Berühmte Frauen der Antike
Über 1.500 Jahre vor Homer unterzeichnete eine Frau ihre Dichtung mit Namen – die Priesterin Enheduanna. Sie ist kein Einzelfall: Pharaoninnen mit voller Amtsgewalt, Dichterinnen von Lesbos, eine Mathematikerin in Alexandria, Königinnen, die römische Legionen schlugen. Dieser Überblick ordnet die berühmten Frauen der Antike nach Regionen und Rollen ein – von Mesopotamien über Griechenland und Rom bis nach Nubien, China und Indien.
Wie frei waren Frauen in der Antike? Die Rolle der Frau zwischen Recht und Alltag
Am weitesten reichten die Rechte im Alten Ägypten. Eine Ägypterin konnte Land, Häuser und Vieh auf eigenen Namen besitzen, verkaufen und vererben. Sie durfte Verträge schließen, vor Gericht als Zeugin oder Klägerin auftreten und sich scheiden lassen, ohne ihr Vermögen zu verlieren.¹ Diese Stellung war rund zweitausend Jahre vor vergleichbaren Rechten in Europa im Gesetz verankert.
Ganz anders sah es im klassischen Athen aus. Dort galt eine Bürgerin zeitlebens als Teil des Haushalts, geführt von einem männlichen Vormund, dem Kyrios. Er vertrat sie vor Gericht und entschied über größere Geschäfte. Land besitzen oder erben konnten Athenerinnen in der Regel nicht.²
Spartas Frauen hatten mehr Spielraum. Sie trieben Sport, tranken Wein und durften Grund und Boden besitzen und verwalten – anders als in Athen.³ Von der Politik blieben allerdings auch sie ausgeschlossen. Ihre Hauptaufgabe war, kräftige Soldaten für den Staat zur Welt zu bringen.
In Rom waren freigeborene Frauen Bürgerinnen (cives), doch wählen oder ein Amt bekleiden durften sie nicht.⁴ Viele standen unter der tutela mulierum, einer Vormundschaft, die den freien Umgang mit eigenem Vermögen einschränkte. Juristisch galten sie damit als Mündel und Bürgerin zugleich.⁵ Über Familie, Reichtum und Rede nahmen einzelne Frauen dennoch spürbaren Einfluss auf die Politik.
Frauen im Alten Ägypten: Pharaoninnen mit voller Macht
Mehrere Frauen trugen in Ägypten den vollen Königstitel. Sobekneferu regierte um 1800 v. Chr. am Ende der 12. Dynastie und ist die erste Frau, deren Pharaonenwürde sich sicher belegen lässt. Schon um 2950 v. Chr. hatte Merneith als Regentin die Amtsgeschäfte geführt. Ihr Grab in Abydos hat königliches Format.
Am bekanntesten ist Hatschepsut. Sie regierte rund 21 Jahre (etwa 1479–1458 v. Chr.), ließ sich mit Königsbart darstellen und schickte eine Handelsexpedition ins Goldland Punt. Statt Kriege zu führen, baute sie den Terrassentempel von Deir el-Bahari. Ihr Nachfolger ließ später viele ihrer Bildnisse tilgen.
Andere Ägypterinnen wirkten als Königinnen an der Seite der Macht. Ahhotep erhielt für ihre Rolle in kriegerischen Wirren die „Goldfliegen der Tapferkeit“. Teje beriet ihren Mann Amenophis III. und korrespondierte mit fremden Höfen. Nofretete stand als Große Königliche Gemahlin neben Echnaton und regierte womöglich selbst weiter. Nefertari erhielt von Ramses II. einen eigenen Tempel in Abu Simbel.
Tausret schloss um 1189 v. Chr. als weiblicher Pharao die 19. Dynastie ab. Den Schlusspunkt setzte Kleopatra VII. Sie sprach Ägyptisch, verband sich politisch mit Caesar und Marcus Antonius und nahm sich 30 v. Chr. das Leben. Mit ihr endete die Herrschaft der Ptolemäer, und Ägypten wurde römische Provinz.⁶
Königinnen und Priesterinnen des Alten Orients und Afrikas
Die früheste namentlich bekannte Autorin der Weltgeschichte war Enheduanna. Als Tochter des Akkad-Königs Sargon amtierte sie um 2300 v. Chr. als Hohepriesterin des Mondgottes Nanna in Ur. Unter ihrem Namen sind 42 Tempelhymnen und der Hymnus „Nin-me-šara“ (Die Erhöhung der Inanna) überliefert.⁷ 1927 legten Ausgräber in Ur eine Kalksteinscheibe mit ihrem Bild und Namen frei.⁸
Auch sonst regierten Frauen in Mesopotamien. Kubaba erscheint als einzige Frau auf der sumerischen Königsliste, angeblich eine frühere Schankwirtin, die über Kisch herrschte. Die Fürstin Puabi wurde um 2600 v. Chr. im Königsfriedhof von Ur mit reichem Goldschmuck bestattet. Sammuramat, später als Semiramis besungen, führte von 811 bis 806 v. Chr. als Regentin das assyrische Reich für ihren Sohn.⁹
Weiter nördlich schlug Tomyris, Königin der Massageten, um 530 v. Chr. das Heer des Perserkönigs Kyros – so berichtet es Herodot. In Nubien führte die Kandake Amanirenas von Meroë aus einen Krieg gegen Rom. Zwischen 25 und 21 v. Chr. hielt sie den Legionen des Augustus stand und handelte einen für Kusch günstigen Frieden aus.¹⁰ Ihre Nachfolgerin Amanishakheto ist durch ihre Pyramide und einen Goldschatz von Meroë bekannt.
