Berühmte Frauen im 17. Jahrhundert

Das 17. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Extreme: Krieg, Absolutismus, das Goldene Zeitalter der Niederlande und beginnende koloniale Expansion. Für die meisten Frauen bedeutete es rechtliche Abhängigkeit unter Vater oder Ehemann. Und doch malten, komponierten, regierten, schrieben und forschten Frauen im 17. Jahrhundert auf allen Kontinenten. Diese Seite versammelt sie und zeigt, wie ihr Leben wirklich aussah.

  • Eine Frau des 17. Jarhunderts mit Feder in der Hand, korallfarbenem Oberteil und braunen Haaren

    Artemisia Gentileschi

    Vergessen für 300 Jahre, heute eine weltberühmte Barockmalerin

  • Maria Sibylla Merian, deutsche Entomologin, Künstlerin und Naturforscherin

    Maria Sibylla Merian

    Deutsche Künstlerin, Naturforscherin und Pionierin der Entomologie

Die Rolle der Frau im 17. Jahrhundert

Die rechtliche Stellung der Frau im 17. Jahrhundert war eng gefasst. Eine unverheiratete Frau unterstand dem Vater, eine verheiratete dem Mann. Besitz, Verträge und der eigene Lohn gehörten in vielen Regionen dem Ehemann. Juristisch galt die Ehefrau als Teil des Haushalts, nicht als eigenständige Person.

Zugleich war die Frau als „Hausmutter“ wirtschaftlich unverzichtbar. Werkstatt und Wohnung bildeten meist eine Einheit. Sie führte das Gesinde, verwaltete Vorräte, half im Handwerk und übernahm oft die Buchführung. Als Witwe durfte sie den Betrieb des Mannes häufig weiterführen. So gelangten einzelne Frauen zu Zunftrechten, die ihnen sonst verwehrt blieben.

Der Alltag war hart. Die Müttersterblichkeit war hoch, viele Frauen starben im Kindbett. Hinzu kam die Hexenverfolgung, die im 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. In den europäischen Prozessen wurden Zehntausende Menschen hingerichtet, die große Mehrheit davon Frauen.

Auch die Bildung blieb ein Privileg. Die meisten Frauen konnten weder lesen noch schreiben. In besseren Kreisen lernten Mädchen Haushaltsführung und Musik, selten Latein oder Wissenschaft. Klöster boten Mädchen der Ober- und Mittelschicht oft die einzige Chance auf Unterricht.

Gegen diese Ordnung regte sich Widerspruch. Die Utrechter Gelehrte Anna Maria van Schurman veröffentlichte 1641 ihre lateinische Streitschrift Dissertatio de ingenii muliebris ad doctrinam et meliores litteras aptitudine.¹ Darin argumentierte sie streng logisch, dass Frauen ebenso zum Denken und Lernen fähig seien wie Männer. Die Schrift wurde 1659 unter dem Titel The Learned Maid ins Englische übersetzt.

Van Schurman blieb keine Einzelstimme. Die sogenannte Querelle des femmes, der jahrhundertelange Streit um Wert und Fähigkeiten der Frau, gewann im 17. Jahrhundert neue Schärfe. Schriftstellerinnen von Mexiko bis London griffen zur Feder. Sie forderten das Recht auf Wissen – ein Recht, das ihnen die Gesellschaft absprach.

Kleidung, Mode und Frisuren der Frau im 17. Jahrhundert

Die Kleidung der Frau im 17. Jahrhundert folgte dem Wandel der Machtzentren. Zu Beginn dominierte noch die steife spanische Mode. Ein hoher Halskragen, die Halskrause, und ein starres Mieder formten eine strenge, fast unbewegliche Silhouette.

Um die Jahrhundertmitte setzte sich der weichere Barockstil durch. Die niederländische und französische Mode lösten die spanische Strenge ab. Frauen trugen nun einen bodenlangen Rock und ein versteiftes Mieder mit Dreiviertelärmeln und breitem, tiefem Ausschnitt. Große Spitzenkragen schmückten das Dekolleté.

