Berühmte Politikerinnen

Am 19. Januar 1919 gingen in Deutschland erstmals Frauen wählen und kurz darauf zogen die ersten von ihnen in die Weimarer Nationalversammlung ein. Über hundert Jahre später liegt der Frauenanteil im Deutscher Bundestag bei rund einem Drittel, weltweit stellen Frauen laut UN Women nur etwas mehr als ein Viertel der Parlamentsabgeordneten. Die Geschichte der Politikerinnen ist daher keine lineare Erfolgserzählung, sondern eine Abfolge von Durchbrüchen, Widerständen und bleibenden Spuren, die zeigen, wie Frauen politische Räume erobert und verändert haben.
Flaggen verschiedener Länder vor dem europäischen Parlament
  • Jennifer Morgan

    Klimadiplomatin zwischen Aktivismus und Außenpolitik

  • Billie Jean King

    Tennis-Legende, Aktivistin und Pionierin der Gleichberechtigung

  • Lateinamerikanische Frau mit dunklen Haaren namens Gabriela Mistral

    Gabriela Mistral

    Poetin, Pädagogin, Nobelpreisträgerin

  • Hatschepsut

    Pharaonin mit Vision – baute Tempel statt Kriege

  • Wangari Maathai mit ihrem Friedensnobelpreis in der Hand

    Wangari Maathai

    Umweltaktivistin & Friedensnobelpreisträgerin

Deutsche Politikerinnen – von der Weimarer Republik bis heute

Marie Juchacz hielt am 19. Februar 1919 die erste Rede einer Frau in einem deutschen Parlament. Sie hatte zuvor den Arbeiterwohlfahrtsverband mitgegründet und prägte die Sozialdemokratie ihrer Zeit. Mit ihr zogen 36 weitere Frauen in die Nationalversammlung ein – fast acht Prozent der Abgeordneten, eine Quote, die in der Bundesrepublik erst Jahrzehnte später wieder erreicht wurde. Nach 1933 verlor jede deutsche Politikerin ihr Mandat; nach 1945 musste in Ost wie West neu angefangen werden.

Pionierinnen der Nachkriegszeit

Elisabeth Selbert setzte 1949 als eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“ gegen erheblichen Widerstand den Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in Artikel 3 durch. Ohne ihre Hartnäckigkeit wäre die Gleichberechtigung in der Verfassung der Bundesrepublik so nicht verankert worden.

Louise Schroeder führte 1947 als Oberbürgermeisterin von Berlin die geteilte Stadt durch die sowjetische Blockade. Annemarie Renger wurde 1972 als erste Frau Bundestagspräsidentin – damals das zweithöchste Staatsamt der Bundesrepublik.

Rita Süssmuth leitete von 1988 bis 1998 als Bundestagspräsidentin die Sitzungen des Parlaments. Zuvor kämpfte sie als Familienministerin für eine ehrliche Auseinandersetzung mit Aids – damals ein Tabuthema – und brachte Frauenpolitik, Familienarbeit und reproduktive Rechte in der CDU auf die Tagesordnung.

Petra Kelly gründete 1980 mit anderen die Grünen und zog 1983 in den Bundestag ein. Sie verband Abrüstung, Feminismus, Ökologie und Menschenrechte zu einem politischen Programm, lange bevor diese Themen mehrheitsfähig waren. Kelly organisierte Friedensdemonstrationen gegen die NATO-Nachrüstung, kämpfte gegen Atomkraft und gegen die Apartheid in Südafrika und galt international als das prominenteste Gesicht der jungen grünen Bewegung.

Erste Ministerpräsidentinnen

Heide Simonis regierte von 1993 bis 2005 in Schleswig-Holstein und war damit die erste Ministerpräsidentin eines deutschen Bundeslandes. Sie modernisierte die Landesverwaltung, setzte auf Bildungsreformen und galt als pointierte, schlagfertige Rednerin. 2005 verlor sie nach vier Wahlgängen die Mehrheit an einen anonymen Abweichler – einer der dramatischsten Vorgänge der bundesdeutschen Landespolitik.

Hannelore Kraft führte von 2010 bis 2017 die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Sie prägte den Begriff der „vorbeugenden Sozialpolitik“: Investitionen in Kinder, Bildung und Familien sollten teure Folgekosten von Armut und Bildungsversagen verhindern.

