Naturforscherinnen aus Geologie, Biologie & Ökologie

Naturforscherinnen prägen die MINT-Wissenschaften seit Jahrhunderten
Naturforscherinnen haben die Erde vermessen, Lebewesen klassifiziert, Zellen aufgeschlüsselt und Gesteine datiert. Sie taten das meist ohne Zugang zu Universitäten, ohne festes Gehalt und ohne ihren Namen auf den Publikationen. Diese Kategorie sammelt berühmte Naturforscherinnen aus Geo- und Biowissenschaften. Dazu zählen Geologinnen, Paläontologinnen, Seismologinnen, Glaziologinnen, Biologinnen, Genetikerinnen, Botanikerinnen, Zoologinnen, Embryologinnen und Ökologinnen. Klimadiplomatie, Tierschutz-Aktivismus und politische Umweltbewegungen finden sich in der Kategorie Umweltaktivistinnen & Frauen im Naturschutz. Hier geht es um Forschung, Labor, Feldarbeit, Theorie.
Was diese Frauen verbindet, ist ein Muster: Beobachtung vor Ort, akribische Datenaufnahme und Schlussfolgerungen, die das Fach jahrzehntelang prägten. Hinzu kam ein wissenschaftliches Umfeld, das ihnen oft die Anerkennung verweigerte. Die folgenden Abschnitte ordnen sie nach Berufsfeld, Disziplin und Forschungsschwerpunkt.
Frühe Naturforscherinnen vom Mittelalter bis zur Aufklärung
Hildegard von Bingen (1098–1179) verfasste mit der „Physica“ zwischen 1150 und 1160 ein neunbändiges naturkundliches Werk. Es behandelt Pflanzen, Elemente, Bäume, Steine, Fische, Vögel, Landtiere, Kriechtiere und Metalle. Insgesamt beschrieb sie rund 500 Pflanzen-, Tier- und Mineralien-Lemmata. Medizinhistoriker zählen die „Physica“ und „Causae et curae“ nicht zu ihren Visionsschriften, sondern zum natur- und heilkundlichen Erfahrungswissen des Hochmittelalters. Damit gehört Hildegard von Bingen zu den frühesten dokumentierten Naturforscherinnen im deutschsprachigen Raum.
Maria Sibylla Merian reiste 1699 mit ihrer Tochter nach Surinam. Dort beobachtete sie Schmetterlinge, Käfer und Raupen in ihrem natürlichen Lebensraum. 1705 veröffentlichte sie die „Metamorphosis insectorum Surinamensium“. Das Werk baute die Insektenkunde von der Schreibtisch- zur Beobachtungswissenschaft um. Anna Maria Sibylla Merian, wie sie auch firmiert, lieferte als erste systematische Darstellungen vollständiger Lebenszyklen einzelner Arten.
Jeanne Baret kletterte 1766 als Frau verkleidet auf das Schiff der Bougainville-Weltumsegelung. Mit dem Botaniker Philibert Commerson sammelte sie tausende Pflanzenproben in Südamerika, am Kap der Guten Hoffnung und in Mauritius. Sie gilt als erste Frau, die nachweislich die Welt umsegelte. Ihre botanischen Sammlungen liegen heute im Pariser Muséum national d’histoire naturelle. Anna Atkins veröffentlichte 1843 mit „Photographs of British Algae: Cyanotype Impressions“ das erste mit Fotografien illustrierte Buch der Geschichte. Diese Pionierleistung begründete zugleich Algenkunde und visuelle Wissenschaft.
Geologinnen, Paläontologinnen und Geowissenschaftlerinnen
Die Geowissenschaften gehören zu den Fächern, in denen Frauen besonders lange ausgeschlossen waren. Lange Zeit gab es keine Felduniformen, keine Expeditionsgenehmigungen, keinen Zutritt zu Bohrinseln. Trotzdem haben Naturforscherinnen aus Geologie, Paläontologie und Geophysik das Bild von der Erde verschoben.
