Berühmte Sportlerinnen

1900 in Paris durften Frauen erstmals an Olympischen Spielen teilnehmen – 22 von 997 Teilnehmenden, und nur in „passenden“ Disziplinen wie Tennis und Golf. Über hundert Jahre später lag der Frauenanteil bei den Sommerspielen 2024 in Paris erstmals bei genau 50 Prozent, und das IOC sprach von den ersten geschlechterparitätischen Spielen der Geschichte. Die Geschichte der Sportlerinnen ist daher keine lineare Erfolgserzählung, sondern eine Abfolge von Verboten, Durchbrüchen und erkämpfter Sichtbarkeit – von Frauen, die starten durften, obwohl es ihnen lange untersagt war, und die Maßstäbe gesetzt haben, an denen sich der Sport bis heute misst.
Eine Seite einer Langhantel aus Metall mit schwarzen Gewichten
  • Florence Griffith-Joyner

    Rekordbrecherin, Olympiasiegerin, Stilikone der 1980er

  • Billie Jean King

    Tennis-Legende, Aktivistin und Pionierin der Gleichberechtigung

  • Porträt von Wilma Rudolph, dreifache Goldgewinnerin bei Olympia trotz Kindelrähmung

    Wilma Rudolph

    Von Kinderlähmung zur schnellsten Frau der Welt

Tennis: Von Billie Jean King bis Iga Świątek

Die Generation der Equal-Pay-Pionierinnen

Im Tennis konzentriert sich ein Großteil der historischen Pay-Gap-Debatte. 1973 schlug Billie Jean King beim „Battle of the Sexes“ in Houston den ehemaligen Wimbledon-Sieger Bobby Riggs in drei Sätzen. 30.472 Menschen sahen das Match im Stadion, rund 90 Millionen am Fernseher. King gründete im selben Jahr die Women’s Tennis Association und erzwang noch 1973, dass die US Open als erstes Grand-Slam-Turnier Männer und Frauen identisch bezahlten. Martina Navratilova gewann zwischen 1978 und 1990 neun Wimbledon-Titel im Einzel, dazu 31 Grand-Slam-Doppeltitel. Sie outete sich 1981 als eine der ersten offen lesbischen Spitzensportlerinnen und sprach offen über die Karrierekosten dieses Schritts. Chris Evert beendete sieben Saisons als Nummer eins. Mit einer Siegquote von 90 Prozent hält sie bis heute den höchsten Wert im Profitennis und prägte gemeinsam mit Navratilova das vielleicht stilprägendste Duell des Frauensports.

Steffi Graf, Monica Seles und das deutschsprachige Tennisjahrzehnt

1988 vollendete Steffi Graf als bislang einzige Person den „Golden Slam“. Sie gewann in einem Kalenderjahr alle vier Grand-Slam-Turniere plus die olympische Goldmedaille in Seoul. Im French-Open-Finale gegen Natalja Swerewa siegte sie 6:0, 6:0. Insgesamt holte sie 22 Grand-Slam-Titel und führte die Weltrangliste 377 Wochen lang an. Monica Seles war mit 16 Jahren jüngste French-Open-Siegerin der Open Era. Im April 1993 wurde sie in Hamburg während eines Wechsels auf dem Platz von einem Zuschauer mit einem Messer in den Rücken gestochen, einem Anhänger Grafs. Sie kehrte erst über zwei Jahre später zurück und hatte zuvor neun Grand-Slam-Titel gewonnen. Gabriela Sabatini verlor 1988 in Seoul das Olympia-Finale gegen Graf und gewann 1990 die US Open. Martina Hingis war 1997 mit 16 Jahren die jüngste Nummer eins der Tennis-Weltrangliste.

Die Williams-Schwestern und die internationale Konkurrenz der 2000er

Venus Williams setzte 2007 in einem offenen Brief an die Wimbledon-Organisatoren das gleiche Preisgeld für Männer und Frauen durch und gewann selbst fünf Wimbledon-Titel im Einzel. Ihre Schwester Serena Williams sammelte 23 Grand-Slam-Titel im Einzel, mehr als jede andere Spielerin der Open Era. Das Australian-Open-Finale 2017 spielte sie in der achten Schwangerschaftswoche. Maria Sharapova war 2004 mit 17 Jahren die dritte Wimbledon-Siegerin in der Geschichte unter 18 und führte die Forbes-Liste der bestbezahlten Sportlerinnen zehn Jahre in Folge an. Ana Ivanović, French-Open-Siegerin 2008, war kurzzeitig Nummer eins der Welt.