Manuela Schwesig regiert seit 2017 Mecklenburg-Vorpommern. Zuvor war sie Bundesfamilienministerin und setzte das ElterngeldPlus sowie das Entgelttransparenzgesetz durch.

Angela Merkel und das deutsche Kabinett

Angela Merkel führte die Bundesrepublik von November 2005 bis Dezember 2021 als erste Bundeskanzlerin durch vier Legislaturperioden. In ihren sechzehn Amtsjahren verantwortete sie die Eurokrise mit den umstrittenen Griechenland-Hilfspaketen, die Aufnahme von rund einer Million Geflüchteter 2015/2016 und den damit verbundenen Satz „Wir schaffen das“, den Atomausstieg nach Fukushima 2011 und die Corona-Pandemie. Sie blieb länger im Amt als jeder andere demokratisch gewählte Regierungschef der Bundesrepublik außer Helmut Kohl. 2000 war sie bereits als erste Frau CDU-Vorsitzende geworden – ein Aufstieg, der angesichts der konservativen Tradition ihrer Partei lange undenkbar schien.

Frauen an der Spitze deutscher Ministerien

Ursula von der Leyen begann ihre Bundeskarriere 2005 als Familienministerin und führte 2007 das Elterngeld ein – eine der prägendsten familienpolitischen Reformen der Nachkriegszeit. Als Arbeitsministerin (2009–2013) setzte sie unter anderem den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn auf die Tagesordnung. Von 2013 bis 2019 leitete sie als erste Frau das Verteidigungsministerium. Annegret Kramp-Karrenbauer übernahm das Verteidigungsressort von 2019 bis 2021.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war zweimal Bundesjustizministerin und trat 1996 aus Protest gegen den Großen Lauschangriff zurück – ein in der deutschen Geschichte seltener Schritt aus Gewissensgründen. Brigitte Zypries führte das Justizressort von 2002 bis 2009 und prägte das deutsche Patentrecht. Annette Schavan und Johanna Wanka verantworteten als Bildungsministerinnen die Hochschulreformen der 2010er-Jahre. Nancy Faeser übernahm 2021 das Innenministerium und legte einen Schwerpunkt auf den Kampf gegen Rechtsextremismus.

Annalena Baerbock leitete von 2021 bis 2025 das Auswärtige Amt als erste Außenministerin Deutschlands und prägte den Begriff der „feministischen Außenpolitik“, der Geschlechtergleichstellung, Menschenrechte und zivilgesellschaftliche Teilhabe zu Leitlinien der deutschen Diplomatie machte.

Andere Bereiche wie Finanzen, Wirtschaft und Verkehr wurden in der Bundesrepublik bis heute überwiegend von Männern besetzt.

Frauen in den deutschen Parteien

Jede Partei hat ihre eigene Geschichte mit weiblichen Mitgliedern – mit eigenen Pionierinnen, eigenen Brüchen und eigenen Quotendebatten. Viele der oben porträtierten Frauen prägten dabei gleichzeitig die parteipolitische Linie ihrer Heimat.

CDU, CSU und FDP – das bürgerlich-liberale Lager

In der CDU bilden Rita Süssmuth und Angela Merkel die zentrale Linie weiblicher Spitzenpolitik. Süssmuth öffnete in den 1980er-Jahren Räume für Frauenpolitik in einer von katholischer Soziallehre geprägten Partei, Merkel übernahm 2000 den Vorsitz und führte die CDU als erste Frau in die Kanzlerschaft.

In der CSU ist Ilse Aigner die bekannteste weibliche Politikerin der vergangenen Jahre – zunächst als Verbraucherschutz- und Bildungsministerin im Bund, dann als bayerische Wirtschaftsministerin, ab 2018 als erste Landtagspräsidentin Bayerns.

In der FDP blieb Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eine prägende Figur des liberalen Rechtsstaatsdenkens und Bürgerrechtskämpferin gegen Vorratsdatenspeicherung und Lauschangriff. Marie-Agnes Strack-Zimmermann führte ab 2021 als Vorsitzende des Verteidigungsausschusses die sicherheitspolitische Debatte mit und wurde zur sichtbarsten Stimme für Waffenlieferungen an die Ukraine.