Berühmte Geologinnen und Geowissenschaftlerinnen
Eine Geologin erforscht den Aufbau, die Zusammensetzung und die Geschichte der Erde – Gesteine, Sedimente, Plattentektonik, Erzlagerstätten. Marie Tharp arbeitete ab 1948 am Lamont Geological Observatory der Columbia University. Sie kartierte als erste den mittelatlantischen Rücken samt zentralem Grabenbruch. Damit legte sie eine entscheidende Grundlage für die Theorie der Plattentektonik. Ihr Kollege Bruce Heezen hielt die Idee zunächst für „Mädchengerede“. Janet Watson promovierte 1949 in London und prägte die Erforschung präkambrischer Gesteine im schottischen Lewisian-Komplex. Marguerite Williams wurde 1942 als erste Schwarze Frau in den USA in den Geowissenschaften promoviert. Marcia McNutt leitete von 2009 bis 2013 als erste Frau den United States Geological Survey. 2016 übernahm sie als erste Präsidentin die National Academy of Sciences. Wer sich für den Beruf Geologin interessiert: Das Studium führt in Bergbau, Rohstoffwirtschaft, Hydrologie, Umweltgutachten oder Forschungsinstitute wie das GFZ Potsdam oder das BGR Hannover.
Paläontologinnen – Forscherinnen der Erdgeschichte
Eine Paläontologin rekonstruiert ausgestorbenes Leben aus Fossilien, Knochen, Spuren und Mikroresten. Mary Anning fand 1811 als Zwölfjährige an der Küste von Lyme Regis das erste vollständige Ichthyosaurier-Skelett. Später folgten Plesiosaurier und Pterosaurier. Ihre Funde liegen heute im Natural History Museum London. Publiziert wurden sie zu Lebzeiten unter den Namen männlicher Geologen.
Tilly Edinger gründete in den 1920er Jahren in Frankfurt am Main die Paläoneurologie. Sie verglich systematisch Gehirnabdrücke fossiler Wirbeltiere. 1939 floh sie über London in die USA und arbeitete am Museum of Comparative Zoology in Harvard. Mary Leakey grub ab 1959 im tansanischen Olduvai George die Australopithecus-boisei-Schädel aus. 1976 folgten in Laetoli die berühmten 3,6 Millionen Jahre alten Hominiden-Fußspuren. Mary Schweitzer wies 2005 weiche Gewebereste in einem 68 Millionen Jahre alten Tyrannosaurus-rex-Knochen nach. Dieser Befund erschütterte die Paläontologie methodisch. Auch Charlotte Murchison, Mary Dawson und die Cambridge-Paläontologin Pat Shipman gehören in diese Reihe.
Seismologin, Vulkanologin, Mineralogin – die harten Geowissenschaften
Inge Lehmann entdeckte 1936 den festen inneren Erdkern. Grundlage war die Auswertung neuseeländischer Erdbebenwellen. Ihr berühmter Aufsatz trug schlicht den Titel „P'“. Sie blieb nach diesem Befund noch fast 50 Jahre wissenschaftlich aktiv. Eine Seismologin untersucht Erdbebenwellen und kartiert mit ihnen den Aufbau des Erdinneren. Eine Vulkanologin erforscht aktive und ruhende Vulkane. Katia Krafft dokumentierte mit ihrem Mann Maurice Krafft ab den 1970er Jahren Vulkanausbrüche aus nächster Nähe. Sie kam 1991 am japanischen Unzen ums Leben. Ihre Filmaufnahmen retten bis heute Leben, weil sie pyroklastische Ströme weltweit anschaulich machen. Eine Mineralogin analysiert Kristallstrukturen, Petrologinnen die Entstehung von Gesteinen, Hydrologinnen den Wasserkreislauf. Frauen wie Lisa Tauxe (Paläomagnetismus, UC San Diego) gehören heute zu den international wahrgenommenen Stimmen dieser Fächer.