Sania Mirza wurde 2007 erste indische Spielerin in den Top 30 und gewann sechs Grand-Slam-Doppeltitel. Amélie Mauresmo gewann 2006 Australian Open und Wimbledon. Ab 2014 trainierte sie mehrere Jahre Andy Murray – ein bis dahin außergewöhnlicher Rollenwechsel auf der ATP-Tour. Simona Halep erreichte 2017 Platz eins der Weltrangliste, gewann French Open 2018 und Wimbledon 2019. Jennifer Capriati wurde mit 16 Olympiasiegerin 1992 in Barcelona.

Die aktuelle Spitze

Aktuell prägen Iga Świątek, fünffache Grand-Slam-Siegerin und mehrjährige Nummer eins, und Aryna Sabalenka, dreifache Grand-Slam-Gewinnerin, den Spitzenbereich. Naomi Osaka gewann vier Grand-Slam-Titel zwischen 2018 und 2021. 2021 sprach sie bei den French Open öffentlich über Depressionen und löste damit eine breitere Debatte um Pressepflichten und mentale Gesundheit im Profisport aus.

Frauenfußball: Vom Verbot zur Bundestrainerin

Vom DFB-Verbot 1955 zum WM-Titel

Der Deutsche Fußball-Bund verbot Frauenfußball am 30. Juli 1955 offiziell. Vereinen wurde untersagt, Frauenmannschaften zu gründen oder Plätze zur Verfügung zu stellen. Erst am 30. Oktober 1970 hob der DFB das Verbot wieder auf, zunächst mit Sonderregeln: kürzere Spielzeit, weicherer Ball, keine Stollenschuhe. Die WM, an die der DFB Frauen schickte, fand erstmals 1991 statt.

Birgit Prinz wurde mit Deutschland zweimal Weltmeisterin (2003, 2007) und dreimal Weltfußballerin (2003–2005). Nia Künzer erzielte im WM-Finale 2003 gegen Schweden in der 8. Minute der Verlängerung das Golden Goal zum 2:1 – Deutschlands erster Frauen-WM-Titel. Silvia Neid, selbst Spielerin von 1982 bis 1996, übernahm 2005 als Bundestrainerin. Sie führte die deutsche Mannschaft 2007 zum WM-Titel und 2016 in Rio zu Olympia-Gold. Steffi Jones, Vize-Weltmeisterin 2003, war OK-Präsidentin der Frauen-WM 2011 in Deutschland und von 2016 bis 2018 Bundestrainerin. Nadine Angerer hielt bei der WM 2007 ohne Gegentor durch das Turnier und wurde 2013 als erste Torhüterin zur Weltfußballerin gewählt. Célia Šašić, deutsche Stürmerin mit französisch-kamerunischen Wurzeln, war 2015 WM-Torschützenkönigin und beendete im selben Jahr mit 27 Jahren ihre Karriere. Martina Voss-Tecklenburg betreute die Schweiz und von 2018 bis 2023 die deutsche Nationalmannschaft.

USA, Title IX und der globale Frauenfußball

International prägte Mia Hamm mit zwei WM-Titeln (1991, 1999) und damals 158 Länderspieltoren das US-Frauenteam. Die USA hatten durch Title IX – 1972 gegen geschlechtsbezogene Diskriminierung an US-Bildungsinstitutionen erlassen – eine eigene College-Pipeline aufgebaut. 2022 einigten sich die US-Spielerinnen mit dem US-Verband auf 24 Millionen Dollar Nachzahlung. Welt- und Olympia-Prämien werden seither gleichmäßig auf Frauen und Männer verteilt. Marta Vieira da Silva wurde sechsmal in Folge Weltfußballerin (2006–2010, 2018). Mit 17 Toren bei Frauen-Weltmeisterschaften ist sie die alleinige WM-Rekordtorschützin – mehr als jeder Spieler bei Männer-Weltmeisterschaften (Miroslav Klose: 16). Megan Rapinoe, US-Weltmeisterin 2015 und 2019, war Wortführerin in der Equal-Pay-Klage. 2016 trat sie als erste prominente weiße Athletin gemeinsam mit Colin Kaepernick zur Hymne auf ein Knie. Alex Morgan, ebenfalls zweifache Weltmeisterin, prägte zugleich das Vermarktungsgeschäft der NWSL.

