Berühmte Frauen im 18. Jahrhundert
Das 18. Jahrhundert nennt sich gern das Zeitalter der Vernunft. Trotzdem blieben Frauen im 18. Jahrhundert rechtlich meist unmündig, ökonomisch abhängig und von Universitäten ausgeschlossen. Zugleich schrieben sie Romane, berechneten Kometenbahnen und führten Aufständische in die Schlacht. Diese Seite versammelt ihre Geschichten – von den Thronsälen Wiens und Petersburgs bis zu den Maroon-Dörfern Jamaikas.
Die Rolle der Frau im 18. Jahrhundert
Rechtlich stand eine Frau fast überall unter Vormundschaft. Zunächst entschied der Vater, später der Ehemann über Besitz, Wohnort und Verträge. Zudem fiel ihr Vermögen in der Ehe oft dem Mann zu. Deshalb bedeutete Heirat für viele weniger Schutz als Kontrolle.
Zugleich trug die Frau das Haus. Auf dem Land arbeitete sie in Feld, Stall und Werkstatt, in der Stadt führte sie Läden und Manufakturen mit. Diese Arbeit galt trotzdem als selbstverständlich und blieb meist unbezahlt und ungenannt.
Die Aufklärung diskutierte den Menschen und seine Rechte – die Frau jedoch nur am Rand. Universitäten, Akademien und Zünfte schlossen sie fast durchweg aus. Wer forschen oder malen wollte, brauchte daher einen wohlwollenden Vater, Ehemann oder Fürsten. Diese Struktur, nicht mangelndes Talent, hielt Frauen aus den Institutionen fern.
Immerhin öffnete sich die Bildung einen Spalt. 1774 führte Maria Theresia in den habsburgischen Ländern eine Unterrichtspflicht für Mädchen und Jungen ab sechs Jahren ein.¹ Adelige Töchter lernten Französisch, Musik und Tanz, während Bäuerinnen oft weder lesen noch schreiben konnten. Der Stand entschied somit stärker über ein Frauenleben als das Geschlecht allein.
Kleidung, Mode und Frisuren im 18. Jahrhundert
Die Silhouette der vornehmen Frau war ein Bauwerk. Ab den 1740ern prägte die robe à la française mit fallenden Rückenfalten die Höfe. Darunter spreizten Reifröcke, die sogenannten Paniers, die Hüften seitlich – teils bis zu enormer Breite.² Ein geschnürtes Korsett hob zugleich die Brust und verengte die Taille.
Bequem war das nicht, und praktisch schon gar nicht. Zwei Damen in vollem Reifrock passten kaum nebeneinander durch eine Tür. Der Aufwand zeigte Rang: Je unbeweglicher die Kleidung, desto deutlicher der Abstand zur arbeitenden Frau.
Frisuren und Kopfbedeckungen
Gegen Ende des Jahrhunderts wuchsen die Frisuren in die Höhe. Der pouf türmte echtes und falsches Haar über einem Gerüst aus Draht, Stoff und Rosshaar. Rose Bertin, die Modehändlerin von Marie Antoinette, und der Friseur Léonard trieben die Türme auf die Spitze und schmückten sie mit Bändern, Federn, sogar Schiffsmodellen.³ Bertin gilt heute als eine der ersten Modeschöpferinnen von Rang.
Die einfache Frau trug hingegen Haube, Tuch und praktisches Leinen. Erst spät im Jahrhundert kam eine schlichtere Mode auf. Später verdrängte das lockere Musselinkleid den schweren Reifrock.
Malerinnen und bildende Kunst
In der Kunst kämpften Frauen um Ausbildung und Anerkennung. 1768 gehörten Angelica Kauffmann und Mary Moser zu den 36 Gründungsmitgliedern der Londoner Royal Academy – die einzigen Frauen darunter.⁴ Beide durften dennoch nicht am Aktzeichnen teilnehmen, dem Herzstück der akademischen Ausbildung. Erst 1936 wählte die Akademie wieder eine Frau zum Vollmitglied.
Die Bildniskunst bot mehr Spielraum. Élisabeth Vigée Le Brun porträtierte Marie Antoinette über dreißigmal und floh 1789 vor der Revolution durch halb Europa. In Venedig hatte zuvor Rosalba Carriera das Pastellporträt europaweit in Mode gebracht. In Paris konkurrierte Adélaïde Labille-Guiard mit Vigée Le Brun und forderte offen mehr Plätze für Frauen an der Akademie.