Ein zentrales Kleidungsstück war das Manteau, auch Mantua genannt. Dieses offene Oberkleid erinnerte an einen Mantel. Darunter trugen Frauen einen farblich abgestimmten Rock, oft mit Schleppe und nach hinten gerafft. Das Korsett formte den Oberkörper und betonte eine schlanke Taille.

Stoff und Schnitt verrieten den Stand. Adel und wohlhabendes Bürgertum trugen Seide, Samt und Spitze. Ärmere Frauen kleideten sich in grober Wolle und Leinen. Kleiderordnungen schrieben genau vor, wer welche Materialien tragen durfte.

Frisuren im 17. Jahrhundert

Auch die Frisuren der Frauen wandelten sich mit der Mode. Um die Jahrhundertmitte war die Hurluberlu-Frisur beliebt, mit kurzen, seitlich gelockten Haaren. Gegen Ende des Jahrhunderts setzte sich am französischen Hof die Fontange durch.

Die Fontange war ein hoher Kopfputz aus gestärkter Spitze und Leinen. Auf einem Drahtgestell türmte er sich in Falten auf, teils bis zu einer beachtlichen Höhe. Der Name geht auf Marie Angélique de Fontanges zurück, eine Mätresse Ludwigs XIV.² Der Legende nach band sie sich bei einer Jagd das Haar mit einem Band hoch, und der König fand Gefallen daran. Die Mode hielt sich bis um 1700.

Malerinnen des Barock

In der Malerei erreichten einzelne Frauen im 17. Jahrhundert internationalen Rang. Artemisia Gentileschi malte dramatische biblische Szenen mit kräftigem Hell-Dunkel im Stil Caravaggios. Ihr Bildthema Judith, die Holofernes enthauptet, gestaltete sie mehrfach. 1616 wurde sie als erste Frau in die Accademia delle Arti del Disegno in Florenz aufgenommen.³

In den Niederlanden prägte Judith Leyster die Genremalerei mit lebendigen Szenen von Musikern und Zechern. 1633 nahm sie die Haarlemer Lukasgilde als Meisterin auf.⁴ Damit durfte sie eine eigene Werkstatt führen und Schüler ausbilden. Clara Peeters wiederum zählte zu den frühesten Stilllebenmalerinnen und signierte ihre Werke bereits um 1610.

Das Blumenstillleben wurde zur Domäne mehrerer Malerinnen. Rachel Ruysch entwickelte einen eigenen Stil dunkel schimmernder Blumenarrangements. Von 1708 bis 1716 arbeitete sie als Hofmalerin des Kurfürsten Johann Wilhelm in Düsseldorf.⁵ Ihre Laufbahn umspannte über sechs Jahrzehnte. Eine Leinwand von 1747 signierte sie stolz mit ihrem Alter von 83 Jahren. Auch Maria van Oosterwijck und die Französin Louise Moillon lebten von ihren Stillleben.

Weitere Malerinnen arbeiteten in Italien und Flandern. Elisabetta Sirani führte in Bologna eine eigene Werkstatt und bildete andere Frauen aus, bevor sie 1665 jung starb. Giovanna Garzoni spezialisierte sich auf feine Miniaturen und naturkundliche Studien. Michaelina Wautier wagte sich an großformatige Historienbilder – ein Feld, das Frauen fast völlig verschlossen war. Ihr Triumph des Bacchus zeigt sogar einen männlichen Akt.