Die europäische Spitze und die aktuelle Generation

In Europa stehen Alexia Putellas, zweifache Ballon d’Or-Gewinnerin (2021, 2022), und Vivianne Miedema im Zentrum. Miedema ist mit 95 Toren bisherige Rekordtorschützin der niederländischen Nationalmannschaft. Pernille Harder, dänische Stürmerin, spielte lange beim FC Bayern. Ada Hegerberg erhielt 2018 den ersten Ballon d’Or Féminin. Zwischen 2017 und 2022 boykottierte sie die norwegische Nationalmannschaft aus Protest gegen die Bedingungen im Frauenfußball.

Sam Kerr, Australiens Rekordtorschützin, führte ihr Team als Kapitänin durch die WM 2023. Lena Oberdorf, geboren 2001 in Gevelsberg, wurde 2022 bei der EM in England Young Player of the Tournament. Sarina Wiegman gewann als Trainerin die EM 2017 mit den Niederlanden und 2022 sowie 2025 mit England. Emma Hayes formte den FC Chelsea zu einem dominierenden Club im englischen Frauenfußball und übernahm 2024 die US-Nationalmannschaft.

Wintersport: Biathletinnen, Skifahrerinnen, Eisschnellläuferinnen

Biathlon ist die im deutschsprachigen Raum meistgesuchte Wintersport-Disziplin der Frauen. Laura Dahlmeier, geboren 1993 in Garmisch-Partenkirchen, gewann zwischen 2015 und 2019 sieben WM-Gold-, drei Silber- und fünf Bronzemedaillen sowie den Gesamtweltcup 2016/17. 2018 in Pyeongchang holte sie als erste Biathletin Sprint und Verfolgung bei denselben Spielen plus Bronze im Einzel. Sie beendete 2019 mit 25 Jahren ihre Karriere und absolvierte eine Ausbildung zur staatlich geprüften Berg- und Skiführerin. Am 28. Juli 2025 verunglückte sie mit 31 Jahren am Laila Peak im pakistanischen Karakorum tödlich durch Steinschlag. Andrea Henkel wurde 2002 Olympiasiegerin im Einzel und 2006 im Massenstart. Tiril Eckhoff aus Norwegen führte den Gesamtweltcup 2020/21 an. Kaisa Mäkäräinen gewann den Biathlon-Gesamtweltcup dreimal (2011, 2014, 2018), ohne je olympisches Edelmetall zu holen.

Ski alpin und Skilanglauf

Rosi Mittermaier gewann bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck Gold im Slalom und in der Abfahrt sowie Silber im Riesenslalom. Ein Jahr später trat sie mit 27 Jahren zurück. Katja Seizinger wurde 1994 und 1998 Olympiasiegerin in der Abfahrt und ist mit 36 Weltcupsiegen weiter unter den erfolgreichsten deutschen Skirennfahrerinnen. Irene Epple holte 1980 in Lake Placid Olympia-Silber im Riesenslalom. Lindsey Vonn sammelte 82 Weltcupsiege und Olympia-Gold 2010 in Vancouver. Mikaela Shiffrin stellte 2023 mit 87 Weltcupsiegen den Allzeitrekord auf, den zuvor Ingemar Stenmark gehalten hatte.

Lara Gut-Behrami gewann 2024 den Gesamtweltcup. Sofia Goggia, italienische Olympiasiegerin 2018 in der Abfahrt, gehört seit einem Jahrzehnt zur Weltspitze. Therese Johaug ist dreifache Olympiasiegerin 2022 im Skilanglauf. Sie hatte zuvor wegen eines Dopingfalls mit einer Lippencreme eine 18-monatige Sperre abgesessen, die international als unverhältnismäßig diskutiert wurde.

Eisschnelllauf und Eiskunstlauf

Im Eisschnelllauf gewann Claudia Pechstein zwischen 1992 und 2006 fünf olympische Goldmedaillen. Mit Teilnahmen an acht Olympischen Spielen ist sie die erfolgreichste deutsche Olympionikin der Geschichte. Anni Friesinger holte drei olympische Goldmedaillen zwischen 2002 und 2010. Kornelia Ender, DDR-Schwimmerin, gewann 1976 in Montreal vier Goldmedaillen, davon drei innerhalb von 25 Minuten.