Weitere Namen füllen dieses Feld. Anna Dorothea Therbusch setzte sich in Berlin und Paris als Bildnismalerin durch. Anne Vallayer-Coster wurde für ihre Stillleben in die Académie royale aufgenommen. Marianne Loir wiederum hielt Gelehrte wie Émilie du Châtelet im Bild fest. Marie-Guillemine Benoist schließlich schuf an der Schwelle zum 19. Jahrhundert ihr Porträt einer schwarzen Frau (1800) – ein frühes, würdevolles Bildnis einer ehemals versklavten Frau.
Wissenschaft, Naturforschung und Medizin
Ohne Zugang zu Universitäten forschten Frauen im Privaten – und lieferten trotzdem bleibhaftige Ergebnisse.
Physik, Mathematik und Astronomie
Émilie du Châtelet gehört zu den schärfsten Köpfen der Epoche. 1740 erschien ihr Lehrbuch Institutions de physique. Anschließend übersetzte sie Newtons Principia ins Französische und kommentierte sie; bis heute ist es die einzige vollständige französische Fassung.⁵
In Italien lehrte Laura Bassi Physik. 1732 verteidigte sie öffentlich ihre Thesen in Bologna und erhielt einen Lehrstuhl, den ersten für eine Frau an einer europäischen Universität.⁶ Weil man ihr die Vorlesung vor Männern erschwerte, unterrichtete sie kurzerhand zu Hause. Zudem verfasste ihre Landsfrau Maria Gaetana Agnesi 1748 ein vielgelesenes Mathematiklehrbuch.
Auch der Himmel gehörte den Forscherinnen. Caroline Herschel entdeckte 1786 als erste Frau einen Kometen und fand sieben weitere. 1787 zahlte ihr König Georg III. ein Gehalt – damit war sie die erste Frau, die von der Wissenschaft leben konnte.⁷ Ferner berechnete Nicole-Reine Lepaute in Frankreich die Wiederkehr des Halleyschen Kometen mit.
Medizin, Naturforschung und Entdeckung
Die Medizin blieb Männersache – bis eine Frau die Regel brach. 1754 promovierte Dorothea Christiane Erxleben in Halle als erste Frau in Deutschland zur Doktorin der Medizin.⁸ Danach behandelte sie weiter ihre Patienten und führte ihren Haushalt, so als wäre beides selbstverständlich.
Andere veränderten den Alltag ganzer Länder. Eva Ekeblad gewann Mehl und Branntwein aus Kartoffeln und wurde 1748 als erste Frau in die Schwedische Akademie der Wissenschaften gewählt. Drei Jahre später stufte man sie per Statutenänderung zum bloßen Ehrenmitglied herab – ein Lehrstück über die Grenzen, die man Frauen zog.⁹
Manche Forschung verlangte Mut und Tarnung. Als Mann verkleidet heuerte Jeanne Baret auf Bougainvilles Expedition an und umrundete als erste Frau die Erde; unterwegs sammelte sie Tausende Pflanzen.¹⁰ Schon früher hatte Lady Mary Wortley Montagu die Pockenimpfung aus Konstantinopel nach England gebracht und 1721 öffentlich vorgeführt.¹¹ In Bologna formte Anna Morandi Manzolini anatomische Wachsmodelle, und in Nordamerika beschrieb Jane Colden Hunderte Pflanzen nach dem neuen System Linnés. In den Pariser Laboren protokollierte und zeichnete Marie-Anne Lavoisier die Chemie ihres Mannes – und übersetzte die Fachwelt gleich mit.
Mächtige und gelehrte Frauen jenseits Europas
Das Jahrhundert war global, und die Keywordliste führt bewusst über Europa hinaus.
In China verband Wang Zhenyi Wissenschaft und Poesie. Sie erklärte Mondfinsternisse mit einem einfachen Modell aus Lampe, Spiegel und rundem Tisch und schrieb zugleich über Trigonometrie und die Kugelgestalt der Erde.¹² Offen benannte sie in Gedichten die Ungleichheit der Geschlechter. Mit 29 Jahren starb sie früh. Am selben Hof prägte Kaiserin Xiaoxian als Gemahlin des Qianlong-Kaisers das höfische Zeremoniell.
In Südasien stieg Begum Samru zur Herrscherin auf. Ab 1778 regierte sie das Fürstentum Sardhana, kommandierte Truppen und konvertierte zum Katholizismus. In Japan wiederum hob Kaga no Chiyo das Haiku auf neue Höhen. In Vietnam übersetzte und dichtete Đoàn Thị Điểm, und Hồ Xuân Hương verfasste zum Ende des Jahrhunderts Verse, die soziale Regeln unterliefen.
Schriftstellerinnen, Salons und Bluestockings
Die Feder wurde zur Waffe – und für viele zum Beruf.