SPD, Grüne und Linke – das progressive Lager

In der SPD reicht die Linie von Marie Juchacz und Louise Schroeder über Annemarie Renger bis zu Andrea Nahles, die 2018 als erste Frau den SPD-Vorsitz übernahm. Saskia Esken führte die Partei als Co-Vorsitzende ab 2019. Heidemarie Wieczorek-Zeul war von 1998 bis 2009 Entwicklungsministerin und sprach 2004 in Namibia die internationale Entschuldigung der Bundesregierung für den Völkermord an den Herero und Nama aus – einen Schritt, den ihre Nachfolger jahrelang vermieden hatten.

Die Grünen wurden 1980 wesentlich von Petra Kelly und Antje Vollmer mitgegründet und haben die Frauenquote von mindestens 50 Prozent seit ihrer Gründung in der Satzung verankert. Claudia Roth war Parteivorsitzende, Bundestagsvizepräsidentin und ab 2021 Kulturstaatsministerin – mit Schwerpunkten auf Erinnerungskultur, kolonialer Vergangenheit und Förderung freier Kunst. Renate Künast war ab 2001 erste grüne Bundesministerin und reformierte als Verbraucherschutzministerin nach dem BSE-Skandal die Agrarpolitik in Richtung Tierwohl und ökologischer Landwirtschaft. Annalena Baerbock führte die Partei von 2018 bis 2022 als Co-Vorsitzende und kandidierte 2021 als erste Kanzlerkandidatin der Grünen.

Bei der Linken wurden Petra Pau (langjährige Bundestagsvizepräsidentin und Stimme gegen Rechtsextremismus), Katja Kipping (Parteivorsitzende 2012–2021, Vordenkerin eines bedingungslosen Grundeinkommens), Janine Wissler und zuletzt Heidi Reichinnek zu Gesichtern der Partei. Sahra Wagenknecht gründete 2024 das BSW als Abspaltung von der Linken.

Frauen an der Spitze europäischer und internationaler Institutionen

Auf europäischer und internationaler Ebene leiten Frauen heute mehrere zentrale Institutionen. Die prominenteste unter ihnen ist Ursula von der Leyen, die das Forbes-Magazin seit 2022 als mächtigste Frau der Welt führt.

Ursula von der Leyen – die mächtigste Frau der Welt

Nach ihrer Bundeskarriere wechselte Ursula von der Leyen 2019 nach Brüssel und wurde als erste Frau Präsidentin der Europäischen Kommission. 2024 wählte das Europäische Parlament sie für eine zweite Amtszeit. In dieser Rolle verantwortet sie das 1,8-Billionen-Euro-Konjunkturpaket NextGenerationEU, den europäischen Green Deal mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 und die EU-Sanktionspolitik gegen Russland nach dem Angriff auf die Ukraine.

Im aktuellen Forbes-Ranking 2026 steht sie auf Platz 1 – im vierten Jahr in Folge. Hinter ihr folgen Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank seit November 2019 und davor erste Frau an der Spitze des Internationalen Währungsfonds, sowie Sanae Takaichi, seit Oktober 2025 erste Premierministerin Japans.

Weitere Frauen in europäischen Spitzenpositionen

Roberta Metsola ist seit Januar 2022 Präsidentin des Europäischen Parlaments und war zuvor als maltesische Abgeordnete eine prominente Stimme gegen Geldwäsche und für Pressefreiheit. Margrethe Vestager prägte als EU-Wettbewerbskommissarin von 2014 bis 2024 die Auseinandersetzung mit den großen Tech-Konzernen und verhängte Milliardenstrafen gegen Google, Apple und Amazon wegen Marktmissbrauchs und Steuerumgehung.

Internationale Regierungschefinnen und Staatsführerinnen

Lange bevor Europa eine Kanzlerin oder Kommissionspräsidentin kannte, hatten andere Länder Frauen an der Spitze. Sirimavo Bandaranaike übernahm 1960 in Ceylon (heute Sri Lanka) das Amt der Premierministerin und wurde damit zur weltweit ersten gewählten Regierungschefin der Geschichte. In drei Amtszeiten verstaatlichte sie Banken und Plantagen, führte das Land in die Blockfreien-Bewegung und prägte eine sozialistische Wirtschaftspolitik. Insgesamt regierte sie 17 Jahre.

