Berühmte Entdeckerinnen & Abenteurerinnen

Entdeckerinnen und weltreisende Frauen
Lange bevor das Reisen für Frauen selbstverständlich wurde, machten sich einzelne reisende Frauen allein auf den Weg um die Welt. Sie waren Pionierinnen, die gesellschaftliche Normen ignorierten und Kontinente durchquerten. Und das, obwohl ihnen zu Hause nicht einmal das Wahlrecht zustand. Verheiratete Frauen brauchten zudem oft die Erlaubnis ihres Mannes, um überhaupt einen Pass zu beantragen. Wer dennoch reiste, tat dies häufig gegen massiven gesellschaftlichen Widerstand.
Verkleidung als Strategie: Frauen, die als Männer reisten
Jeanne Baret wurde 1740 als Tochter von Tagelöhnern in Burgund geboren. Im Jahr 1766 verkleidete sie sich als Mann, um als Assistentin des Botanikers Philibert Commerson an der ersten französischen Weltumseglung teilzunehmen. Denn die französische Marine verbot Frauen an Bord. Während der dreijährigen Reise sammelte Baret Pflanzenproben auf mehreren Kontinenten. Außerdem gilt sie als erste Frau, die die Erde umsegelte. Trotzdem blieb ihr Name lange unerwähnt, während Commerson alle Lorbeeren erntete.
Auch Isabelle Eberhardt aus der Schweiz wählte später diese Strategie. Sie lebte als Mann verkleidet in der algerischen Wüste und schrieb bis zu ihrem frühen Tod 1904 über die Kulturen Nordafrikas. Und Alexandra David-Neel drang 1924 als erste europäische Frau in die verbotene Stadt Lhasa in Tibet vor – verkleidet als Bettlerin und Pilgerin. Für viele dieser Frauen war die Tarnung schlichtweg die einzige Möglichkeit, überhaupt zu reisen.
Reisen trotz fehlender Anerkennung: Ida Pfeiffer und Isabella Bird
Ein knappes Jahrhundert nach Baret brach Ida Pfeiffer aus Wien 1846 zu ihrer ersten Weltreise auf. Sie reiste allein, mit 49 Jahren und einem bescheidenen Budget. Zwischen 1846 und 1855 legte sie geschätzte 32.000 Kilometer zu Land und 240.000 Kilometer zur See zurück. Außerdem umrundete sie die Welt zweimal und sammelte tausende Pflanzen- und Insektenproben. Ihre Reisejournale wurden zudem in sieben Sprachen übersetzt. Doch die Royal Geographical Society in London verwehrte ihr die Mitgliedschaft – wegen ihres Geschlechts. Die Gesellschaft nahm Frauen erst Jahrzehnte später überhaupt auf.
Isabella Bird war seit ihrer Kindheit chronisch krank und erhielt von ihrem Arzt den Rat zu reisen. Daraus wurden Jahrzehnte: Sie bereiste Hawaii, Japan, China, Korea, Indien, Kurdistan und den amerikanischen Westen. Außerdem bestieg sie Vulkane und ritt auf Elefanten. Ihre Erlebnisse hielt sie in Büchern wie The Lady’s Life in the Rocky Mountains fest. Schließlich wurde sie 1892 als erste Frau in die Royal Geographical Society aufgenommen – mit 61 Jahren und nach jahrelangem öffentlichem Druck. Direkt danach blockierten männliche Mitglieder die Aufnahme weiterer Frauen für über zwei Jahrzehnte.
Wettrennen gegen das Patriarchat: Nellie Bly und Alma Karlin
Die Journalistin Nellie Bly schlug 1889 ihrem Redakteur vor, Jules Vernes fiktive Weltreise aus In 80 Tagen um die Welt nachzuahmen. Doch die Zeitung wollte lieber einen Mann schicken. Bly setzte sich aber durch und reiste per Dampfschiff, Zug und Pferd über England, Frankreich, Italien, Sri Lanka, Hongkong und Japan. Nach 72 Tagen war sie zurück in New York. Damit hielt sie den Weltrekord.
Alma Karlin wurde 1889 in Celje geboren und war als Kind halbseitig gelähmt. Trotzdem brach sie 1919 zu einer achtjährigen Weltreise auf, allein und mit ihrer Schreibmaschine im Gepäck. Auch Freya Stark ließ sich nicht aufhalten: Sie durchquerte ab den 1920er-Jahren auf Eselsrücken die arabische Wüste, entdeckte das Tal der Assassinen und veröffentlichte über zwanzig Reisebücher.