Im Eiskunstlauf gewann Katarina Witt bei den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo und 1988 in Calgary Gold. 1988 entschied sie die „Battle of the Carmens“ gegen Debi Thomas für sich und wurde damit nach Sonja Henie die zweite Eiskunstläuferin mit zwei Olympiasiegen. Nancy Kerrigan wurde 1994 sechs Wochen vor den Olympischen Spielen von Komplizen ihrer Konkurrentin Tonya Harding am Knie verletzt; der Fall prägte das US-amerikanische Sportfernsehen über Jahre. Surya Bonaly aus Frankreich war eine der wenigen Schwarzen Eiskunstläuferinnen in der Weltspitze und sprang als bislang einzige Frau im Wettkampf einen Rückwärts-Salto auf einem Bein.

Skispringen, Bobfahren, Rennrodeln

Skispringen für Frauen war olympisch erst 2014 in Sotschi zugelassen. Betrieben wurde es seit den 1920er Jahren. Der Internationale Skiverband begründete den Ausschluss damals unter anderem mit angeblich gesundheitsschädlichen Auswirkungen. Bobfahren stand als Frauen-Disziplin erst 2002 in Salt Lake City im olympischen Programm, das Frauen-Skeleton folgte im selben Jahr. Sandra Kiriasis wurde 2006 in Turin Olympiasiegerin im Zweierbob und gewann zwischen 2005 und 2012 sieben WM-Titel.

Turnen, Gymnastik und das Dressurreiten

1976 in Montreal turnte Nadia Comăneci aus Rumänien mit 14 Jahren als erste Athletin in der olympischen Geschichte eine perfekte 10,0. Sie holte das so oft, dass die Anzeigetafeln, programmiert nur bis 9,99, nicht hinterherkamen. Insgesamt gewann sie drei Goldmedaillen. Olga Korbut, sowjetische Turnerin, hatte 1972 in München mit ihrer Übung am Stufenbarren bereits einen ähnlichen Effekt. Ihr danach verbotener Salto rückwärts vom oberen Holm trägt bis heute ihren Namen.

Simone Biles gewann zwischen 2013 und 2024 mehr WM- und Olympia-Medaillen als jede andere Turnerin. Bei den Spielen in Tokio 2021 zog sie sich wegen mentaler Belastung von Wettkämpfen zurück. Sie war zugleich eine der Athletinnen, die im Missbrauchsverfahren gegen den USA-Gymnastics-Mannschaftsarzt Larry Nassar aussagten. Gabby Douglas wurde 2012 in London erste Schwarze Olympiasiegerin im Mehrkampf. Im Dressurreiten gewann Charlotte Dujardin drei olympische Goldmedaillen. 2024 wurde sie vor den Spielen in Paris wegen eines Videos suspendiert, das sie beim wiederholten Peitschen eines Pferdes zeigte.

Leichtathletik: Sprint, Sprung, Doping, Diskriminierung

Bis 1928 durften Frauen olympisch nicht über 100 Meter hinaus laufen. Nach dem 800-Meter-Lauf 1928 in Amsterdam, bei dem mehrere Läuferinnen am Ziel zusammenbrachen, strich das IOC die Strecke und nahm sie erst 1960 wieder ins Programm. Im selben Jahr wurde Wilma Rudolph in Rom als erste US-Amerikanerin dreifache Olympiasiegerin bei einer Sommerspiele-Auflage (100 Meter, 200 Meter, 4×100-Meter-Staffel). Sie hatte als Kind Kinderlähmung, Lungenentzündung und Scharlach überlebt und trug bis zum Alter von zwölf Jahren eine Beinschiene.

Marita Koch aus der DDR lief 1985 in Canberra 47,60 Sekunden über 400 Meter. Dieser Wert steht bis heute als Weltrekord. Das DDR-Staatsdoping macht die Bewertung schwierig, ein nachgewiesener Verstoß von Koch existiert allerdings nicht. Heike Drechsler, ebenfalls in der DDR ausgebildet, gewann 1992 und 2000 Olympia-Gold im Weitsprung und sprang siebenmal über 7,40 Meter. Marlies Göhr war 1983 mit 10,81 Sekunden Weltrekord-Sprinterin. Heike Henkel wurde 1992 Olympiasiegerin im Hochsprung mit 2,02 Metern.