Asien und Naher Osten

Indira Gandhi führte Indien von 1966 bis 1977 und nochmals von 1980 bis zu ihrer Ermordung 1984. Sie nationalisierte 1969 die großen Privatbanken, gewann 1971 den Krieg gegen Pakistan und stand Pate bei der Staatsgründung Bangladeschs. 1975 verhängte sie den umstrittenen Ausnahmezustand mit Pressezensur und Massenverhaftungen – ein Schatten, der ihr Werk bis heute begleitet.

Golda Meir war von 1969 bis 1974 Ministerpräsidentin Israels, hatte vorher das Außenministerium geleitet und gehörte zu den Mitunterzeichnerinnen der israelischen Unabhängigkeitserklärung 1948. Sie führte das Land durch den Jom-Kippur-Krieg 1973 – ein Konflikt, dessen unzureichende militärische Vorbereitung ihren späteren Rücktritt erzwang.

Benazir Bhutto übernahm 1988 als erste Frau die Regierung Pakistans und war damit die erste weibliche Premierministerin eines mehrheitlich muslimischen Landes. Sie setzte auf Bildungsoffensiven, vor allem für Mädchen, und versuchte, das Militär stärker unter zivile Kontrolle zu bringen. Am 27. Dezember 2007 wurde sie in Rawalpindi bei einem Wahlkampfauftritt ermordet.

Europa und Ozeanien

Margaret Thatcher führte Großbritannien von 1979 bis 1990 als erste und bisher einzige Premierministerin des Landes. Sie privatisierte Staatsunternehmen wie British Telecom und British Gas, brach 1984/85 den einjährigen Bergarbeiterstreik und führte den Falklandkrieg gegen Argentinien. Ihr marktradikaler Politikstil wird bis heute als „Thatcherism“ diskutiert.

Jacinda Ardern regierte Neuseeland von 2017 bis 2023 und brachte 2018 als amtierende Premierministerin ihr erstes Kind zur Welt – die zweite Regierungschefin der Welt, die das tat. Nach dem rassistischen Anschlag von Christchurch 2019 mit 51 Toten verschärfte sie binnen weniger Tage das Waffenrecht. Während der Corona-Pandemie führte ihre frühe Lockdown-Strategie zu einer der niedrigsten Sterblichkeitsraten weltweit. 2023 trat sie mit der Begründung zurück, nicht mehr genug Kraft für das Amt zu haben.

Sanna Marin wurde 2019 mit 34 Jahren jüngste Regierungschefin Finnlands. Nach Russlands Angriff auf die Ukraine führte sie das jahrzehntelang neutrale Finnland 2023 in die NATO. Mette Frederiksen regiert Dänemark seit 2019 mit einer Mischung aus sozialdemokratischer Sozialpolitik und harter Migrationspolitik.

Afrika und Lateinamerika

In Afrika gewann Ellen Johnson Sirleaf 2005 die Präsidentschaftswahl in Liberia und regierte das Land bis 2018. Sie übernahm einen Staat, der zwei Bürgerkriege hinter sich hatte, holte einen Großteil der Auslandsschulden in Verhandlungen aus dem Pariser Club heraus und brachte den Wiederaufbau in Gang. 2011 erhielt sie zusammen mit Leymah Gbowee und Tawakkol Karman den Friedensnobelpreis.

Sheikh Hasina führte Bangladesch zwischen 1996 und 2024 mit Unterbrechungen und prägte das Land länger als jede andere Regierungschefin Südasiens. Unter ihrer Führung wuchs die Wirtschaft jährlich um sechs bis acht Prozent, gleichzeitig häuften sich Vorwürfe wegen Wahlmanipulation und Pressezensur. 2024 gab sie ihr Amt nach Massenprotesten auf.

Dilma Rousseff war von 2011 bis 2016 erste Präsidentin Brasiliens und wurde – nach zwei Wahlsiegen – in einem umstrittenen Impeachment-Verfahren abgesetzt. Claudia Sheinbaum wurde 2024 erste Präsidentin Mexikos und steht auf Platz 5 der Forbes-Liste; vor ihrer politischen Karriere war sie Klimaforscherin und Mitautorin von IPCC-Berichten.