Weltreisende Frauen und Weltumseglerinnen
Die Liste der weltreisenden Frauen, die die Erde umrundeten, beginnt mit Jeanne Baret und reicht bis in die Gegenwart. So wurde Aloha Wanderwell in den 1920er-Jahren als erste Frau bekannt, die die Welt im Auto umrundete – in einem Ford Model T, über sechs Kontinente. Damit verstieß sie gleich mehrfach gegen die Vorstellung, eine Frau gehöre nicht hinters Steuer.
Später durchquerte Robyn Davidson 1977 mit vier Kamelen und einem Hund die australische Wüste, also 2.700 Kilometer von Alice Springs bis zur Westküste. Und Sarah Marquis aus der Schweiz wanderte zwischen 2010 und 2013 allein 10.000 Meilen zu Fuß, von Sibirien über die Mongolei und China bis nach Australien. Eine echte Weltenbummlerin – wie auch ihre Vorgängerinnen.
Berühmte Pilotinnen – Pionierinnen der Luftfahrt
Die Luftfahrt war von Anfang an ein Terrain, auf dem Frauen in der Luftfahrt um jeden Meter kämpfen mussten. Deshalb ist die Geschichte der berühmten Pilotinnen auch eine Geschichte von Mut, Diskriminierung und Durchhaltevermögen. Die meisten Flugschulen, Fluglinien und Militärs verwehrten Frauen jahrzehntelang den Zugang.
Die ersten Lizenzen: Pionierinnen vor dem Ersten Weltkrieg
Raymonde de Laroche aus Frankreich erhielt am 8. März 1910 als erste Pilotin der Welt einen Flugschein. Damit war sie erst die 36. Person überhaupt, die eine solche Lizenz besaß. In der Fachsprache der Frühzeit nannte man Fliegerinnen übrigens auch „Aviatrix“. Außerdem überflog Harriet Quimby 1912 als erste Frau den Ärmelkanal. Doch die Nachricht ging in der Berichterstattung über den Untergang der Titanic unter. Damit blieb ihre Leistung jahrzehntelang weitgehend unbekannt.
Rassismus und Sexismus in der Luftfahrt: Bessie Coleman
Bessie Coleman wurde 1892 als Tochter eines Hausmädchens und eines Teilpächters geboren. Jede amerikanische Flugschule lehnte sie ab – weil sie Schwarz war und eine Frau. Deshalb lernte sie Französisch, reiste nach Frankreich und erwarb 1921 als erste afroamerikanische Frau einen internationalen Pilotenschein. Zurück in den USA trat sie nur vor nicht-segregiertem Publikum auf. Damit setzte sie ein politisches Zeichen gegen die Rassentrennung. Ihr Beispiel zeigt, wie sich Sexismus und Rassismus in der Luftfahrt überlagerten.
Rekorde und Einsätze: Earhart, Johnson und ihre Zeitgenossinnen
Amelia Earhart überquerte 1932 als erste Frau allein den Atlantik im Flugzeug. Außerdem flog sie 1935 als erster Mensch solo von Hawaii nach Kalifornien. Zudem nutzte sie ihre Bekanntheit, um für die Rechte von Frauen in der Luftfahrt einzutreten. Doch 1937 verschwand sie beim Versuch einer Weltumrundung über dem Pazifik. Ihr Flugzeug wurde nie gefunden. Earhart bleibt bis heute eine der bekanntesten weiblichen Entdeckerinnen der Welt.
Amy Johnson flog 1930 als erste Frau allein von England nach Australien. Beryl Markham wiederum überquerte 1936 als erste Frau den Atlantik nonstop von Ost nach West, also gegen den Wind, von England nach Nova Scotia. Und Jacqueline Cochran brach in den 1930er- bis 1960er-Jahren mehr Geschwindigkeits- und Höhenrekorde als jeder andere Pilot ihrer Zeit, männlich oder weiblich.
