Walentina Tereschkowa
48 Mal um die Erde, einmal um Putins Finger: von der ersten Frau im Weltraum zur Kreml-Loyalistin & Kämpferin gegen die Demokratie
Geboren: 6. März 1937 in Bolschoje Maslennikowo bei Tutajew, Oblast Jaroslawl, Russische SFSR (Sowjetunion)
Verstorben: - in -

Wer ist Walentina Tereschkowa?
Walentina Tereschkowa ist eine ehemalige sowjetische Kosmonautin und Politikerin. Am 16. Juni 1963 flog sie an Bord von Wostok 6 als erste Frau ins Weltall – 26 Jahre alt, allein, 48 Erdumrundungen in drei Tagen. Erst 19 Jahre später folgte ihr eine zweite Frau.
Sie stammt aus einer Arbeiterfamilie, verlor ihren Vater im Krieg, arbeitete in Fabriken und kam über das Fallschirmspringen zum Kosmonautenprogramm. Nach dem Flug wurde sie zur Nationalheldin. Und zum politischen Werkzeug des Systems.
Ihr Raumflug verdient Anerkennung. Ihr politisches Erbe nicht. 2020 brachte sie als Duma-Abgeordnete die Verfassungsänderung ein, die Putins Dauerpräsidentschaft ermöglichte. Sie unterstützt den Angriffskrieg gegen die Ukraine und steht seit 2022 auf den Sanktionslisten der EU und der USA. Die einstige Pionierin hat sich zur willfährigen Stütze eines autoritären Regimes gemacht.
Von der Spinnerei in den Orbit
Am 16. Juni 1963, um 12:29 Uhr Moskauer Zeit, hob eine Wostok-Rakete vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan ab. An Bord saß eine junge Frau, die noch drei Jahre zuvor Stoffe zugeschnitten und Hemden gebügelt hatte.
Ihr Funkrufname lautete Tschaika – Möwe. Und tatsächlich hatte diese Möwe nie zuvor ein Flugzeug gesteuert. Keine Pilotenlizenz, kein Hochschulabschluss in Ingenieurwesen. Was sie mitbrachte: 126 Fallschirmsprünge, ein Technikerdiplom von der Abendschule, die richtige soziale Herkunft und den unbedingten Willen, den Himmel nicht nur von unten zu betrachten.
Walentina Tereschkowa umkreiste in der engen Kapsel der Wostok 6 die Erde 48 Mal, fast zwei Millionen Kilometer weit. Der Flug dauerte 2 Tage, 22 Stunden und 50 Minuten. Dann landete sie per Fallschirm in der kasachischen Steppe, 620 Kilometer vom Zielgebiet entfernt.
Kindheit und Jugend in Jaroslawl
Walentina Tereschkowa wurde am 6. März 1937 im Dorf Bolschoje Maslennikowo geboren, rund 270 Kilometer nordöstlich von Moskau im Oblast Jaroslawl. Ihre Eltern stammten aus Weißrussland.
Der Vater, Wladimir Aksjonowitsch Tereschkow, arbeitete als Traktorfahrer und wurde 1939 zur Roten Armee eingezogen. Er fiel im Finnischen Winterkrieg, als Walentina zwei Jahre alt war. Die Mutter, Jelena Fjodorowna, blieb mit drei Kindern zurück: der älteren Schwester Ljudmila, Walentina und dem jüngeren Bruder Wladimir, der wenige Monate nach dem Tod des Vaters geboren wurde.
Um der Armut zu entkommen, zog die Familie nach Jaroslawl. Jelena Tereschkowa fand Arbeit in der Baumwollspinnerei Krasny Perekop. Das Dorf Bolschoje Maslennikowo existiert heute nur noch auf der Landkarte.