Frauen im antiken Griechenland: Dichterinnen, Denkerinnen, Athletinnen
Trotz enger rechtlicher Fesseln hinterließen Griechinnen ein reiches geistiges Erbe. Es findet sich in Gedichten, in philosophischen Schulen und sogar auf der Siegerliste von Olympia.
Weibliche Philosophinnen und Dichterinnen der Antike
Sappho dichtete um 600 v. Chr. auf der Insel Lesbos in eigener Strophenform über Liebe und Sehnsucht. Platon nannte sie die „zehnte Muse“.¹¹ Weitere Stimmen kamen hinzu: Korinna aus Böotien, Erinna mit dem Klagegedicht „Die Spindel“, Telesilla von Argos und Praxilla von Sikyon, die Trinklieder verfasste.
In der Philosophie unterrichtete Aspasia aus Milet in Athen Rhetorik und lebte mit Perikles zusammen.¹² Diotima erscheint bei Platon als Lehrerin des Sokrates über die Liebe. Theano wirkte im Kreis der Pythagoreer, Hipparchia lebte als Kynikerin an der Seite des Krates, und Arete von Kyrene führte die kyrenaische Schule ihres Vaters weiter.
In Alexandria lehrte Hypatia Mathematik, Astronomie und neuplatonische Philosophie. 415 n. Chr. tötete sie ein aufgebrachter christlicher Mob.¹³ Früher schon soll Aglaonike Mondfinsternisse vorausgesagt haben, und die sagenhafte Agnodike gilt als erste Ärztin Athens. Phryne wiederum stand dem Bildhauer Praxiteles Modell für seine Aphrodite von Knidos.
Frauen bei den Olympischen Spielen der Antike
Verheiratete Frauen durften das Heiligtum von Olympia während der Spiele nicht einmal betreten. Trotzdem steht eine Frau in der Siegerliste: Kyniska, eine spartanische Prinzessin. Als Besitzerin des Gespanns gewann sie 396 und 392 v. Chr. das Wagenrennen – als erste Frau überhaupt bei den Olympischen Spielen.¹⁴ Eigene Wettkämpfe hatten Frauen bei den Heraia zu Ehren der Göttin Hera.
Frauen im antiken Rom: Matronen, Mütter und Machtfrauen
Das römische Ideal war die Matrone, die tugendhafte Ehefrau und Mutter. Cornelia verkörperte es und sprengte es zugleich. Als Tochter des Feldherrn Scipio Africanus und Mutter der Gracchen erhielt sie eine für Frauen seltene Bildung und sogar eine öffentliche Statue.¹⁵ Ihre Söhne nannte sie der Überlieferung nach ihren wahren Schmuck.
42 v. Chr. trat Hortensia auf dem Forum gegen eine Sondersteuer für 1.400 reiche Römerinnen auf. Warum, fragte sie, sollten Frauen zahlen, wenn man sie von Ämtern und Politik ausschließe? Die Triumvirn senkten die Zahl der Betroffenen daraufhin auf 400.¹⁶
Im Kaiserhaus wurde weiblicher Einfluss zur Regierungspraxis. Livia Drusilla lenkte als Frau des Augustus die Nachfolge zugunsten ihres Sohnes Tiberius.¹⁷ Agrippina die Jüngere ebnete ihrem Sohn Nero den Weg zum Thron, der sie 59 n. Chr. ermorden ließ. Fulvia kämpfte für die Sache des Marcus Antonius, und Servilia galt als politischer Kopf sowie Geliebte Caesars.
Die Severerinnen Julia Domna und ihre Schwester Julia Maesa sicherten der Dynastie über zwei Generationen den Thron. Julia Domna sammelte Gelehrte um sich, Julia Maesa verhalf gleich zwei Enkeln zur Herrschaft. Um Christi Geburt schrieb Sulpicia Liebeselegien, die im Werk Tibulls überliefert sind. Rechtlich unabhängig waren allein die Vestalinnen: Sie durften ohne Vormund über ihr Vermögen verfügen.
Antike Frauen in China und Indien
Die Antike reicht über den Mittelmeerraum hinaus. In China vollendete Ban Zhao nach dem Tod ihres Bruders das „Buch der Han“, die Geschichte der Westlichen Han-Dynastie. Ihr Leitfaden „Gebote für Frauen“ prägte das Rollenbild über Jahrhunderte.¹⁸ Kaiserin Lü Zhi hatte schon um 190 v. Chr. als erste Frau die faktische Macht über das chinesische Reich ausgeübt. Im vedischen Indien debattierte die Philosophin Gargi Vachaknavi im Brihadaranyaka-Upanishad mit dem Gelehrten Yajnavalkya über den Ursprung der Welt.