Sabiha Gokcen aus der Türkei flog 1937 als eine der ersten Kampfpilotinnen der Welt Einsätze über Ostanatolien. Deshalb trägt der Istanbuler Flughafen Sabiha Gökçen heute ihren Namen. Hanna Reitsch war ab den 1930er-Jahren eine der bekanntesten Testpilotinnen Deutschlands und flog als erste Frau einen Hubschrauber. Allerdings macht ihre enge Verstrickung mit dem NS-Regime sie zu einer der umstrittensten Figuren der Luftfahrtgeschichte. Schließlich umflog Jerrie Mock 1964 als erste Frau solo die Erde. Diese Pionierinnen der Luftfahrt legten somit den Grundstein für alles, was heute selbstverständlich erscheint.
Seefahrerinnen – Frauen auf See
Die See war jahrhundertelang ein Ort, an dem Frauen auf See nicht sein durften – offiziell jedenfalls nicht. Auf vielen Schiffen galten Frauen sogar als Unglücksbringerinnen. Diese Überzeugung diente als bequeme Begründung, sie vom Beruf der Seefrau auszuschließen. Wer trotzdem aufs Meer wollte, musste sich entweder verkleiden, eine eigene Flotte aufbauen oder zur Piratin werden.
Frauen, die ganze Flotten kommandierten
Grace O’Malley wurde um 1530 an der irischen Westküste geboren. Sie kommandierte eine Flotte, verhandelte persönlich mit Königin Elizabeth I. und gilt als eine der bekanntesten Seefahrerinnen der europäischen Geschichte. Im Südchinesischen Meer befehligte Ching Shih Anfang des 19. Jahrhunderts eine Flotte von rund 1.800 Dschunken und bis zu 80.000 Seeleuten. Außerdem handelte sie sich eine Amnestie aus, als sie sich schließlich zur Ruhe setzte. Anne Bonny und Mary Read segelten zudem im 18. Jahrhundert als Piratinnen durch die Karibik. Als ihr Schiff 1720 geentert wurde, sollen sie sogar die Einzigen gewesen sein, die noch kämpften.
Solo um die Welt: Moderne Weltumseglerinnen
In der modernen Seefahrt setzte Krystyna Chojnowska-Liskiewicz 1978 als erste Frau die Welt allein unter Segeln um – also eine der großen Weltumseglerinnen des 20. Jahrhunderts. Laura Dekker aus den Niederlanden tat dasselbe 2012 mit 16 Jahren als jüngste Solosegelnde der Welt. Davor hatte sie monatelang gegen niederländische Behörden um die Erlaubnis zur Reise gekämpft. Diese hatten ihr das Vorhaben zunächst verboten und versucht, ihr das Sorgerecht zu entziehen. Und auch Jessica Watson aus Australien segelte 2010 mit 16 nonstop und ohne Unterstützung um die Welt.
Berühmte Bergsteigerinnen und Gipfelstürmerinnen
Bergsteigen galt lange als rein männliche Domäne. Frauen wurden als zu schwach, zu emotional oder schlicht zu unpassend gekleidet angesehen. Wer trotzdem in die Höhe wollte, musste oft eigene Seilschaften gründen, weil männliche Alpinisten sie nicht mitnahmen.
Die ersten Gipfel: Mont Blanc und die frühen Pionierinnen
Marie Paradis aus Chamonix bestieg 1808 als erste Frau den Mont Blanc – also 4.807 Meter, begleitet von Trägern, die sie die letzten Meter hinaufzogen. Im Jahr 1838 folgte dann Henriette d’Angeville, die den Aufstieg aus eigener Kraft schaffte und sich danach als Bergsteigerin einen Namen machte. Annie Smith Peck bestieg 1908 mit 58 Jahren den Huascaran in Peru (6.768 Meter) und pflanzte auf dem Gipfel eine Fahne mit der Aufschrift „Votes for Women“. Damit verband sie das Bergsteigen offen mit der Frauenrechtsbewegung.
Die Achttausender und die Eroberung des Everest
Junko Tabei aus Japan stand 1975 als erste Frau auf dem Everest. Anschließend bestieg sie als erste Frau die höchsten Berge aller sieben Kontinente. Wanda Rutkiewicz aus Polen erreichte 1978 als erste Europäerin den Everest-Gipfel und bestieg acht der vierzehn Achttausender. Allerdings verschwand sie 1992 am Kangchenjunga.
Gerlinde Kaltenbrunner aus Österreich bestieg 2011 als erste Frau alle vierzehn Achttausender ohne Zusatzsauerstoff. Davor hatte Edurne Pasaban aus Spanien 2010 als erste Frau überhaupt alle vierzehn bestiegen. Außerdem hält Lhakpa Sherpa mit über zehn Besteigungen den Rekord für die meisten Everest-Aufstiege einer Frau. Und Pasang Lhamu Sherpa erreichte 1993 als erste nepalesische Frau den Gipfel – starb jedoch beim Abstieg.