In Jaroslawl besuchte Walentina die Schule, doch der Familienunterhalt verlangte früh ihren Beitrag. Als Jugendliche arbeitete sie zunächst in einer Fabrik für Autoreifen, dann im Spinnerei-Kombinat, wo auch Mutter und Schwester beschäftigt waren. Sieben Jahre lang schnitt sie Stoffe zu und bügelte – parallel dazu besuchte sie eine Abendschule für Technik. 1960 erhielt sie ihr Diplom als Technikerin.
Ab 1955, mit 18 Jahren, begann Tereschkowa im örtlichen Aeroclub mit dem Fallschirmspringen. Bis zu ihrer Aufnahme ins Kosmonautenprogramm absolvierte sie rund 90 Sprünge. Es war genau dieses Hobby, das ihr den Weg ins All öffnen sollte.
Wie Walentina Tereschkowa Kosmonautin wurde
Die Idee, eine Frau ins All zu schicken, entstand 1961, kurz nach Juri Gagarins Flug mit Wostok 1 am 12. April. Nikolai Kamanin, der Leiter der Kosmonautenausbildung, notierte in seinem Tagebuch eine Befürchtung: Weibliche Pilotinnen in den USA absolvierten bereits Astronautinnen-Tests. Die Sowjetunion durfte nicht riskieren, dass die erste Frau im Weltraum Amerikanerin sein würde.
Das Problem: Es gab in der UdSSR kaum Militärpilotinnen. Also dehnte man die Suche auf Fallschirmspringerinnen aus. Aus mehreren Hundert Bewerberinnen wurden 58 in die engere Auswahl genommen. Am 16. Februar 1962 nahm man fünf Frauen in die Zweite Kosmonautengruppe auf: Schanna Jerkina, Tatjana Kusnezowa, Walentina Ponomarjowa, Irina Solowjowa – und Walentina Tereschkowa.
Die fünf Frauen durchliefen monatelang eine intensive Grundausbildung: Zentrifugentraining, Isolationstests, Parabelflüge, theoretische Prüfungen in Astrophysik und Raketentechnik. Im Dezember 1962 wurden alle fünf zu Unterleutnants der Luftwaffe ernannt.
Zwei Kandidatinnen schieden vor dem Flug aus: Kusnezowa bestand die theoretische Prüfung nicht, Jerkina fiel aus gesundheitlichen Gründen aus. Damit blieben drei Frauen: Tereschkowa, Ponomarjowa und Solowjowa.
Warum fiel die Wahl auf Tereschkowa?
Die Auswahl Walentina Tereschkowas für den ersten Raumflug einer Frau im Juni 1963 war kein Zufall, sondern das Ergebnis eines vielschichtigen Kalküls. Es gibt vier zentrale Gründe, warum gerade sie für diese historische Mission ausgewählt wurde: einen politisch-propagandistischen, einen biografisch-sozialen, einen praktisch-operativen und einen wissenschaftlich-medizinischen.
1. Politischer Prestigegewinn im Kalten Krieg
Nach dem ersten Satelliten Sputnik 1 (1957), dem ersten bemannten Raumflug mit Wostok 1 (1961) und dem Doppelflug von Wostok 3 und Wostok 4 (1962) brauchte die Sowjetunion einen weiteren symbolischen Erfolg. Der Kreml wollte der Welt zeigen, dass in der Sowjetunion alles möglich sei, und so das internationale Ansehen stärken und den Vorsprung vor den USA weiter ausbauen. Der Ausbildungsdirektor Nikolai Kamanin hatte erfahren, dass in den USA weibliche Piloten ein Astronautinnen-Training absolvierten, und notierte in sein Tagebuch, man könne nicht zulassen, dass die erste Frau im Weltraum Amerikanerin sei. Chruschtschow nutzte den Erfolg propagandistisch und stellte heraus, dass der Sozialismus in Sachen Gleichberechtigung der Zeit voraus sei, während die westliche Welt Frauen als das schwächere Geschlecht betrachte.
