprüfung in Architektur. Damit war sie die erste Frau im Deutschen Reich mit dem Titel Diplom-Ingenieur.
1921 legte sie zusätzlich die Staatsprüfung für das Hochbauamt ab. Dadurch wurde sie die erste Regierungsbaumeisterin Deutschlands. Zwei Jahre später wurde sie jedoch entlassen, da verheiratete Frauen im Staatsdienst damals nicht dauerhaft beschäftigt wurden.
Ilse Knott-ter Meer studierte ab 1919 Maschinenbau an der TH Hannover. Sie war dort die einzige Frau unter rund tausend Studierenden.
1927 wurde sie als erste Frau in den Verein Deutscher Ingenieure (VDI) aufgenommen. Beide Biografien zeigen deutlich, wie langsam sich der Ingenieurberuf für Frauen öffnete. Bis 1918 hatten an der TH Berlin insgesamt nur drei Frauen Bauingenieurwesen studiert.
Compiler, Netzwerke und der Code dahinter
Grace Hopper entwickelte 1952 bei der Eckert-Mauchly Computer Corporation den A-0, den ersten Compiler überhaupt. Dieses Programm übersetzte Befehle in Maschinencode. Dadurch wurde die Idee etabliert, dass Software in einer menschenlesbaren Sprache geschrieben werden kann.
Ihre spätere Sprache FLOW-MATIC (1955–1959) wurde zur Grundlage von COBOL. Diese Programmiersprache prägte insbesondere Bankensysteme bis weit in die 2000er-Jahre. Hopper diente zudem bis zum Alter von 79 Jahren in der US Navy und wurde 1986 als Rear Admiral verabschiedet.
Radia Perlman entwickelte 1985 bei Digital Equipment Corporation das Spanning Tree Protocol. Sie entwarf es in nur wenigen Tagen.
1990 wurde es als IEEE-Standard 802.1d übernommen. Dadurch konnte Ethernet von wenigen hundert auf hunderttausende Knoten skaliert werden. Das bildet bis heute die Grundlage moderner Firmennetze. Perlman hält über 200 Patente. Allerdings lehnt sie den oft verwendeten Titel „Mutter des Internets“ ab, da Netzwerke immer das Ergebnis vieler Beiträge seien.
Materialerfindung: Kwolek und die Faser, die Stahl ersetzt
Stephanie Kwolek arbeitete 1964 bei DuPont ursprünglich an einer leichteren Reifenverstärkung. Dabei erzeugte sie eine ungewöhnliche, trübe Lösung aus aromatischen Polyamiden. Ihre Kollegen hielten dieses Ergebnis zunächst für unbrauchbar.
Sie überzeugte die Spinnerei dennoch, einen Versuch durchzuführen. Dabei entstand Kevlar. Dieses Material ist etwa fünfmal zugfester als Stahl bei gleichem Gewicht und zudem hitze- sowie säurebeständig.
Das Patent US3287323 wurde 1966 erteilt. Kwolek übertrug die Rechte jedoch an DuPont und erhielt daher keinen direkten finanziellen Anteil am späteren Erfolg. Kevlar wird bis heute in Schutzwesten, Flugzeugbremsen und Glasfaserkabel-Ummantelungen eingesetzt.
Bildquellen:
- Blaues Roboterspielzeug aus Kunststoff — Foto:
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