Wissenschaft, Naturforschung und Medizin

Auch in den Wissenschaften hinterließen Frauen im 17. Jahrhundert Spuren. Maria Sibylla Merian erforschte die Verwandlung von Insekten zu einer Zeit, als viele noch an Urzeugung glaubten. 1699 reiste sie mit ihrer Tochter nach Surinam und blieb zwei Jahre. 1705 veröffentlichte sie ihr Hauptwerk Metamorphosis insectorum Surinamensium mit rund 60 Kupfertafeln.⁶

Diese Forschung fand jedoch in einer Sklavenhalterkolonie statt. Merian selbst hielt in Surinam versklavte Menschen. Zugleich stützte sie sich auf das Wissen versklavter Afrikanerinnen und Indigener. Namentlich nannte sie es fast nie. Sie hielt aber einen Akt des Widerstands fest: Versklavte Frauen nutzten die Samen des Pfauenstrauchs, um keine Kinder in die Sklaverei zu gebären.⁷

Am Himmel rechnete Maria Cunitz. Die schlesische Astronomin vereinfachte 1650 in ihrem Werk Urania Propitia die komplizierten Rudolphinischen Tafeln Johannes Keplers.⁸ Sie druckte das Buch auf eigene Kosten, auf Latein und Deutsch. Es gilt als das früheste erhaltene wissenschaftliche Werk einer Frau auf dem höchsten technischen Niveau ihrer Zeit. In Danzig unterstützte Elisabeth Koopman Hevelius ihren Mann bei der Vermessung der Sterne und gab seinen Sternkatalog nach seinem Tod heraus.

An der Universität Padua fiel 1678 eine Schranke. Elena Cornaro Piscopia erhielt dort als erste Frau der Welt einen Doktortitel, den Doktor der Philosophie.⁹ Sie hielt ihre Prüfungsrede eine Stunde lang auf Latein. Kurz darauf änderte die Universität ihre Statuten, um weitere Frauen von der Promotion auszuschließen.

In der Medizin schrieb Justine Siegemund Geschichte. Die schlesische Hebamme wurde 1683 als Hofwehmutter nach Berlin berufen. 1690 veröffentlichte sie Die Chur-Brandenburgische Hoff-Wehe-Mutter, das erste deutschsprachige Lehrbuch der Geburtshilfe von einer Frau.¹⁰ Sie beschrieb einen eigenen Handgriff zum Wenden des Kindes im Mutterleib, der bis heute ihren Namen trägt. In England veröffentlichte Jane Sharp 1671 mit The Midwives Book das erste englische Hebammenbuch aus weiblicher Feder.

Auch die Philosophie gehörte dazu. Anne Conway entwarf ein Denksystem, das später Gottfried Wilhelm Leibniz beeinflusste. Anna Maria van Schurman durfte ab 1636 als erste Frau Vorlesungen an der neuen Universität Utrecht hören – allerdings hinter einem Vorhang verborgen.

Schreibende Frauen: Literatur, Philosophie und Bühne

Mit der Feder verdienten im 17. Jahrhundert erstmals einige Frauen ihren Lebensunterhalt. Aphra Behn schrieb Theaterstücke, Gedichte und Prosa im England der Restauration. Zuvor hatte sie als Spionin für Karl II. in Antwerpen gearbeitet. 1688 erschien ihr Roman Oroonoko über einen versklavten afrikanischen Prinzen. Sie gilt als erste englische Berufsschriftstellerin.¹¹

Im Kloster von Mexiko-Stadt schrieb Sor Juana Inés de la Cruz Gedichte, Theaterstücke und Streitschriften. 1691 verteidigte sie in ihrer Respuesta a Sor Filotea das Recht der Frau auf Bildung und Wissen.¹² Der Text gilt vielen als frühes feministisches Manifest. In Nordamerika wurde Anne Bradstreet 1650 zur ersten gedruckten Dichterin der englischen Kolonien.

In England schrieb Margaret Cavendish über Naturphilosophie und entwarf mit The Blazing World eine frühe utopische Erzählung. 1667 durfte sie als erste Frau einer Sitzung der Royal Society beiwohnen. Mary Astell forderte 1694 in A Serious Proposal to the Ladies eine akademische Ausbildung für Frauen. Bathsua Makin warb ebenfalls für Mädchenbildung.