Flo-Jo, Marion Jones und die Doping-Frage

Florence Griffith-Joyner, „Flo-Jo“, lief 1988 in Indianapolis 10,49 Sekunden über 100 Meter. Im Olympia-Finale von Seoul folgten 21,34 Sekunden über 200 Meter. Beide Werte sind bis heute Weltrekord, mehr als 37 Jahre nach dem Lauf. Sie starb 1998 mit 38 Jahren an einem epileptischen Anfall. Marion Jones gab 2007 fünf in Sydney 2000 gewonnene Olympiamedaillen zurück, nachdem sie das Doping mit dem Designer-Steroid THG zugegeben hatte.

Sifan Hassan aus den Niederlanden gewann 2024 in Paris Marathon-Gold sowie Bronze über 5.000 und 10.000 Meter im selben Olympia-Turnier. Shelly-Ann Fraser-Pryce, dreifache Olympiasiegerin über 100 Meter, gehört seit 2008 zur Weltspitze.

Caster Semenya und die Testosteron-Regel

Caster Semenya wurde 2009 in Berlin Weltmeisterin über 800 Meter und gewann 2012 und 2016 Olympia-Gold. Sie ist intergeschlechtlich, hat XY-Chromosomen und einen natürlich erhöhten Testosteronspiegel. Seit der World-Athletics-Regel von 2019 müssen Athletinnen wie Semenya ihren Wert medikamentös auf unter 2,5 Nanomol pro Liter senken. Sie weigerte sich nach eigener Aussage wegen massiver Nebenwirkungen, beendete ihre Karriere und prozessierte bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dieser verurteilte 2025 die Schweiz wegen Verfahrensmängeln zu 80.000 Euro Entschädigung – ohne die Regel selbst zu kippen.

Schwimmen, Tauchen, Wasser

1926 schwamm Gertrude Ederle, 19 Jahre alt, als erste Frau den Ärmelkanal von Cap Gris-Nez nach Kingsdown. Mit 14 Stunden 31 Minuten brauchte sie fast zwei Stunden weniger als der bis dahin schnellste männliche Crossing-Rekord. Bei der Heimkehr nach New York empfingen sie zwei Millionen Menschen mit einer Konfetti-Parade. Diana Nyad schwamm 2013 mit 64 Jahren als erste Person ohne Schutzkäfig die 177 Kilometer von Havanna nach Key West.

Kristin Otto aus der DDR gewann 1988 in Seoul sechs Schwimm-Goldmedaillen, der historische Rekord für eine Schwimmerin bei einer einzigen Olympia-Auflage. Britta Steffen wurde 2008 in Peking Olympiasiegerin über 100 Meter Freistil. Franziska van Almsick stand mit 14 Jahren bei Olympia 1992 in Barcelona im Finale und gewann insgesamt zehn olympische Medaillen, davon keine in Gold – ein wiederkehrendes Thema der deutschen Sportpresse, das in seiner Härte vor allem in der Frauenberichterstattung auffällt. Lia Thomas wurde 2022 erste offen transidente Athletin, die einen NCAA-Schwimmtitel gewann. World Aquatics schloss kurz darauf trans Athletinnen, die die männliche Pubertät durchlaufen haben, von Frauen-Wettbewerben aus, was eine bis heute kontrovers geführte Debatte auslöste.

Boxen, Kampfsport, MMA

Olympisches Boxen für Frauen wurde 2012 in London erstmals ausgetragen. Bis dahin galt es in vielen Ländern als nicht zugelassen oder gesellschaftlich tabuisiert. Regina Halmich aus Karlsruhe gewann 54 ihrer 56 Profikämpfe. Von 1995 bis zum Karrierende 2007 hielt sie den Fliegengewichts-Titel der WIBF und prägte die TV-Vermarktung von Frauenboxen in Deutschland maßgeblich. Laila Ali, Tochter von Muhammad Ali, beendete ihre Profikarriere 2007 nach 24 Siegen ohne Niederlage. Im MMA wurde Ronda Rousey 2013 erste UFC-Champion der Frauen im Bantamgewicht und verlor 2015 ihren Titel an Holly Holm. Miesha Tate gewann den UFC-Titel 2016. Valentina Shevchenko hält seit 2018 mit Unterbrechungen den UFC-Flyweight-Titel.