2. Ideale Biografie für die sozialistische Selbstdarstellung
Tereschkowa war Tochter einer Textilarbeiterin und eines im Finnischen Winterkrieg gefallenen Traktoristen. Chruschtschow wünschte sich ausdrücklich eine Kosmonautin, die nicht aus Militär- oder Wissenschaftskreisen stammte, sondern aus der Arbeiterklasse. Zu den wichtigsten Auswahlkriterien gehörten neben den fachlichen Qualifikationen ihre Herkunft, ein tadelloser sozialistischer Lebenslauf und ihre Ausstrahlung. Dieses Profil ließ sich international als Beweis für soziale Durchlässigkeit und Gleichberechtigung im sozialistischen System inszenieren.
3. Erfahrung als Fallschirmspringerin
Da es kaum weibliche Militärpilotinnen gab, wurde die Suche auf Fallschirmspringerinnen ausgedehnt – und Tereschkowas langjährige Erfahrung im Fallschirmspringen trug maßgeblich zu ihrer Auswahl bei. Beim Wostok-Programm war das entscheidend, denn die Kosmonauten landeten nicht in der Kapsel, sondern katapultierten sich kurz vor dem Aufsetzen mit einem Schleudersitz heraus und landeten am Fallschirm. Diese Routine verschaffte ihr einen klaren operativen Vorteil gegenüber vielen Mitbewerberinnen.
4. Wissenschaftliches und medizinisches Experiment
Neben der propagandistischen Absicht hatte der Flug auch das Ziel, biomedizinische Grundfragen zur weiblichen Konstitution unter Weltraumbedingungen zu beantworten. Man wollte erstmals systematisch untersuchen, wie der weibliche Körper auf Schwerelosigkeit, Enge, Isolation und hohe Belastung reagiert. Die Ergebnisse zeigten, dass geschlechtsspezifische physiologische Merkmale die Raumflugtauglichkeit nicht einschränken – Tereschkowa hatte bewiesen, dass Frauen auch unter Extrembedingungen bestehen können.
Wann flog Walentina Tereschkowa ins All?
Am 16. Juni 1963 startete Wostok 6 um 12:29 Uhr Moskauer Zeit vom Kosmodrom Baikonur. Zwei Tage zuvor, am 14. Juni, war bereits Waleri Bykowski mit Wostok 5 gestartet. Der Flug war als sowjetischer Gruppenflug konzipiert, bei dem sich beide Raumschiffe im Orbit annähern sollten.
Tereschkowa war beim Start Leutnant; während des Fluges wurde sie zum Hauptmann befördert. Drei Tage nach der Landung verlieh man ihr den Titel „Heldin der Sowjetunion“.
Ihre Kapsel hatte einen Durchmesser von nur 2,3 Metern. Die Wostok-Raumschiffe verfügten lediglich über eine Lageregelung – die Kosmonauten konnten die Umlaufbahn nicht selbstständig verändern. Die Annäherung der beiden Kapseln auf etwa fünf Kilometer gelang durch Berechnungen am Boden vor dem Start.
Wie hieß das Flugobjekt von Walentina Tereschkowa?
Walentina Tereschkowa flog mit dem Raumschiff Wostok 6 (russisch: Восток-6, „Osten 6″). Es war das letzte Raumschiff der Wostok-Serie – eine einsitzige Kapsel von 2,3 Metern Durchmesser, gestartet mit einer Wostok-Trägerrakete.
Die Kapsel erreichte eine Umlaufbahn mit einem Perigäum von 165 und einem Apogäum von 166 Kilometern bei einer Bahnneigung von 65 Grad. Die Wostok-Raumschiffe boten kaum Steuerungsmöglichkeiten: Die Kosmonauten konnten die Lage der Kapsel kontrollieren, aber nicht die Umlaufbahn verändern.
Nach dem Wiedereintritt in die Atmosphäre verließen die Kosmonauten die Kapsel per Schleudersitz und landeten an einem Fallschirm – getrennt von der Kapsel.