In Frankreich prägten Frauen die Salons und die Literatur. Madeleine de Scudéry schrieb umfangreiche Romane und entwarf die berühmte „Carte de Tendre“. Madame de La Fayette veröffentlichte 1678 mit La Princesse de Clèves einen der ersten psychologischen Romane. Madame de Sévigné hielt in tausenden Briefen das Leben am Hof fest. Ninon de Lenclos führte einen der freigeistigsten Salons von Paris.

Auch im deutschen Sprachraum schrieben Frauen. Sibylla Schwarz verfasste kunstvolle Barockgedichte und starb bereits mit 17 Jahren. Catharina Regina von Greiffenberg dichtete religiöse Sonette von großer Kunstfertigkeit. Glückel von Hameln hielt ihr Leben als jüdische Kauffrau in Memoiren auf Jiddisch fest – ein seltenes Selbstzeugnis dieser Zeit.

Die Musik brachte eigene Namen hervor. Barbara Strozzi veröffentlichte in Venedig acht Bände eigener Kompositionen, vor allem weltliche Kantaten.¹³ Sie ließ mehr weltliche Musik drucken als jeder andere Komponist ihrer Zeit. Francesca Caccini schrieb am Florentiner Hof mit La liberazione di Ruggiero (1625) die erste bekannte Oper einer Frau. Elisabeth Jacquet de la Guerre komponierte am Hof Ludwigs XIV. und schuf mit Céphale et Procris (1694) die erste Oper einer Französin.

Auf der anderen Seite der Welt entstand eine ganze Theaterform. Um 1603 tanzte Izumo no Okuni am ausgetrockneten Flussbett des Kamo in Kyoto neue, freche Szenen. Aus ihren Auftritten entwickelte sich das Kabuki-Theater.¹⁴

Macht und Thron in Europa

An den Höfen Europas übten Frauen im 17. Jahrhundert reale Macht aus. Christina von Schweden bestieg als Kind den Thron und regierte ab 1644 selbst. 1654 dankte sie freiwillig ab, konvertierte zum Katholizismus und zog nach Rom.¹⁵ Dort sammelte sie Kunst, Bücher und Gelehrte um sich.

In Frankreich führten zwei Frauen als Regentinnen die Staatsgeschäfte. Maria de‘ Medici regierte nach der Ermordung Heinrichs IV. für ihren minderjährigen Sohn. Anna von Österreich übernahm nach dem Tod Ludwigs XIII. die Regentschaft für den jungen Ludwig XIV. Beide steuerten Frankreich durch Aufstände und Machtkämpfe.

Am Hof Ludwigs XIV. bestimmten Mätressen und eine heimliche Ehefrau das gesellschaftliche Leben. Louise de La Vallière und Madame de Montespan waren einflussreiche Favoritinnen des Königs. Später heiratete Ludwig heimlich Madame de Maintenon. Sie gründete 1686 in Saint-Cyr eine Schule für mittellose adlige Mädchen.

Deutsche Fürstinnen prägten diese Höfe mit. Liselotte von der Pfalz, als Schwägerin des Königs Herzogin von Orléans, kommentierte das Leben in Versailles in zehntausenden Briefen. Ihre schonungslosen Beschreibungen sind bis heute eine wichtige Quelle. Ihre Tante Sophie von Hannover wurde 1701 im englischen Act of Settlement zur Thronerbin bestimmt und begründete so die hannoversche Linie der britischen Krone.

Andere Frauen verkörperten die Umbrüche der Zeit. Elisabeth Stuart regierte als „Winterkönigin“ nur einen Winter lang über Böhmen, bevor der Dreißigjährige Krieg begann. In England stand Henrietta Maria als katholische Königin an der Seite Karls I. In Dänemark saß Leonora Christina Ulfeldt 22 Jahre im Kerker und schrieb dort ihre Lebenserinnerungen. In London wurde die Schauspielerin Nell Gwyn als Mätresse Karls II. bekannt.