Glaziologinnen und Polarforscherinnen
Die Glaziologie ist die Wissenschaft vom Eis. Sie untersucht Gletscher, Eisschilde, Permafrost und Schelfeis und liefert zentrale Daten für die Klimaforschung. Eine Glaziologin bohrt Eiskerne, vermisst Massenbilanzen und modelliert das Verhalten der Kryosphäre. Die Schweizer Glaziologin Kathrin Nägeli rief mit Kolleginnen 2017 das Programm „Girls on Ice Switzerland“ am Findelgletscher ins Leben. Es führt junge Frauen an Feldforschung im Eis heran. Susan Trumbore erforscht am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena Kohlenstoffflüsse in Boden und Ökosystemen. Monika Puskeppeleit leitete 1989 bis 1991 das weltweit erste reine Frauenteam in der Antarktis. Es überwinterte auf der deutschen Georg-von-Neumayer-Station. Die Verbindung von Glaziologie, Geophysik und Klimatologie macht das Fach zu einer Schlüsseldisziplin – besonders bei Fragen zu Meeresspiegel und Eisschmelze.
Biologinnen, Ökologinnen und Lebenswissenschaftlerinnen
Biologie ist das größte Berufsfeld unter den Naturwissenschaften. Es ist gleichzeitig das, in dem Frauen den weitesten Anteil erringen konnten. Eine Biologin untersucht Lebewesen, ihre Strukturen, Funktionen, Wechselwirkungen und Entwicklung. Wer Biologin werden möchte, studiert in der Regel sieben bis zehn Semester an einer Universität. Anschließend folgt die Vertiefung in eine Subdisziplin – von der Mikroskopie bis zur Ökosystem-Modellierung.
Mikrobiologinnen, Virologinnen und Biochemikerinnen
Die Mikrobiologin June Almeida fotografierte 1964 am St. Thomas‘ Hospital London erstmals ein Coronavirus mit dem Elektronenmikroskop. Ihre Aufnahmen prägten die spätere Diagnostik. Tu Youyou isolierte aus dem chinesischen Beifuß den Wirkstoff Artemisinin gegen Malaria. 2015 erhielt sie als erste chinesische Frau einen Nobelpreis für Medizin. Françoise Barré-Sinoussi identifizierte 1983 am Pariser Institut Pasteur das HIV-Virus und teilte sich 2008 dafür den Medizin-Nobelpreis. Pardis Sabeti sequenzierte 2014 die Genome des Ebola-Ausbruchs in Westafrika in Echtzeit. Die Biochemikerin Frances Arnold entwickelte das Verfahren der gerichteten Evolution von Enzymen. 2018 erhielt sie dafür den Chemie-Nobelpreis. 2024 wurde mit Carolyn Bertozzi (Bioorthogonale Chemie) eine weitere Biochemikerin ausgezeichnet. Die ungarisch-amerikanische Biochemikerin Katalin Karikó legte mit ihrer Forschung zur modifizierten mRNA die Grundlage für die ersten mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19. Dafür erhielt sie 2023 den Medizin-Nobelpreis.
Molekularbiologinnen und Genetikerinnen
Eine Genetikerin untersucht Erbanlagen, Mutationen und Vererbung. Eine Molekularbiologin erforscht Aufbau und Funktion biologischer Makromoleküle. Rosalind Franklin lieferte 1952 am King’s College London mit dem Röntgenbeugungsbild „Foto 51″ den entscheidenden Hinweis auf die Doppelhelixstruktur der DNA. Watson und Crick erhielten 1962 den Nobelpreis. Franklin war 1958 mit 37 Jahren an Eierstockkrebs gestorben. Barbara McClintock entdeckte in den 1940er Jahren an Maispflanzen die „springenden Gene“ (Transposons). 1983 erhielt sie als erste Frau allein den Medizin-Nobelpreis.
Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier veröffentlichten 2012 die Beschreibung des CRISPR/Cas9-Werkzeugs zur gezielten Genom-Editierung. 2020 teilten sich beide den Chemie-Nobelpreis. Die Genforschung erlebte damit ihren bislang stärksten methodischen Umbruch. Nettie Stevens identifizierte 1905 das Y-Chromosom als Geschlechtsdeterminator. Esther Lederberg entdeckte 1951 das Lambda-Bakteriophagen-System. Janaki Ammal arbeitete an der Polyploidie von Zuckerrohr. Erin Schuman erforscht am Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung lokale Proteinsynthese in Synapsen. Beth Shapiro ist auf alte DNA spezialisiert, Ruth Sager beschrieb extranukleäre Vererbung.