Bürgermeisterinnen und Kommunalpolitikerinnen

Politik beginnt im Rathaus. Anne Hidalgo regiert Paris seit 2014, hat die Innenstadt für den Autoverkehr Schritt für Schritt geschlossen, 1000 Kilometer Radwege ausgebaut und ließ die Seine für die Olympischen Spiele 2024 schwimmtauglich machen – ein Vorhaben, an dem ihre Vorgänger seit Jahrzehnten gescheitert waren.

Henriette Reker wurde am Tag vor ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin 2015 bei einem rassistischen Anschlag durch ein Messer schwer verletzt. Sie trat das Amt aus dem Krankenhaus heraus an und regierte die Stadt bis 2025 als parteilose Kandidatin – mit Schwerpunkten auf Wohnungsbau, Verkehrswende und Integration. Franziska Giffey führte Berlin von 2021 bis 2023 als Regierende Bürgermeisterin, nachdem sie zuvor Bezirksbürgermeisterin von Neukölln und Bundesfamilienministerin gewesen war.

In den deutschen Kommunalparlamenten liegt der Frauenanteil bis heute weit unter dem der Bundespolitik – ein strukturelles Problem, das die politische Pipeline für die nationale Ebene verengt.

Politik jenseits der Ämter – Frauen als Einflussgrößen

Politische Geschichte schreiben nicht nur gewählte Politikerinnen. Manche Frauen haben durch zivilgesellschaftliche Arbeit, internationale Diplomatie oder den klugen Umgang mit öffentlicher Sichtbarkeit Veränderungen in Gang gesetzt, die parlamentarisch nicht zu erzwingen gewesen wären.

Aktivistinnen, Diplomatinnen, Bewegungsgründerinnen

Wangari Maathai gründete 1977 in Kenia das Green Belt Movement, ließ über 51 Millionen Bäume pflanzen und verband Aufforstung mit Bildungsarbeit für Frauen in ländlichen Regionen. Ab 2002 saß sie als Abgeordnete im kenianischen Parlament und wurde dort stellvertretende Umweltministerin. 2004 erhielt sie als erste afrikanische Frau den Friedensnobelpreis – die Jury würdigte ausdrücklich den Zusammenhang von Umweltschutz, Demokratie und Frauenrechten.

Gabriela Mistral vertrat Chile ab 1932 als Konsulin in Italien, Spanien, Portugal, Brasilien und den USA und wirkte am Entwurf der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte mit. 1945 erhielt sie als erste lateinamerikanische Autorin den Literaturnobelpreis. Dichtung, Bildungsreform und Diplomatie gingen bei ihr Hand in Hand – sie setzte sich Zeit ihres Lebens für die Rechte von Kindern, Frauen und Indigenen in ganz Lateinamerika ein.

Billie Jean King erkämpfte 1973 im „Battle of the Sexes“ einen Tennissieg gegen Bobby Riggs vor 90 Millionen TV-Zuschauern und gründete im selben Jahr die Women’s Tennis Association. Sie brachte das Thema gleiche Bezahlung für Sportlerinnen in die politische Öffentlichkeit und setzte den US-Kongress unter Druck, der Title IX – das Bundesgesetz zur Geschlechtergleichheit im Bildungswesen – gegen wachsenden Widerstand verteidigte.

Regentinnen der Antike

Auch in der Antike haben Frauen Staaten geführt, ohne ein modernes Politikamt zu bekleiden. Hatschepsut regierte Ägypten ab ca. 1479 v. Chr. als Pharaonin rund zwei Jahrzehnte lang. Sie ließ Handelswege nach Punt erschließen, von wo Weihrauch, Gold und Elfenbein nach Ägypten kamen, und errichtete in Deir el-Bahari einen Totentempel, der bis heute zu den bedeutendsten Bauwerken des Alten Reiches zählt. Damit gehört sie zu den ältesten dokumentierten Regentinnen der Geschichte überhaupt.