Romane, Aufklärung und Rechte
1792 forderte Mary Wollstonecraft in A Vindication of the Rights of Woman eine vernünftige Bildung für Frauen. Ihr Buch gilt als eine der ersten großen Schriften des Feminismus.¹³ Deutlich früher hatte Sophie von La Roche mit der Geschichte des Fräuleins von Sternheim (1771) den ersten eigenständig von einer deutschen Frau verfassten Roman veröffentlicht.
In England erfand Ann Radcliffe mit den Mysteries of Udolpho (1794) den Schauerroman neu. Fanny Burney wiederum eroberte mit Evelina (1778) das Publikum. Zuvor schon hatten Eliza Haywood, Charlotte Lennox und Sarah Fielding vom Schreiben gelebt. Im deutschsprachigen Raum dichteten Anna Louisa Karsch, Sidonia Hedwig Zäunemann, Christiana Mariana von Ziegler und Luise Adelgunde Gottsched. Zur Jenaer Frühromantik gehörten später Sophie Mereau, Therese Huber und Caroline Schlegel-Schelling.
Über den Atlantik reichte diese Bewegung ebenfalls. Als versklavtes Kind nach Boston verschleppt, veröffentlichte Phillis Wheatley 1773 als erste Afroamerikanerin einen Gedichtband.¹⁴ In denselben Jahren forderte Judith Sargent Murray in ihrem Essay On the Equality of the Sexes (1790) gleiche Bildung. In Schweden schärften Hedvig Charlotta Nordenflycht und Anna Maria Lenngren die literarische Debatte.
Salons und Bluestockings
Wo Frauen keine Ämter bekamen, schufen sie eigene Bühnen. In Berlin führten Rahel Varnhagen und Henriette Herz Salons, in denen Adel, Kunst und Bürgertum zusammenkamen. In London trafen sich die „Bluestockings“ um Elizabeth Montagu, Elizabeth Carter, Hannah More und die Historikerin Catharine Macaulay. Dort zählte das Gespräch mehr als der Titel – ein seltener Raum, in dem gebildete Frauen offen mitredeten.
Musikerinnen, Sängerinnen und die Bühne
Auch in der Musik standen Frauen im Rampenlicht, ohne die gleiche Freiheit zu genießen. Als Kind bestaunte ganz Europa Maria Anna „Nannerl“ Mozart am Klavier. Sobald sie das heiratsfähige Alter erreichte, endete ihre Laufbahn, während ihr Bruder weiterreiste. Somit traf diese Bremse viele.
Andere komponierten trotzdem. Anna Amalia von Preußen, Schwester Friedrichs des Großen, schrieb Kirchenmusik und sammelte eine bedeutende Notenbibliothek. In Wien wirkte Marianna Martines als Komponistin und Sängerin, während Maddalena Lombardini Sirmen als Geigerin durch Europa zog. Auf der Opernbühne rangen Faustina Bordoni und Francesca Cuzzoni um den ersten Rang. In Weimar wiederum sang und komponierte Corona Schröter. Das Sprechtheater prägten zugleich Sarah Siddons, Kitty Clive und Peg Woffington.
Herrscherinnen: mächtige Frauen im 18. Jahrhundert in Europa
An den Höfen entschieden einige Frauen über Krieg und Frieden. Maria Theresia regierte die habsburgischen Länder vierzig Jahre lang und reformierte Heer, Verwaltung und Schule. In Russland kam Katharina die Große 1762 durch einen Staatsstreich an die Macht und regierte bis 1796. Sie korrespondierte mit Voltaire und gründete mit dem Smolny-Institut die erste Mädchenschule des Reiches.¹⁵ Vor ihr hatten bereits Anna Iwanowna und Elisabeth Petrowna als Zarinnen geherrscht.
Andere Kronen wogen leichter, doch der Fall konnte tödlich sein. Marie Antoinette wurde zum Sinnbild höfischer Verschwendung und 1793 guillotiniert. Zugleich stand Königin Charlotte in London an der Seite Georgs III. In Neapel regierte Maria Karolina von Österreich mit, in Spanien lenkte Isabel de Farnesio die Politik, und in Schweden trat Ulrika Eleonora sogar von der Krone zurück.
Macht lief zudem über informelle Wege. Als Mätressen Ludwigs XV. beeinflussten Madame de Pompadour und Madame du Barry Ämter und Kunstaufträge. Pompadour förderte Manufakturen und Philosophen, ehe der Hof sie fallen ließ. In England machte Georgiana Cavendish, Herzogin von Devonshire, den Salon zur politischen Bühne. Dass diese Frauen ihren Einfluss oft nur über Männer sichern konnten, zeigt die enge Ordnung ihrer Zeit.