Pferdesport und Motorsport

Pferdesport ist eine der wenigen olympischen Disziplinen, in denen Frauen und Männer in der Springreiterei und der Dressur direkt gegeneinander antreten. Isabell Werth hält mit zwölf olympischen Medaillen (sieben Gold) den Allzeit-Rekord aller Reiter. Jessica Springsteen, Springreiterin und Tochter von Bruce Springsteen, gewann 2021 in Tokio Team-Silber.

Im Motorsport gehörte Michèle Mouton aus Frankreich in den frühen 1980er Jahren zur Weltspitze der Rallye-WM. Sie gewann vier WM-Läufe für Audi und wurde 1982 Vize-Weltmeisterin – bis heute die beste Platzierung einer Frau in der Rallye-WM. Sabine Schmitz, geboren 1969 in Adenau, war Berufs-Rennfahrerin auf der Nordschleife. 1996 und 1997 gewann sie als bislang einzige Frau das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Sie starb 2021 an Krebs. Susie Wolff war 2015 Test-Fahrerin in der Formel 1 und leitet seit 2023 die F1 Academy, eine eigene Rennserie für Nachwuchsfahrerinnen. Danica Patrick gewann 2008 als erste Frau ein Indy-Car-Rennen.

Berühmte Sportlerinnen am Mikrofon

Die Suchanfragen zu Sportmoderatorinnen liegen in Deutschland inzwischen über denen vieler aktiver Athletinnen. Esther Sedlaczek, geboren 1985 in Berlin, moderiert seit 2021 die Sportschau und seit 2024 das Sportstudio. Zuvor sammelte sie jahrelange Bundesliga-Erfahrung beim Pay-TV. Katrin Müller-Hohenstein moderiert das ZDF-Sportstudio seit 2007 als erste Frau in dieser Rolle. Laura Papendick übernahm 2024 als zweite Frau die Hauptmoderation der Sportschau am Samstag. Lea Wagner kommentiert für ARD und Sky Bundesliga-Spiele und Champions-League-Übertragungen. Monica Lierhaus, langjährige Sportschau-Moderatorin, erlitt 2009 bei einer Hirnaneurysma-Operation einen schweren Schaden und kehrte in stark veränderter Form zurück in die Öffentlichkeit. Diese Frauen prägen nicht nur die Wahrnehmung des Sports. Sie öffnen Frauen den Zugang zu Berufen, die jahrzehntelang fast ausschließlich von Männern besetzt waren.

Strukturelle Lücken: Equal Pay, Title IX, Trans- und intersexuelle Athletinnen

Title IX, am 23. Juni 1972 in den USA verabschiedet, untersagt Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Bildungseinrichtungen mit Bundesförderung. Die Zahl der College-Spielerinnen im Frauenfußball stieg in den USA zwischen 1972 und 2019 um 6.014 Prozent. Diese Pipeline ist einer der Gründe, warum das US-Team in der Frauen-WM-Geschichte vier Titel gewann.

Gleiche Bezahlung ist im Frauensport bisher die Ausnahme. Im Tennis kommt sie nur bei den Grand-Slam-Turnieren vor; in der WTA-Tour insgesamt verdienen Männer auch heute deutlich mehr. Die FIFA schüttete bei der Frauen-WM 2023 insgesamt 150 Millionen Dollar Preisgeld aus, bei der Männer-WM 2022 waren es 440 Millionen. Im Fußball wird zudem regelmäßig die Frage gestellt, ob „beste Fußballspielerin“ als Begriff überhaupt sinnvoll ist. Als wäre es eine Sonderkategorie und nicht einfach „beste Fußballerin im Frauenfußball“ wie in jeder anderen Liga auch.

Bei trans und intersexuellen Athletinnen verläuft die Linie zwischen Schutz der Frauenkategorie und Diskriminierung von Athletinnen mit DSD-Variationen seit Jahren mitten durch die Verbände, Gerichte und die Sportpresse. World Athletics, FINA/World Aquatics und der internationale Radsportverband haben jeweils unterschiedliche Regelwerke. Eine wissenschaftlich endgültige Antwort darauf, in welchem Maße erhöhte Testosteronwerte einen Leistungsvorteil bringen, gibt es laut Endokrinologen weiterhin nicht.

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