Wie lange war Walentina Tereschkowa im All?
Walentina Tereschkowa verbrachte 2 Tage, 22 Stunden und 50 Minuten im Weltraum. In dieser Zeit umkreiste sie die Erde 48 Mal und legte knapp zwei Millionen Kilometer zurück.
Während des ersten Tages konnte sie über Funk direkt mit Bykowski in Wostok 5 kommunizieren. Als sich die beiden Kapseln voneinander entfernten, lief die Verbindung nur noch über Relaisstationen am Boden.
Probleme während des Fluges
Der Flug verlief keineswegs reibungslos. Tereschkowa litt unter Übelkeit und körperlichem Unwohlsein – Symptome, die auch männliche Kosmonauten wie German Titow bei früheren Wostok-Flügen erlebt hatten.
Die offizielle sowjetische Darstellung, sie habe die Schwerelosigkeit gut vertragen, wurde von verschiedenen Quellen angezweifelt. Laut Berichten der Bodenkontrolle musste sie mehrfach ermahnt werden, Befehle korrekt auszuführen. Ein geplantes biologisches Experiment blieb unvollendet, weil sie die Ausrüstung in der engen Kapsel nicht erreichen konnte.
Zugleich gelang es Tereschkowa, Foto- und Filmaufnahmen des Erdhorizonts anzufertigen, die später zur Erforschung von Aerosolschichten in der Atmosphäre beitrugen.
Landung
Am Vormittag des 19. Juni 1963 erfolgte der Wiedereintritt in die Atmosphäre. Wie bei allen Wostok-Missionen katapultierte sich die Kosmonautin mit dem Schleudersitz aus der Kapsel und landete per Fallschirm – 620 Kilometer nordöstlich von Karaganda in Kasachstan, weit entfernt vom Zielgebiet.
Am Landeort verteilte Tereschkowa ihre nicht verbrauchten Lebensmittel an die Dorfbewohner. Für die Wissenschaftler war es anschließend unmöglich, ihren tatsächlichen Nahrungsverbrauch während des Fluges zu bestimmen.
War Walentina Tereschkowa Kosmonautin?
Ja. Walentina Tereschkowa wurde am 16. Februar 1962 offiziell in die Zweite Kosmonautengruppe der UdSSR aufgenommen. Nach ihrem Flug erhielt sie den Titel „Flieger-Kosmonautin der UdSSR“ – die höchste Auszeichnung für aktive Raumfahrer in der Sowjetunion.
Obwohl sie nur einen einzigen Raumflug unternahm, blieb sie formal Teil des Kosmonautenkorps. 1977 absolvierte sie erneut eine medizinische Zulassungsprüfung. Ein zweiter Einsatz kam jedoch nie zustande.
Ehe und Familie
Wer war Walentina Tereschkowas Ehepartner?
Am 3. November 1963, keine fünf Monate nach ihrem Raumflug, heiratete Walentina Tereschkowa den Kosmonauten Andrijan Grigorjewitsch Nikolajew. Nikolajew war 1962 mit Wostok 3 ins All geflogen.
Die Trauung fand im Moskauer Hochzeitspalast statt. Chruschtschow selbst führte den Vorsitz bei der Feier. Die Heirat zweier Kosmonauten hatte erheblichen Propagandawert – General Kamanin bezeichnete sie als „wahrscheinlich nützlich für Politik und Wissenschaft“.
Die Ehe hielt nicht. Tereschkowa sagte der Biografin Antonella Lothian, die Beziehung sei bereits 1977 faktisch beendet gewesen. Die offizielle Scheidung erfolgte 1982. Der Trennungsprozess soll die persönliche Genehmigung von Leonid Breschnew erfordert haben.
In zweiter Ehe heiratete Tereschkowa den Orthopäden und Generalmajor Juli Georgijewitsch Schaposchnikow, Direktor des Zentralinstituts für Traumatologie und Orthopädie (ZITO) in Moskau. Schaposchnikow starb 1999.
