Amelia Bloomer

Die Redakteurin & Reformerin, deren Name an einer Hose hängen blieb

* 27. Mai 1818 Homer, New York, USA

† 30. Dezember 1894 Council Bluffs, Iowa, USA

Eine Frau im mittleren Alter in schwarz/weiß aus dem Jahr 1887. Die Frau heißt Amelia Bloomer.
Veröffentlicht am: 20.06.2026Letzte Aktualisierung: 20.06.20261398 Worte10 Min. LesedauerCategories: , , ,

Wer war Amelia Bloomer?

Amelia Bloomer hat nie eine Hose entworfen. Trotzdem trägt ein Kleidungsstück bis heute ihren Namen. Die weite Pluderhose unter dem kurzen Rock heißt seit über 170 Jahren „Bloomer“.

Dahinter steht keine Modeschöpferin, sondern eine Redakteurin und Reformerin. Sie kämpfte für das Wahlrecht der Frauen und gegen den Alkohol. Die Hose war für sie nur eine Nebensache. Ausgerechnet diese Nebensache machte ihren Namen unsterblich.

Amelia Bloomers Weg zum Journalismus

Amelia Jenks kam am 27. Mai 1818 in Homer im US-Bundesstaat New York zur Welt.¹ Sie besuchte nur wenige Jahre die Schule. Danach arbeitete sie als Lehrerin und Privatlehrerin und brachte sich vieles selbst bei.²

1840 heiratete sie Dexter C. Bloomer, einen Anwalt und Zeitungsredakteur aus Seneca County.¹ Über ihn kam sie mit öffentlichen Fragen in Berührung. Das Paar zog nach Seneca Falls, wo Amelia einer Kirche und der örtlichen Mäßigungs-Gesellschaft beitrat.² Dexter bemerkte den Eifer seiner Frau und ermutigte sie, zu schreiben.²

So begann Amelia, Artikel über Mäßigung und andere gesellschaftliche Themen zu verfassen. 1848 fand in ihrer Nähe die erste Frauenrechtskonferenz statt, die Seneca Falls Convention. Amelia nahm teil, hielt sich aber im Hintergrund.¹ Den großen Schritt machte sie kurz danach – mit Druckerschwärze statt mit Reden.

The Lily – eine Zeitung von einer Frau für Frauen

Im Januar 1849 gründete Amelia Bloomer The Lily. Es war vermutlich die erste Zeitung, die vollständig von einer Frau herausgegeben wurde.¹ Anfangs richtete sich das Blatt nur an die Mitglieder der Mäßigungs-Gesellschaft von Seneca Falls.³ Es kostete 50 Cent im Jahr.

Doch The Lily wuchs schnell über sein erstes Thema hinaus. Bald druckte Amelia Beiträge über Bildung, Ehe und die Rechte der Frauen. Eine wichtige Autorin war ihre Nachbarin Elizabeth Cady Stanton. Stanton schrieb häufig für das Blatt, oft unter dem Pseudonym „Sunflower“.³

1849 wurde Dexter Bloomer zum Postmeister von Seneca Falls ernannt. Er machte seine Frau zur Assistentin.² Amelia nutzte das Postamt als inoffizielle Zentrale der Frauenbewegung. Im Mai 1851 stellte sie dort Elizabeth Cady Stanton und Susan B. Anthony einander vor.⁴ Aus dieser Begegnung wurde eine der wichtigsten Partnerschaften der amerikanischen Frauenbewegung.

Das Bloomer-Kostüm – wie eine Hose zu ihrem Namen kam

Im Februar 1851 erschien im Seneca County Courier ein Vorschlag. Frauen sollten doch lieber „türkische Pluderhosen und einen Rock bis knapp unters Knie“ tragen.⁴ Der Autor war ein Mann, der die Frauenbewegung sonst ablehnte. Amelia griff den Gedanken in The Lily auf.

Fast zeitgleich besuchte Elizabeth Smith Miller ihre Cousine Stanton – und trug genau dieses Kleid.¹ Stanton war begeistert und nähte sich selbst eine solche Tracht. Amelia folgte kurz darauf. Sie fühlte sich verpflichtet dazu, weil sie die Frage öffentlich diskutiert hatte. Im April 1851 kündigte sie ihren Leserinnen an, das neue Kleid zu tragen.⁴

Danach überschlugen sich die Reaktionen. „Ich stand fassungslos vor dem Aufruhr, den ich ungewollt ausgelöst hatte“, schrieb Amelia später.⁴ Die Presse spottete, doch die Frauen im Land reagierten anders. Nach einem Abdruck des Kostüms in The Lily trafen Hunderte Briefe ein.