Revolution, Aufstand und Widerstand
Am Ende des Jahrhunderts brannten die Kontinente – und Frauen standen mitten im Feuer.
Die Französische Revolution
1791 schrieb Olympe de Gouges die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin und forderte Gleichheit vor dem Gesetz. Zwei Jahre später brachte sie das unter die Guillotine.¹⁶ Später erstach Charlotte Corday 1793 den Jakobiner Marat in seiner Wanne und ging dafür ebenfalls aufs Schafott. Auf der Straße mobilisierten zugleich Théroigne de Méricourt, Manon Roland, Claire Lacombe und Pauline Léon – bis die Revolution ihre eigenen Klubs für Frauen wieder verbot.
Die Amerikanische Revolution
Jenseits des Atlantiks mischten sich Frauen in die Gründung einer Republik ein. 1776 mahnte Abigail Adams ihren Mann brieflich, im neuen Recht „an die Frauen zu denken“. Martha Washington versorgte derweil die Lager der Kontinentalarmee. Andere kämpften direkt: Sybil Ludington ritt zur Warnung durch die Nacht, Molly Pitcher bediente ein Geschütz, und Deborah Sampson wie die Britin Hannah Snell dienten als Männer verkleidet. In Massachusetts erklagte sich Elizabeth Freeman 1781 als versklavte Frau vor Gericht die Freiheit.
Piratinnen und antikolonialer Widerstand
Auf See trugen zwei Frauen Legende und Kaperbrief zugleich. Anne Bonny und Mary Read fuhren mit „Calico Jack“ durch die Karibik, bis man die Mannschaft 1720 fasste. Beide entgingen dem Galgen zunächst, weil sie schwanger waren.¹⁷
An Land wehrten sich Frauen gegen Sklaverei und Kolonialherrschaft. In Jamaika führte Nanny die Windward-Maroons durch den Ersten Maroon-Krieg und gilt heute als Nationalheldin.¹⁸ In den Anden trugen Micaela Bastidas, Bartolina Sisa und Manuela Beltrán die Aufstände von 1780/81 mit; die Spanier richteten sie grausam hin und stellten ihre Körper zur Abschreckung aus.¹⁹ 1791 leitete die Vodou-Priesterin Cécile Fatiman die Zeremonie von Bois Caïman, die die Haitianische Revolution entzündete.²⁰ Spätere Chronisten strichen ihren Namen oft aus der Geschichte – hier steht er.
Am Übergang zum 19. Jahrhundert
Manche Frauen gehören mit einem Fuß in dieses und mit dem anderen ins folgende Jahrhundert. Als Tochter von Mary Wollstonecraft wurde 1797 Mary Shelley geboren – elf Tage später starb die Mutter. Später schrieb das Kind der Aufklärung 1818 mit Frankenstein einen Gründungstext der Science-Fiction. Zwei Jahre nach ihr, 1799, kam Mary Anning zur Welt, die als Fossiliensammlerin die junge Paläontologie prägen sollte. Beide zeigen, wie das 18. Jahrhundert ins 19. hinüberreichte – und wie die Ideen der Aufklärerinnen weiterwirkten.
Bildquellen:
Keine
Textquellen:
- Die Welt der Habsburger – Maria Theresia und die Allgemeine Schulordnung von 1774
- Château de Versailles – Fashion at Versailles
- National Geographic – Marie-Antoinette’s Style Revolution
- Royal Academy of Arts – Mary Moser and Angelica Kauffman: the RA’s founding women
- Stanford Encyclopedia of Philosophy – Émilie du Châtelet
- University of Bologna – Laura Bassi
- Royal Museums Greenwich – Caroline Herschel: the first paid female astronomer
- Deutsches Ärzteblatt – Dorothea Christiane Erxleben: Doktor der „Arzeneygelahrtheit“
- Encyclopædia Britannica – Eva Ekeblad
- Encyclopædia Britannica – Jeanne Baret
- U.S. National Library of Medicine – Smallpox: Variolation
- EBSCO Research Starters – Wang Zhenyi
- Encyclopædia Britannica – Mary Wollstonecraft
- National Women’s History Museum – Phillis Wheatley
- World History Encyclopedia – Reforms of Catherine the Great
- Assemblée nationale – Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne (Olympe de Gouges)
- Smithsonian Ocean – Ann Bonny and Mary Read
- Jamaica Information Service – Nanny of the Maroons
- Encyclopedia.com – Bastidas, Micaela (1745–1781)
- Wikipedia – Cécile Fatiman (Bois Caïman, 1791)