Hat Walentina Tereschkowa Kinder?
Walentina Tereschkowa hat eine Tochter: Elena Andrianowna, geboren am 8. Juni 1964. Elena war das erste Kind, dessen Mutter und Vater beide im Weltraum gewesen waren. Ihre Geburt wurde von sowjetischen Medizinern aufmerksam beobachtet, da man mögliche Auswirkungen der Weltraumstrahlung auf die Fortpflanzung untersuchte. Elena war ein gesundes Kind.
Elena Tereschkowa wurde Orthopädin und arbeitete im selben ZITO-Institut, das ihr Stiefvater geleitet hatte. Sie war zweimal verheiratet und hat zwei Söhne: Alexei (geboren 1995) und Andrei (geboren 2004).
Nach dem Flug: Politische Karriere in der Sowjetunion
Nach ihrem Raumflug wurde Tereschkowa systematisch für eine politische Laufbahn aufgebaut. Sie studierte an der Schukowski-Ingenieurakademie der sowjetischen Luftstreitkräfte und schloss 1969 mit Auszeichnung ab. 1977 promovierte sie in Luftfahrttechnik.
Im Mai 1966 wurde sie in den Obersten Sowjet gewählt. 1968 ernannte man sie zur Vorsitzenden des Frauenkomitees der UdSSR – eine Funktion, die ihr gegen ihren Willen übertragen wurde. Sie selbst wollte als Kosmonautin und Ingenieurin weiterarbeiten.
Doch nach Gagarins Tod bei einem Flugzeugabsturz 1968 war das Raumfahrtprogramm nicht bereit, einen weiteren Nationalhelden zu riskieren.
1971 wurde Tereschkowa Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU. Ab 1974 gehörte sie dem Präsidium des Obersten Sowjets an, ab 1976 amtierte sie als stellvertretende Vorsitzende der „Kommission für Erziehung, Wissenschaft und Kultur“.
In diesen Jahren reiste sie als Repräsentantin der UdSSR durch die Welt. Im Oktober 1963 besuchte sie mit Gagarin die DDR. Die DDR gab noch im selben Jahr eine Briefmarkenserie zu ihren Ehren heraus. 1973 empfing sie in Ost-Berlin die amerikanische Bürgerrechtlerin Angela Davis.
Auszeichnungen & Ehrungen
Drei Tage nach ihrer Landung im Juni 1963 verlieh man Tereschkowa den Titel „Heldin der Sowjetunion“ sowie den Lenin-Orden. Die Ernennung zur „Flieger-Kosmonautin der UdSSR“ folgte unmittelbar. Walentina Tereschkowas Funkrufname Tschaika – Möwe – begleitete sie ein Leben lang. In der sowjetischen Mythologie wurde sie zur Verkörperung des sozialistischen Aufstiegsversprechens: eine Arbeitertochter, die den Himmel erreicht.
1970 wurde ein Krater auf der erdabgewandten Seite des Mondes nach ihr benannt – der Tereshkova-Krater. 1967 enthüllte der Bildhauer Grigori Postnikow eine Skulptur von ihr in der Kosmonautenallee in Moskau.
In der DDR wurden zahlreiche Straßen und Schulen nach ihr benannt, von denen viele den Namen bis heute tragen: die Valentina-Tereschkowa-Straße in Frankfurt (Oder), die Valentina-Tereschkowa-Grundschule in Chemnitz, Straßen in Aschersleben und anderen ostdeutschen Städten.
Aus der postsowjetischen Zeit stammen unter anderem der Verdienstorden für das Vaterland (Russland, 1997, 2007, 2017), der Ehrenring der Eduard-Rhein-Stiftung (Deutschland, 2007), der „Friedenstein“-Preis der Gothaer Kulturstiftung (2008), der World Connection Award (überreicht 2004 von Michail Gorbatschow in Hamburg) und der Alexander-Newski-Orden (Russland, 2013).