Am Übergang zur Spätantike: frühe Christinnen und Autorinnen
Mit dem Christentum traten neue Frauenstimmen hervor. Perpetua schrieb 203 n. Chr. in Karthago im Gefängnis ihre Visionen nieder, bevor sie mit der Sklavin Felicitas in der Arena starb. Ihr Bericht zählt zu den ältesten erhaltenen Texten einer christlichen Frau.¹⁹ Makrina die Jüngere führte im 4. Jahrhundert eine asketische Gemeinschaft und prägte ihre Brüder Basilius und Gregor von Nyssa.
Um 381 brach Egeria zu einer dreijährigen Pilgerreise ins Heilige Land auf und hielt sie in ihrem „Itinerarium“ fest – dem ältesten bekannten Reisebericht einer Frau.²⁰ Faltonia Betitia Proba dichtete im 4. Jahrhundert ein christliches Epos aus Vergil-Versen. Galla Placidia regierte das Weströmische Reich für ihren minderjährigen Sohn; ihr Mausoleum steht bis heute in Ravenna. In Konstantinopel stieg die frühere Schauspielerin Theodora zur Mitregentin Kaiser Justinians auf.
Starke Frauen der Antike: Kriegerinnen und Rebellinnen
Wer nach starken Frauen der Antike sucht, findet die deutlichsten Beispiele im Krieg. Artemisia I. von Karien befehligte 480 v. Chr. in der Seeschlacht von Salamis eigene Schiffe im Verband des Perserkönigs Xerxes. Olympias, die Mutter Alexanders des Großen, setzte sich nach dessen Tod mit Härte in den Nachfolgekämpfen durch.
In Britannien führte Boudicca 60/61 n. Chr. die Icener in einen Aufstand gegen Rom und legte drei Städte in Schutt und Asche, bevor die Legionen sie schlugen.²¹ Ihre Zeitgenossin Cartimandua regierte die Briganten und hielt es mit Rom. Die germanische Seherin Veleda wiederum unterstützte um 69/70 n. Chr. den Bataver-Aufstand. Und in Syrien dehnte Zenobia ihr Reich von Palmyra bis nach Ägypten aus, ehe Kaiser Aurelian sie 272 n. Chr. gefangen nahm.²²
Kleidung, Schönheit und das Bild der Frau in der Antike
Wie Frauen in der Antike aussahen, überliefern Statuen, Wandbilder und Münzporträts – meist idealisiert. Griechinnen trugen das Peplos- oder Chiton-Gewand mit einem Umhang, dem Himation. Römische Matronen kleideten sich in die Stola über der Tunika, dazu die Palla als Mantel. Die Stola galt dabei als Zeichen der ehrbaren Ehefrau. Das Schönheitsideal zeigte helle Haut und klare Proportionen, wie sie die Aphrodite-Statuen des Praxiteles vorgaben.
Bildquellen:
Textquellen:
- Meskell, Lynn u. a.: „Women’s Legal Rights in Ancient Egypt“. University of Chicago (Fathom Archive)
- Cartwright, Mark: „Women in Ancient Greece“. World History Encyclopedia
- Hodkinson, Stephen: „Female Property Ownership and Status in Classical and Hellenistic Sparta“. Center for Hellenic Studies, Harvard University
- Cartwright, Mark: „The Role of Women in the Roman World“. World History Encyclopedia
- „Women in Republican Rome: Legally Minors but Citizens in Civil Society“. Clio. Women, Gender, History. Cairn.info
- Mark, Joshua J.: „Cleopatra VII“. World History Encyclopedia
- Mark, Joshua J.: „Enheduanna“. World History Encyclopedia
- „She Who Wrote: Enheduanna and Women of Mesopotamia, ca. 3400–2000 BC“. The Morgan Library & Museum
- „The True Story of Semiramis, Legendary Queen of Babylon“. National Geographic
- „The Nubian Queen Who Fought Back Caesar’s Army“. HISTORY
- „Sappho“. Poetry Foundation
- „Aspasia“. Encyclopædia Britannica
- „Hypatia“. Encyclopædia Britannica
- „Cynisca of Sparta“. World History Encyclopedia
- „Cornelia – Roman Matron, Mother of Gracchi“. Encyclopædia Britannica
- „Hortensia – Roman Orator“. Encyclopædia Britannica
- „How Roman Empresses Quietly Shaped an Empire From the Shadows of Power“. TheCollector
- „Ban Zhao – Female Historian, Confucianism, Han Dynasty“. Encyclopædia Britannica
- „Perpetua – Christian Martyr“. Encyclopædia Britannica
- „Text Treasures: The Pilgrimage of Egeria“. Biblical Archaeology Society
- „Boudica’s Rebellion Against the Roman Empire“. National Geographic
- „Zenobia – Queen of Palmyra“. Encyclopædia Britannica