Herrscherinnen und Mächtige jenseits Europas

Auch außerhalb Europas hielten Frauen im 17. Jahrhundert die Fäden der Macht. Im Osmanischen Reich prägten sie eine ganze Epoche, die spätere Historiker „Sultanat der Frauen“ nannten. Kösem Sultan und ihre Schwiegertochter Turhan Hatice Sultan lenkten als Regentinnen jahrzehntelang die Politik.¹⁶ Beide gelten als die einzigen offiziell anerkannten Regentinnen der osmanischen Geschichte.

Im Mogulreich stieg Nur Jahan zur mächtigsten Frau am Hof auf. Als Gemahlin des trinkfreudigen Kaisers Jahangir erließ sie Dekrete und ließ sogar Münzen mit ihrem Namen prägen.¹⁷ Kaum eine Frau der islamischen Geschichte erhielt dieses Recht. Für ihre Nichte Mumtaz Mahal ließ Kaiser Shah Jahan das Taj Mahal errichten. Deren Tochter Jahanara Begum wurde zur einflussreichen Prinzessin und Bauherrin von Shahjahanabad. Ihre Schwester Roshanara und die Dichterin Zeb-un-Nissa gehörten ebenfalls zu diesem Kreis.

In China erlebte das Reich den Übergang von der Ming- zur Qing-Dynastie. Die Großkaiserinwitwe Xiaozhuang sicherte über zwei Kaiser hinweg die Macht der jungen Qing-Herrscher. Zugleich schufen gebildete Kurtisanen und Malerinnen wie Liu Rushi, Chen Yuanyuan, Ma Shouzhen, Wen Shu und Li Yin Gedichte und Bilder von hohem Rang.

In Japan standen Frauen an den Wendepunkten der Reichseinigung. Yodo-dono verteidigte für den Toyotomi-Clan die Burg von Osaka. Ihre Schwester Oeyo heiratete in die siegreiche Tokugawa-Familie ein. Von 1629 bis 1643 regierte Meishō als erste Kaiserin Japans seit über 800 Jahren. Hosokawa Gracia wiederum wurde als christliche Konvertitin zur bekannten Figur.

In Afrika leistete eine Königin jahrzehntelangen Widerstand. Nzinga von Ndongo und Matamba kämpfte im heutigen Angola gegen die portugiesische Expansion und den Sklavenhandel.¹⁸ Sie verbündete sich mit den Niederländern, bot geflohenen Versklavten Zuflucht und führte über 30 Jahre Krieg. Im Königreich Kongo trat wenig später die Prophetin Kimpa Vita (Dona Beatriz) mit einer eigenen religiösen Bewegung auf.

Glaube, Neue Welt und Widerstand

Mit der kolonialen Expansion gerieten indigene Frauen zwischen die Welten. Pocahontas, eigentlich Matoaka, war die Tochter des Powhatan-Anführers in Virginia. 1613 nahmen die Engländer sie als Geisel. Noch während dieser Gefangenschaft heiratete sie 1614 den Siedler John Rolfe und ließ sich als Rebecca taufen. Die Ehe besiegelte einen brüchigen Frieden zwischen Kolonisten und Powhatan.

1616 brachte die Virginia Company sie nach England. Dort führte man sie am Hof vor, als lebende Werbung für das Kolonialprojekt. 1617 starb sie mit etwa 21 Jahren in Gravesend, bevor sie zurückkehren konnte.¹⁹ Ihr Bild wurde später zum romantisierten Mythos, der die Gewalt der Kolonisierung überdeckte.