Embryologinnen und Entwicklungsbiologinnen
Eine Embryologin untersucht die frühe Entwicklung von Lebewesen vom befruchteten Ei bis zum fertigen Organismus. Hilde Mangold wies 1923 in ihrer Doktorarbeit bei Hans Spemann an Molchembryonen die Existenz eines „Organisators“ nach. Dieses Gewebe steuert die Embryonalentwicklung. Spemann erhielt 1935 dafür allein den Nobelpreis. Mangold war 1924 mit 26 Jahren bei einer Gasexplosion gestorben. Anne McLaren legte ab den 1950er Jahren in Edinburgh die experimentellen Grundlagen der In-vitro-Fertilisation. Später beriet sie das britische Parlament zur Embryonenforschung. Christiane Nüsslein-Volhard erhielt 1995 den Medizin-Nobelpreis. Ausgezeichnet wurde ihre Aufklärung der genetischen Steuerung der Embryonalentwicklung am Modellorganismus Drosophila. Maud Menten formulierte 1913 mit Leonor Michaelis die Michaelis-Menten-Gleichung der Enzymkinetik – ein bis heute zentrales Modell der Biochemie.
Botanikerinnen und Mykologinnen
Eine Botanikerin erforscht Pflanzen, eine Mykologin Pilze. Alice Eastwood sammelte als Botanikerin der California Academy of Sciences mehr als 340.000 Herbarbelege. Beim Erdbeben von San Francisco 1906 rettete sie nach eigenem Bericht 1.497 Typusexemplare aus dem brennenden Gebäude. Ynes Mexía sammelte zwischen 1925 und 1938 in Mexiko, Brasilien, Peru und Alaska rund 150.000 Pflanzenproben. Mit über 50 begann sie ihre Forschungslaufbahn. Janaki Ammal arbeitete als Botanikerin und Zytogenetikerin in Großbritannien und Indien an Zuckerrohr und Auberginen. Suzanne Simard wies an der University of British Columbia in den 1990er Jahren mit Isotopenmarkierungen den Stofftransfer zwischen Bäumen über Mykorrhiza-Pilze nach. Ihre Arbeit prägte das Bild des „Wood-wide Web“. Joanne Chory entschlüsselte am Salk Institute, wie Pflanzen Licht in Wachstumsprogramme übersetzen. Lynne Boddy erforscht an der Cardiff University Holzpilze und ihre Rolle in Wäldern. Patricia Kaishian arbeitet zur queeren Ökologie der Pilze.
Ökologinnen und Ökosystemforscherinnen
Eine Ökologin untersucht Wechselwirkungen zwischen Lebewesen und ihrer Umwelt – Stoffflüsse, Populationsdynamiken, Biodiversität. Lynn Margulis legte 1967 mit ihrer Endosymbiontentheorie eine der einflussreichsten Hypothesen der Evolutionsbiologie vor. Sie zeigte: Mitochondrien und Chloroplasten waren ursprünglich eigenständige Bakterien. Robin Wall Kimmerer ist Mitglied der Citizen Potawatomi Nation und Professorin in Syracuse. In „Braiding Sweetgrass“ (2013) verbindet sie indigenes Wissen mit westlicher Botanik. Sandra Díaz prägt mit ihrer Forschung an der Universidad Nacional de Córdoba das Konzept funktioneller Diversität. Camille Parmesan dokumentierte als eine der ersten Ökologinnen die Verschiebung von Tier- und Pflanzenarealen durch den Klimawandel. Mary Power forscht an der UC Berkeley zu Flussökosystemen, Anne Magurran zu Biodiversitätsindizes und ihrer Vermessung. Diese Frauen bestimmen die ökologische Theorie der Gegenwart – ohne dass ihre Namen außerhalb der Fachöffentlichkeit kursieren.
Zoologinnen, Primatologinnen und Verhaltensforscherinnen
Die Zoologie umfasst alle Tiergruppen vom Einzeller bis zum Wal. Eine Zoologin kann Primaten, Vögel, Insekten oder Meereslebewesen untersuchen – die Subdisziplinen sind entsprechend vielfältig.