Warum so wenige Frauen politische Ämter bekleidet haben

Bis 1918 durften Frauen in Deutschland nicht wählen und nicht gewählt werden. In der Schweiz galt das auf Bundesebene sogar bis 1971, im Halbkanton Appenzell Innerrhoden bis 1990 – und auch dort erst nach einem Urteil des Schweizer Bundesgerichts. Wahlrecht war für Frauen weltweit der erste Engpass. In vielen Ländern dauerte der Kampf darum Jahrzehnte, und in Saudi-Arabien durften Frauen sogar erst 2015 wählen.

Selbst nach der formalen Gleichstellung blieben Strukturen, die Frauen den Zugang zu politischen Ämtern erschwerten. Kandidatenlisten wurden von Männerzirkeln aufgestellt, Wahlkampffinanzierung war an Netzwerke gebunden, zu denen Frauen seltener Zugang hatten, und politische Karrieren erforderten Zeitbudgets, die mit der ungleich verteilten Familienarbeit kaum vereinbar waren.

Was Quoten und Wahlrecht bewirken

Wahlrechtsforschung zeigt, dass die Kombination aus Listenwahl und gesetzlicher Quote die größten Effekte erzielt. In Frankreich gilt seit 2000 das „parité“-Gesetz, das paritätische Wahllisten verbindlich macht. Der Frauenanteil in der Nationalversammlung stieg seither von 11 auf 37 Prozent. In Spanien führte 2007 eine Quote von mindestens 40 Prozent jedes Geschlechts auf Wahllisten zu einem deutlichen Anstieg weiblicher Abgeordneter. In Deutschland scheiterten 2020 und 2021 sowohl das brandenburgische als auch das Thüringer Paritätsgesetz vor den jeweiligen Verfassungsgerichten – mit der Begründung, sie griffen in die Freiheit der Parteien und das passive Wahlrecht ein.

Direktmandate als versteckte Hürde

Das deutsche Wahlsystem benachteiligt Frauen schon vor dem Wahltag. Die Politikwissenschaftlerin Corinna Kröber (Universität Greifswald) wertete für die Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft die Bundestagswahl 2017 aus und fand ein klares Muster: Frauen gewannen 38 Prozent der Listenmandate, aber nur 21 Prozent der Direktmandate. Die 299 Einer-Wahlkreise sind also eine Domäne männlicher Abgeordneter – selbst Grüne und Linkspartei stellten in der Hälfte ihrer Wahlkreise keine Frau auf.

Das Problem entsteht nicht erst beim Wählen, sondern bei der parteiinternen Nominierung. Wer einen aussichtsreichen Wahlkreis erbt, sitzt meist seit Jahren im Bundestag – und das sind überwiegend Männer. Dieser Inkumbenzvorteil pflanzt sich fort, weil Direktmandate auch die Voraussetzung für vordere Listenplätze sind.

Eine Analyse des Verfassungsblogs zur Wahlrechtsreform 2025 zeigt, wie schnell sich Fortschritte umkehren können. Auf den aussichtsreichen SPD-Listenplätzen lag der Frauenanteil 2021 noch bei 58 Prozent. Nach der Reform schrumpfte er auf 48 Prozent – und unter Berücksichtigung der reduzierten Mandate sogar auf nur noch 36 Prozent. Ähnliche Rückschritte zeigen sich bei allen Parteien.

Parteikulturen als unsichtbare Schranke

Die bislang umfangreichste deutsche Studie zu diesem Thema legten Helga Lukoschat (EAF Berlin) und Renate Köcher (Institut für Demoskopie Allensbach) 2021 vor. Für „Parteikulturen und die politische Teilhabe von Frauen“ befragten sie 800 Mandatsträgerinnen und Mandatsträger aus Bund, Ländern und Kommunen sowie 34 Politiker in Tiefeninterviews.

Die Befunde sind deutlich: Über die Hälfte der befragten Politikerinnen berichtet, sie würden öfter unterbrochen oder weniger ernst genommen. Ein Drittel sieht Frauen bei Nominierungen für Wahlkreise und Listenplätze benachteiligt. Sechzig Prozent geben an, sexuelle Belästigung erlebt zu haben.