Unter den berühmten Bergsteigerinnen und Gipfelstürmerinnen finden sich also Frauen aus allen Epochen und Kontinenten. Vereint sind sie durch den Willen, höher zu steigen, als es ihnen zugetraut wurde.
Polarforscherinnen
Die Polarforschung war im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine fast ausschließlich männliche Veranstaltung. Frauen wurden auf Expeditionen nicht mitgenommen, weil man sie für nicht belastbar genug hielt. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts änderte sich das langsam.
Caroline Mikkelsen aus Dänemark betrat 1935 als erste Frau antarktischen Boden. Sechzig Jahre später lief dann Liv Arnesen aus Norwegen 1994 als erste Frau solo zum Südpol – also 50 Tage und 1.200 Kilometer. Gemeinsam mit Ann Bancroft, der ersten Frau, die zu beiden Polen gereist war, durchquerte Arnesen 2001 in 94 Tagen die Antarktis auf Skiern und Segeln.
Felicity Aston aus Großbritannien durchquerte 2012 als erste Frau die Antarktis allein auf Skiern. Außerdem verbrachte Rosie Stancer 2007 insgesamt 84 Tage allein in der Arktis, also auf Skiern durch den arktischen Ozean. Preet Chandi, eine britische Offizierin mit indischen Wurzeln, erreichte zudem 2022 als erste Frau of Colour solo den Südpol. Und Maria Leijerstam aus Wales fuhr 2013 als erste Person mit dem Fahrrad zum Südpol.
Naturforscherinnen und Wissenschaftlerinnen auf Reisen
Viele der wichtigsten Entdeckungen der Naturgeschichte wurden von Naturforscherinnen gemacht. Sie saßen dafür nicht in Laboren, sondern waren monatelang durch Regenwälder, über Gebirge und an Küsten unterwegs. Allerdings blieben ihnen die wissenschaftlichen Gesellschaften und Universitäten lange verschlossen. Deshalb mussten sie ihre Forschung oft privat finanzieren oder im Schatten männlicher Kollegen veröffentlichen.
Primatenforscherinnen
Jane Goodall reiste 1960 ins Naturreservat Gombe Stream in Tansania. Dort lebte sie in Zelten am Ufer des Tanganjikasees und dokumentierte erstmals, dass Schimpansen Werkzeuge herstellen und Fleisch fressen. Diese Erkenntnisse veränderten das Verständnis menschlicher Evolution. Trotzdem wurde sie anfangs als „blondes Mädchen ohne Ausbildung“ abgetan. Dian Fossey wiederum zog 1966 in den Regenwald Ruandas und lebte jahrelang mit Berggorillas zusammen, bis sie 1985 ermordet wurde. Außerdem begann Birute Galdikas 1971 auf Borneo ihre Langzeitstudien an Orang-Utans, die bis heute andauern.
Botanikerinnen und Naturforscherinnen
Maria Sibylla Merian reiste 1699 mit 52 Jahren von Amsterdam nach Surinam, um tropische Insekten und ihre Metamorphosen zu studieren und zu zeichnen. Und das zu einer Zeit, als Frauen in Europa kaum reisen durften. Ihr 1705 veröffentlichtes Werk Metamorphosis Insectorum Surinamensium gilt deshalb bis heute als ein Meilenstein der naturkundlichen Illustration.
Ynes Mexia wurde 1870 geboren und begann ihre botanischen Expeditionen erst mit über fünfzig. Auf Reisen durch Mexiko, Brasilien, Peru und Alaska sammelte sie über 500 bis dahin unbekannte Pflanzenarten. Marianne North wiederum malte im 19. Jahrhundert auf ausgedehnten Reisen über 800 botanische Ölgemälde. Diese hängen heute in einer eigenen Galerie in den Royal Botanic Gardens in Kew.
Meeresforscherinnen und Taucherinnen
Sylvia Earle wurde 1935 geboren und hat über 7.000 Stunden unter Wasser verbracht. Außerdem hat sie mehr als 100 Expeditionen geleitet und war 1990 die erste weibliche Chefwissenschaftlerin der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration. Rachel Carson wiederum veröffentlichte 1962 mit Silent Spring ein Buch, das die moderne Umweltbewegung auslöste und zudem zum Verbot von DDT in den USA führte. Trotzdem griff die Chemieindustrie sie persönlich an und versuchte, sie als hysterische Frau ohne wissenschaftliche Autorität darzustellen.