Primatologin – ein Berufsfeld, das Frauen mit erfunden haben
Die Primatologie ist die Wissenschaft von Affen und Menschenaffen. Sie wurde im 20. Jahrhundert maßgeblich von Frauen geformt. Sie untersuchten ihre Forschungsobjekte nicht im Käfig, sondern im Regenwald. Patricia Wright erforscht seit 1986 in Madagaskar Lemuren. 1991 gründete sie den Ranomafana-Nationalpark – einen der wichtigsten Schutzgebiete für endemische Primaten. Sarah Blaffer Hrdy revidierte mit ihren Arbeiten zu indischen Hanuman-Languren das männlich geprägte Bild der weiblichen Primatin als passiv und monogam. Ihr Buch „Mother Nature“ erschien 1999. Shirley Strum begleitet seit 1972 in Kenia eine Pavianpopulation am Standort Gilgil. Sie prägte das Verständnis sozialer Strategien bei Pavianen. Alison Jolly forschte ab 1962 in Madagaskar zu Lemuren-Sozialverhalten. Cynthia Moss begleitet seit 1972 im Amboseli-Nationalpark Elefantenfamilien – die längste durchgehende Studie an einer wilden Säugetierpopulation. Daphne Sheldrick rettete in Kenia tausende verwaiste Elefanten. Louise Leakey führt die paläoanthropologische Tradition ihrer Familie am Turkana-Becken fort.
Ornithologinnen, Entomologinnen und weitere Spezialisierungen
Eine Ornithologin erforscht Vögel, eine Entomologin Insekten. Margaret Fountaine sammelte zwischen 1890 und 1940 in mehr als 60 Ländern Schmetterlinge. 22.000 Exemplare vermachte sie dem Norwich Castle Museum. Mary Treat korrespondierte ab 1869 mit Charles Darwin über fleischfressende Pflanzen und Insekten. Darwin zitiert sie mehrfach in seinen Werken. Anna Botsford Comstock veröffentlichte 1911 das „Handbook of Nature Study“. Es prägte die Naturlehre an US-amerikanischen Schulen. Beatrix Potter ist heute vor allem als Autorin der „Peter Rabbit“-Bücher bekannt. Ihre mykologische Studie zur Pilzkeimung wurde 1897 von der Linnean Society wegen ihres Geschlechts zurückgewiesen – 1997 entschuldigte sich die Gesellschaft offiziell. Hope Jahren beschreibt in „Lab Girl“ (2016) die Arbeit als Geobiologin und untersucht Pflanzenfossilien als Klimaarchive.
Meeresbiologinnen, Limnologinnen und Hydrologinnen
Eine Meeresbiologin erforscht Lebewesen und Ökosysteme der Ozeane, eine Limnologin die der Binnengewässer, eine Hydrologin den Wasserkreislauf. Eugenie Clark gründete 1955 das Cape Haze Marine Laboratory (heute Mote Marine Laboratory). Sie tauchte mehr als 70 Jahre lang mit Haien. Ihr Spitzname „Shark Lady“ prägte das öffentliche Bild der Meeresbiologin. Edith Widder entwickelte Tiefsee-Kameras, mit denen 2012 die ersten Bewegtbilder eines lebenden Riesenkalmars gelangen. Nancy Knowlton beschrieb das Konzept kryptischer Arten in Korallenriffen. Helen Czerski ist britische Ozeanographin am University College London. Sie erforscht die Physik der Ozean-Atmosphären-Grenzschicht und macht ihr Fach in BBC-Dokumentationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Mary Jane Rathbun beschrieb beim US-amerikanischen National Museum mehr als 1.100 neue Krebsarten.
Naturforscherinnen und der Nobelpreis
Im Bereich der Geo- und Lebenswissenschaften gibt es eine kleine, wachsende Reihe weiblicher Nobelpreisträgerinnen. Fast alle erhielten ihre Auszeichnung in Medizin oder Chemie – einen Naturwissenschafts-Nobelpreis für Erdwissenschaften gibt es nicht.