Hinzu kommen ungeschriebene Regeln: späte Sitzungszeiten, fehlende Kinderbetreuung in Rathäusern und Parlamenten, Wahlkampftermine an Wochenenden, Netzwerktreffen in Hinterzimmern. Diese Strukturen sind formal geschlechtsneutral. Aber sie treffen jene härter, die noch immer den größeren Teil unbezahlter Sorgearbeit leisten.

Sexismus, Drohungen und digitale Gewalt

Bis hierher ging es um Hürden vor dem Mandat. Doch auch danach hört der Druck nicht auf. Die Interparlamentarische Union (IPU) hat in mehreren Regionalstudien dokumentiert, wie stark Politikerinnen weltweit angegriffen werden.

In der ersten globalen IPU-Studie 2016 berichteten 81,8 Prozent der befragten Parlamentarierinnen von psychischer Gewalt. Rund 44 Prozent hatten Mord-, Vergewaltigungs- oder Entführungsdrohungen erhalten – teils gegen ihre Kinder. Eine europäische Abgeordnete erzählte, sie habe innerhalb von vier Tagen über 500 Vergewaltigungsdrohungen auf Twitter bekommen.

Die afrikanische Regionalstudie der IPU von 2021 zeigte ähnlich hohe Werte. 80 Prozent der befragten Politikerinnen berichteten von psychischer Gewalt, und 83 Prozent der sexuellen Übergriffe fanden direkt im Parlamentsgebäude statt. Die Asien-Pazifik-Studie 2025 fand heraus, dass 60 Prozent der Politikerinnen Opfer digitaler Gewalt geworden waren – durch Hassrede, Deepfakes, Doxing oder Bildmissbrauch.

Der aktuelle IPU-Bericht „When the public turns hostile“ vom März 2026 fasst die Lage so zusammen: 76 Prozent der befragten Abgeordneten in Asien-Pazifik erleben politische Gewalt – gegenüber 68 Prozent bei den Männern. Die Autorinnen warnen, dass dieser Trend Frauen zunehmend von Kandidaturen abhalte.

Auch Amnesty International und das Forschungslabor Element AI legten 2018 mit der „Troll Patrol“-Studie eine Datenanalyse von 14,5 Millionen Tweets vor, die an britische und US-amerikanische Politikerinnen und Journalistinnen gerichtet waren. Schwarze Frauen wurden um 84 Prozent häufiger Ziel beleidigender Tweets als weiße. Die Studie war damit eine der ersten, die das Zusammenspiel von Rassismus und Sexismus in der digitalen politischen Öffentlichkeit messbar machte.

Mediale Doppelstandards

Hinzu kommt ein medialer Blick, der bei Politikerinnen Frisur, Familienstand und Kleidung kommentiert, während männliche Kollegen über ihre Politik beurteilt werden. Eine Auswertung der Universität Mannheim zeigte 2021, dass Tweets über Annalena Baerbock im Wahlkampf einen deutlich höheren Anteil persönlicher Angriffe enthielten als Tweets über ihre männlichen Mitbewerber. Vergleichbare Befunde gibt es zu Hillary Clinton, Kamala Harris und Jacinda Ardern. Sexismus in der politischen Öffentlichkeit ist also kein deutsches Phänomen, sondern ein global dokumentiertes Muster.

Die Care-Lücke als politische Pipeline-Frage

Ein letzter, häufig unterschätzter Faktor ist Zeit. Laut Statistischem Bundesamt leisten Frauen in Deutschland täglich rund 44 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer – der sogenannte Gender Care Gap. Wer abends Kinder ins Bett bringen oder pflegebedürftige Angehörige versorgen muss, kann nicht gleichzeitig um 20 Uhr in der Ortsvereinssitzung sitzen. Auf kommunaler Ebene, wo politische Karrieren beginnen, schlägt diese Zeitlücke besonders hart durch.

Genau hier setzt auch die EAF-Studie von 2021 an: Sie empfiehlt unter anderem familienfreundliche Sitzungszeiten, digitale Beteiligungsformate, Kinderbetreuung bei Parteiveranstaltungen und verbindliche Mentoring-Programme. Solange diese Strukturen fehlen, bleibt die politische Pipeline für Frauen verengt – und der Frauenanteil im Bundestag stagniert seit den späten 1990er-Jahren bei rund 30 Prozent.

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