Paläontologinnen und Geologinnen
Mary Anning entdeckte ab 1811 an der Küste von Lyme Regis in Dorset spektakuläre Fossilien. Darunter befanden sich das erste vollständige Skelett eines Ichthyosaurus und der erste in Großbritannien gefundene Plesiosaurus. Allerdings verwehrte die wissenschaftliche Gemeinschaft Frauen den Zutritt zur Geological Society of London bis 1904. Deshalb übernahm sie ihre Funde, ohne sie als Entdeckerin zu nennen. Männliche Wissenschaftler veröffentlichten Annings Forschung unter eigenem Namen und ernteten dafür Ruhm und Geld.
Reiseschriftstellerinnen und Reise-Journalistinnen
Viele Entdeckerinnen waren zugleich Reiseschriftstellerinnen, die ihre Erlebnisse in Büchern und Artikeln festhielten. Damit veränderten sie das Bild des Reisens für Millionen von Leserinnen und Lesern. Diese Frauen, die Geschichte schrieben, taten dies oft buchstäblich – also mit der Feder in der Hand. Allerdings wurden ihre Bücher oft als „Reisetagebücher“ oder „Plaudereien“ abgetan, während männliche Autoren derselben Epoche als seriöse Forscher galten.
Pionierinnen im Nahen Osten und in Afrika
Gertrude Bell bereiste ab 1899 den Nahen Osten. Außerdem kartierte sie Teile Mesopotamiens, sprach fließend Arabisch und Persisch und schrieb Reiseberichte, die zugleich politische Analysen waren. Trotzdem wurde sie bei der Pariser Friedenskonferenz 1919 als einzige Frau im Raum kaum gehört. Mary Kingsley wiederum erforschte ab 1893 allein Westafrika, bestieg als erste Frau den Mount Cameroon und veröffentlichte ihre Reiseberichte in Büchern. Damit veränderte sie das europäische Bild des Kontinents.
Eigene Räume schaffen: Adams und die Society of Woman Geographers
Harriet Chalmers Adams legte zwischen 1903 und 1906 rund 40.000 Meilen in Südamerika zurück und berichtete für das National Geographic. Außerdem gründete sie 1925 die Society of Woman Geographers, nachdem der Explorers Club in New York sie abgewiesen hatte. Damit schuf sie einen institutionellen Raum, der bis heute existiert. Die Society war eine direkte Antwort auf den Ausschluss von Frauen aus männlich dominierten Forschungsgesellschaften.
Reisende Beobachterinnen des 20. Jahrhunderts
Auch Ella Maillart aus der Schweiz reiste in den 1930er-Jahren durch Zentralasien und dokumentierte die Region in Büchern und Fotografien. Annemarie Schwarzenbach wiederum reiste als Fotojournalistin durch den Orient, nach Afghanistan und Persien. Damit hielt sie eine Welt im Umbruch fest, bevor sie 1942 mit 34 Jahren starb. Und Martha Gellhorn bereiste als Kriegsreporterin über fünf Jahrzehnte mehr als 50 Länder. Sie berichtete dabei von nahezu jedem großen Konflikt des 20. Jahrhunderts. Trotzdem stand sie in der Berichterstattung jahrelang im Schatten ihres Ehemanns Ernest Hemingway.
Astronautinnen – Entdeckerinnen im Weltraum
Auch die Raumfahrt war von Anfang an männlich geprägt. Die NASA schloss Frauen bis in die 1970er-Jahre vom Astronautenprogramm aus. Dabei hatten amerikanische Pilotinnen die medizinischen Eignungstests in den 1960er-Jahren genauso gut oder besser bestanden als ihre männlichen Kollegen.
Am 16. Juni 1963 startete Walentina Tereschkowa an Bord der Wostok 6 als erste Frau ins All. Sie umkreiste die Erde 48 Mal in 71 Stunden. Außerdem blieb sie die einzige Frau, die eine Solo-Raumfahrtmission absolvierte.