„Sobald bekannt wurde, dass ich das neue Kleid trug, kamen Briefe zu Hunderten – von Frauen aus dem ganzen Land, die nach dem Schnittmuster fragten.“⁴ Die Auflage von The Lily stieg von 500 auf 4.000 Exemplare im Monat.⁴ Später erreichte das Blatt landesweit über 6.000 Leserinnen.³ Die Presse nannte die Trägerinnen bald „Bloomerites“, und das Kleidungsstück hieß fortan „Bloomers“.

Eine illustrierte Frau im Bloomer-Kostüm in schwarz/weiß

Illustration von Amelia Bloomer

War das Bloomer-Kostüm damals revolutionär?

Der Schnitt selbst war keine Erfindung von Amelia Bloomer. Schon vor ihr trugen die Schauspielerin Fanny Kemble und die Reformerin Lydia Sayer ähnliche Hosen.¹ Elizabeth Smith Miller hatte das Kostüm Anfang 1851 bei Stanton und Bloomer eingeführt.¹ Amelia verteidigte es nur in ihrer Zeitung – und ihr Name blieb daran haften.

Trotzdem traf das Kleid einen Nerv. „Hosen zu tragen war eine Art Fahne des geschlechtlichen Ungehorsams“, erklärt die Forscherin Amy Kesselman.⁴ Genau deshalb richtete sich der Spott so heftig gegen die Trägerinnen. Eine Frau in Hosen stellte die Ordnung der Geschlechter sichtbar infrage.

Befreiung vom Korsett: Was Frauen im 19. Jahrhundert tragen mussten

Um die Wirkung des Kostüms zu verstehen, lohnt ein Blick auf die übliche Kleidung. Eine Frau aus der Mittel- oder Oberschicht trug ein bodenlanges Kleid. Darunter steckte sie in einem Korsett und in sechs bis acht Unterröcken.⁴

Diese Last wog bis zu sieben Kilogramm. Sie drückte auf die Hüften und machte jede Bewegung schwer.⁴ Ärzte warnten vor Schäden für die Organe und für Schwangere. Frauen klagten über Atemnot, Hitze und Röcke, die über schmutzige Straßen schleiften.⁴

Das Bloomer-Kostüm wog dagegen wenig und ließ die Beine frei. Stanton beschrieb das Gefühl drastisch. Sie fühle sich „wie ein Gefangener, von Kugel und Kette befreit“.⁴ Genau hier setzt das Schlagwort von der Befreiung vom Korsett an. Es ging nicht nur um Stoff, sondern um Bewegungsfreiheit und Gesundheit.

Warum Amelia Bloomer die Hose wieder ablegte

Die Freiheit hatte einen Preis. Kritiker sprachen lieber über die Kleidung als über die Anliegen der Frauen. Das Kostüm lenkte vom Wahlrecht und von der Bildung ab. Nach und nach legten die Aktivistinnen es deshalb wieder ab.

Stanton gab das Kostüm schon Ende 1853 auf, andere folgten.⁵ Amelia Bloomer trug es länger. Erst 1858 wechselte sie zurück zum langen Rock.⁵ Den Ausschlag gab eine neue Erfindung: der leichte Reifrock aus Draht. Er machte die schweren Unterröcke überflüssig und galt als bequemer.⁵

Amelia begründete den Schritt klar. „Wir alle hatten das Gefühl, dass das Kleid die Aufmerksamkeit von etwas weit Wichtigerem ablenkte“, schrieb sie.⁴ Wichtiger seien das Recht auf Bildung, auf Arbeit, auf fairen Lohn und auf die Stimme bei Wahlen. „Für uns war das Kleid nur eine Nebensache. Wir wollten die großen Fragen nicht dafür opfern.“⁴

Aktivismus bis zuletzt: Iowa, Wahlrecht und Mäßigung

1853 zog das Paar nach Mount Vernon in Ohio. Dort half Amelia ihrem Mann bei der Zeitung Western Home Visitor.¹ 1854 verkaufte sie The Lily an Mary Birdsall, weil ein erneuter Umzug bevorstand.³ Ein Jahr später ließen sich die Bloomers in Council Bluffs in Iowa nieder.