Rita Levi-Montalcini entdeckte den Nervenwachstumsfaktor NGF in einem provisorischen Labor in ihrer Mailänder Wohnung. Das geschah während der Verfolgung italienischer Jüdinnen und Juden. 1986 erhielt sie den Medizin-Nobelpreis. Gertrude Belle Elion entwickelte gemeinsam mit George Hitchings Wirkstoffe gegen Leukämie, Gicht und Herpes. 1988 wurde sie ausgezeichnet. Linda Buck und Richard Axel klärten 2004 die molekulare Grundlage des Geruchssinns auf. Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak teilten sich 2009 den Medizin-Nobelpreis. Ausgezeichnet wurde die Entdeckung der Telomere und der Telomerase.
May-Britt Moser erhielt 2014 mit ihrem damaligen Mann Edvard Moser und John O’Keefe den Medizin-Nobelpreis. Geehrt wurden die Grundlagen des räumlichen Orientierungssystems im Gehirn – die Gitterzellen. Auch Tu Youyou (2015), Frances Arnold (Chemie 2018), Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna (Chemie 2020), Carolyn Bertozzi (Chemie 2022) und Katalin Karikó (Medizin 2023) gehören in diese Reihe. Die Bilanz bleibt asymmetrisch: Bis heute stellen Frauen weniger als sieben Prozent aller Naturwissenschaftspreise.
Strukturelle Hindernisse für Frauen in der Forschung
Frauen waren in den Naturwissenschaften jahrhundertelang nicht abwesend, sondern unsichtbar. In Preußen wurden Frauen erst 1908 zum Studium zugelassen. In Cambridge erhielten sie ihre vollwertigen akademischen Grade erst 1948. Wer trotzdem forschte, arbeitete oft als unbezahlte Assistentin im Labor des Vaters, Bruders oder Ehemanns. Die Wissenschaftshistorikerin Margaret W. Rossiter prägte 1993 den Begriff „Matilda-Effekt“. Er beschreibt das Muster, dass die wissenschaftlichen Beiträge von Frauen männlichen Kollegen zugerechnet werden. Beispiele finden sich in dieser Kategorie reichlich: Hilde Mangolds Embryologie, Rosalind Franklins DNA-Bilder, Esther Lederbergs Bakteriophagen-Forschung, Marie Tharps Ozeanboden-Karten.
Die zweite Hürde ist die Verteilung von Forschungsmitteln. Eine 2020 in „The Lancet“ publizierte Analyse der NIH-Förderung in den USA zeigte: Männliche Antragsteller werben bei vergleichbarer Qualifikation im Durchschnitt höhere Summen ein als Antragstellerinnen. Die dritte Hürde ist die Zitationspraxis. Studien werden seltener zitiert, wenn die Erstautorin eine Frau ist. Forscherinnen wie Naomi Oreskes haben diesen Effekt systematisch dokumentiert.
Warum berühmte Naturforscherinnen sichtbar sein müssen
Die Aufzählung in dieser Kategorie ist kein Wettkampf um die größten Entdeckungen. Sie ist eine Korrektur des Bildes, das Schulbücher und Lexika seit Generationen zeichnen. Wenn Mädchen keine Geologinnen, Glaziologinnen, Primatologinnen oder Embryologinnen sehen, fehlt ihnen nicht das Talent. Es fehlt die Vorstellung, dass dieser Beruf für sie existiert. Frauen in der Forschung waren immer da. Nur eben oft ohne Namensnennung, ohne Lehrstuhl, ohne Nobelpreis.
Diese Seite versammelt Biografien berühmter Naturforscherinnen aus den Geo-, Bio- und Ökowissenschaften. Sie arbeitet mit nachprüfbaren Daten, klaren Werken und einem Blick auf das, was diese Frauen konkret entdeckt, beschrieben oder gemessen haben. Naturforscherinnen sind keine Randnotiz der Wissenschaftsgeschichte, sondern ein Hauptstrang. Lange wurde er übermalt. Hier wird er sichtbar.
Bildquellen:
- Graustufenfotografie von Skeletten — Foto:
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