Danach vergingen zwanzig Jahre, bis Sally Ride 1983 als erste Amerikanerin ins All flog. Mae Jemison folgte 1992 als erste afroamerikanische Frau im Weltraum. Außerdem absolvierte Svetlana Savitskaya 1984 als erste Frau einen Außenbordeinsatz im All. Und Christina Koch hielt 2020 mit 328 Tagen den Rekord für den längsten Einzelraumflug einer Frau.
Schwimmerinnen, Radfahrerinnen und Motorsportlerinnen
Auch jenseits klassischer Entdeckungsreisen haben Frauen durch körperliche Höchstleistungen neue Wege erschlossen. Diese Heldinnen der Geschichte verschoben mit ihrem Körper als einzigem Werkzeug Grenzen. Dabei mussten sie sich gegen die verbreitete Ansicht durchsetzen, der weibliche Körper sei für Höchstleistungen schlicht nicht geschaffen.
Gertrude Ederle durchschwamm 1926 als erste Frau den Ärmelkanal – und zwar in 14 Stunden und 31 Minuten. Damit war sie schneller als alle fünf Männer, die vor ihr die Überquerung geschafft hatten. Auch Diana Nyad schwamm 2013 mit 64 Jahren die 177 Kilometer von Kuba nach Florida, ohne Haikäfig und nach vier gescheiterten Versuchen in den Jahrzehnten zuvor.
Augusta und Adeline Van Buren durchquerten 1916 als erste Frauen die USA auf zwei Motorrädern, also 8.800 Kilometer über unbefestigte Straßen. Unterwegs wurden sie sogar mehrfach verhaftet, weil sie Hosen trugen. Außerdem fuhr Bessie Stringfield in den 1930er- und 1940er-Jahren als erste afroamerikanische Frau allein auf dem Motorrad durch alle 48 US-Bundesstaaten. Und das im segregierten Amerika, oft sogar auf Tankstellen-Vorplätzen schlafend, weil ihr Hotels den Zutritt verwehrten.
Schon Jahrzehnte zuvor hatte Annie Londonderry 1894 als erste Frau mit dem Fahrrad die Welt umrundet. Außerdem finanzierte sie sich durch Werbeflächen auf ihrer Kleidung und ihrem Rad. Damit verstieß sie gleich mehrfach gegen viktorianische Vorstellungen davon, was eine Frau tun durfte. Denn das Fahrrad galt im 19. Jahrhundert als gefährliches Vehikel weiblicher Emanzipation – Ärzte warnten sogar vor angeblichen Schäden für die Gebärmutter.
Frauen auf Reisen – warum diese Geschichten zählen
Für die meisten dieser Frauen auf Reisen war das Unterwegssein nie nur Fortbewegung. Vielmehr war es ein Akt der Selbstbehauptung in einer Welt, die Frauen auf den häuslichen Bereich beschränken wollte. Reisen bedeutete auch, sich der ökonomischen Abhängigkeit vom Vater oder Ehemann zu entziehen. Außerdem hieß es, sich gegen Gesetze, Konventionen und oft auch gegen die eigene Familie zu stellen.
Sacagawea war die indigene Führerin der Lewis-und-Clark-Expedition. Sie navigierte 1805 mit einem Säugling auf dem Rücken durch die Rocky Mountains und hatte dabei keine Wahl. Trotzdem leistete sie einen Beitrag, ohne den die Expedition wohl gescheitert wäre. Andere wie Lady Hester Stanhope wählten das Reisen dagegen bewusst als Alternative. Sie verließ 1810 England und verbrachte den Rest ihres Lebens im Nahen Osten – und damit fern eines Lebens, das für Frauen ihrer Klasse vorgesehen war.
Von Jeanne Baret, die 1766 als Mann verkleidet an Bord ging, bis Preet Chandi, die 2022 allein zum Südpol lief: Die Geschichte der Abenteurerinnen und Entdeckerinnen ist auch eine Geschichte der weiblichen Emanzipation. Diese starken Frauen der Geschichte kartierten nicht nur unbekannte Gebiete. Vielmehr erweiterten sie die Vorstellung davon, was Frauen zugetraut wurde, und was sie sich selbst zutrauten. Sie sind weibliche Pioniere und Wegbereiterinnen, deren Erbe bis heute wirkt – also Frauen, die Geschichte schrieben und Vorbilder für alle, die nach ihnen kommen.
Bildquellen:
- Ein Stapel alter Koffer vor einem Gebäude — Foto:
Ray Harrington via Unsplash.
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