In Iowa hörte Amelia nicht auf zu wirken. Während des Bürgerkriegs gründete sie die Soldier’s Aid Society von Council Bluffs und half den Unionssoldaten.² Sie hielt Vorträge und forderte Frauen auf, eigenen Grundbesitz zu erwerben.²

Von 1871 bis 1873 leitete sie die Frauenwahlrechts-Vereinigung von Iowa.² Sie organisierte Auftritte für Lucy Stone, Susan B. Anthony und Elizabeth Cady Stanton in ihrem Bundesstaat.¹ Ihr Festhalten an der Mäßigung brachte sie aber oft in Konflikt mit Mitstreiterinnen, die andere Themen voranstellen wollten.² Bis zu ihrem Tod blieb sie beiden Anliegen treu.

Seit wann dürfen Frauen Hosen tragen?

Amelia Bloomers Geschichte führt direkt zu einer größeren Frage. Wann durften Frauen eigentlich Hosen tragen? Die Antwort fällt je nach Land sehr unterschiedlich aus.

In Frankreich galt lange ein berüchtigtes Verbot. Eine Polizeiverordnung vom 26. Brumaire des Jahres IX, also vom November 1800, zwang Frauen zu einem Antrag. Wer sich „wie ein Mann“ kleiden wollte, musste bei der Polizeipräfektur eine Erlaubnis einholen.⁶ Ursprünglich sollte die Regel verhindern, dass Frauen als Männer verkleidet in den Krieg zogen.

Später wirkte das Gesetz nur noch absurd. 1892 und 1909 wurde es leicht gelockert: Hosen waren erlaubt, wenn die Frau ein Fahrrad lenkte oder ein Pferd am Zügel führte.⁶ Auf dem Papier blieb die Verordnung über zwei Jahrhunderte bestehen. Erst am 31. Januar 2013 erklärte die Frauenrechtsministerin Najat Vallaud-Belkacem sie für ungültig.⁷ Sie sei mit der Gleichberechtigung der Verfassung unvereinbar.

In Deutschland gab es kein vergleichbares landesweites Verbot. Gesellschaftlich aber galt die Frauenhose lange als unschicklich. Erst gegen Ende der 1960er Jahre setzte sich der Hosenanzug für Damen durch. Davor sorgten Vorreiterinnen für Aufsehen: Radfahrerinnen der 1890er Jahre, Filmstars wie Marlene Dietrich in den 1930ern und Arbeiterinnen beider Weltkriege. Amelia Bloomer steht am Anfang dieser langen Linie.

Woran starb Amelia Bloomer?

Amelia Bloomer starb am 30. Dezember 1894 in Council Bluffs in Iowa.¹ Sie wurde 76 Jahre alt. Bis zuletzt sprach und schrieb sie über Mäßigung und Frauenrechte.²

Das Wahlrecht für alle Frauen in den USA erlebte sie nicht mehr. Es kam erst 1920 mit dem 19. Verfassungszusatz. Ihre Zeitung The Lily und ihr Name aber überdauerten. Ein Kleidungsstück trägt diesen Namen bis heute – als stille Erinnerung an eine Frau, die viel mehr war als eine Hose.

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Auch unvergessen:

Bildquellen

  1. The Editors of Encyclopaedia Britannica: „Amelia Bloomer“. Encyclopædia Britannica
  2. Norwood, Arlisha R.: „Amelia Bloomer“. National Women’s History Museum
  3. „Bloomer, Amelia“. Social Welfare History Project
  4. Boissoneault, Lorraine: „Amelia Bloomer Didn’t Mean to Start a Fashion Revolution, But Her Name Became Synonymous With Trousers“. Smithsonian Magazine, 24. Mai 2018. Smithsonian Magazine
  5. „Suffragists Adopt, Then Abandon the ‚Bloomer Costume'“. Freethought Trail
  6. Balmer, Rudolf: „Absurdes Gesetz in Frankreich: Hosenverbot für Frauen“. taz, 7. Mai 2010. taz.de
  7. „Parisian women finally ‚allowed‘ to wear trousers“. France 24, 4. Februar 2013. France 24

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