Im kolonialen Neuengland führte der Glaube Frauen vor Gericht. Anne Hutchinson widersprach der puritanischen Obrigkeit und wurde 1638 aus Massachusetts verbannt. Die Quäkerin Mary Dyer wurde 1660 in Boston für ihren Glauben gehängt. In England begründete Margaret Fell mit ihrer Schrift Women’s Speaking Justified (1666) die theologische Verteidigung predigender Frauen.

1692 machte die versklavte Tituba im Hexenprozess von Salem als eine der ersten Angeklagten Schlagzeilen. Ihr erzwungenes Geständnis heizte die Verfolgung weiter an. Weetamoo, Anführerin der Pocasset-Wampanoag, führte ihre Leute derweil im Krieg gegen die Landnahme der Siedler. Die Siedlerin Mary Rowlandson schilderte 1682 ihre Gefangenschaft in einem vielgelesenen Bericht. Solche Erzählungen prägten lange ein feindliches Bild der indigenen Bevölkerung.

Der Katholizismus brachte eigene Vorbilder hervor. Rosa von Lima wurde 1671 als erste in Amerika geborene Person heiliggesprochen. Die Mohawk-Konvertitin Kateri Tekakwitha wurde später ebenfalls verehrt. In Neufrankreich gründete Marie de l’Incarnation ein Ursulinenkloster in Québec und verfasste Wörterbücher indigener Sprachen. Marguerite Bourgeoys baute in Montreal eine Schulgemeinschaft auf. Diese Missionsschulen dienten jedoch auch der Kolonisierung. Bekehrung bedeutete oft, indigene Kulturen zu verdrängen.

Manche Lebenswege sprengten jede Norm – und bleiben doch zwiespältig. Catalina de Erauso floh als junge Frau aus einem spanischen Kloster und zog in Männerkleidung nach Südamerika. Als Soldat kämpfte sie im Arauco-Krieg gegen die Mapuche. Dabei war sie an Massakern an der indigenen Bevölkerung beteiligt.²⁰ Ihre Geschichte als „Nonnenleutnant“ ist damit auch eine Geschichte kolonialer Gewalt. In Quito wurde Mariana de Jesús für ihre Frömmigkeit verehrt.

Bildquellen:

Keine

Textquellen:

  1. Project Vox: „Van Schurman (1607–1678)“. Project Vox (Duke University)
  2. „Die Mode des Barock und Rokoko im 17. u. 18. Jahrhundert“. world4.info
  3. „Artemisia Gentileschi“. Encyclopædia Britannica
  4. „Judith Leyster“. National Gallery of Art
  5. „Rachel Ruysch“. National Museum of Women in the Arts
  6. „Maria Sibylla Merian: Metamorphosis unmasked by art and science“. Natural History Museum
  7. „Hidden women of history: Maria Sibylla Merian, 17th-century entomologist and scientific adventurer“. The Conversation. The Conversation
  8. „Maria Cunitz, Silesian Astronomer“. Linda Hall Library
  9. „Elena Lucrezia Cornaro Piscopia“. Università di Padova
  10. „Justine Siegemund: Autorin des ersten Lehrbuchs für Geburtshilfe“. medinlive
  11. Weinberg, Steve: „The Spy Who Became England’s First Successful Female Writer“. Smithsonian Magazine. Smithsonian Magazine
  12. „Reply to Sor Philotea“. Encyclopedia.com
  13. „Barbara Strozzi at 400“. Library of Congress
  14. „Okuni“. Encyclopædia Britannica
  15. „Christina, Queen of Sweden“. Encyclopædia Britannica
  16. „Eine osmanische Valide Sultan: Mahpeyker Kösem Sultan“. TRT Deutsch
  17. „Nur Jahan“. Encyclopædia Britannica
  18. „Queen Nzinga (1583–1663)“. BlackPast
  19. „Pocahontas (d. 1617)“. Encyclopedia Virginia
  20. „Erauso, Catalina de (1592–1635)“. Encyclopedia.com