Was macht Walentina Tereschkowa heute?
Nach dem Ende der Sowjetunion blieb Tereschkowa politisch aktiv. Von 1994 bis 2004 leitete sie das „Russische Zentrum für internationale kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit“. 2011 zog sie als Abgeordnete der Partei Einiges Russland in die Staatsduma ein.
Im Juni 2013 erklärte sie auf einer Pressekonferenz, sie wäre bereit, zum Mars zu fliegen – auch ohne Rückkehr. Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi trug sie als eine von acht Personen die olympische Fahne.
Ihre jüngste politische Rolle ist umstritten: Am 10. März 2020 brachte sie im russischen Parlament den Vorschlag ein, die bisherigen Amtszeiten von Wladimir Putin „auf null zu setzen“. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen und gilt als zentraler Schritt in der Demontage demokratischer Strukturen in Russland.
Nach dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 sprach sich Tereschkowa in einem Video für die russische Armee aus. Sie gehört zu den Gründerinnen der Junarmija, einer Militär-Erziehungsorganisation für Kinder und Jugendliche, die wegen Indoktrinierung in der Kritik steht. Seit 2022 steht Walentina Tereschkowa auf den Sanktionslisten der EU und der USA.
Walentina Tereschkowa & Putin
Tereschkowas Verhältnis zur russischen Staatsmacht ist eng. Die Kosmonautin, die einst als Symbol sowjetischer Fortschrittlichkeit galt, hat sich im 21. Jahrhundert zur Stütze des Putin-Regimes entwickelt. Doch diese Rolle ist kein Bruch – sie ist die Fortsetzung eines Musters. Schon 1963 war Tereschkowa weniger eigenständige Akteurin als vielmehr Projektionsfläche eines Systems, das sie auswählte, formte und vermarktete. Was sich geändert hat, ist lediglich der Auftraggeber.
Der Verfassungsänderungs-Vorschlag von 2020 ermöglichte de facto eine Herrschaft Putins auf Lebenszeit. Ihre Begründung: Putins Wiederwahl sei ein „stabilisierender Faktor für die Gesellschaft“. Es ist dieselbe Loyalität, die sie einst gegenüber Chruschtschow und der KPdSU zeigte – bedingungslos, öffentlichkeitswirksam und politisch nützlich für die Machthaber.
Für die feministische Rezeption entsteht ein Spannungsfeld. Die Frau, die 1963 bewies, dass Frauen unter Extrembedingungen nicht hinter Männern zurückstehen, nutzt ihre verbliebene Autorität, um ein autoritäres System zu legitimieren. Ob sie das aus Überzeugung tut oder weil sie nie gelernt hat, etwas anderes zu sein als das Instrument einer Staatsführung, bleibt offen – ändert aber nichts am Ergebnis. In der Ukraine, wo zahlreiche Straßen ihren Namen trugen, wurden diese im Zuge der Dekommunisierung ab 2015 umbenannt.
Frauen im Weltall: Eine Liste der Nachfolgerinnen
Nach Walentina Tereschkowa dauerte es 19 Jahre, bis 1982 Swetlana Sawizkaja als zweite Frau ins All flog. Ein Jahr später, 1983, folgte mit Sally Ride die erste Amerikanerin.
Seither haben über 70 Frauen aus verschiedenen Ländern Raumflüge absolviert, darunter Mae Jemison (1992, erste Afroamerikanerin), Liu Yang (2012, erste Chinesin) und Christina Koch (2019/2020, Rekordhalterin mit 328 Tagen im All).
Tereschkowa bleibt die einzige Frau, die jemals eine Solo-Mission im Orbit absolviert hat.
* Dein Kauf stärkt feministische Projekte
Einige der Links auf dieser Seite sind sogenannte Affiliate-Links. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Wenn du über einen dieser mit „(Werbung*)“ gekennzeichneten Links einkaufst, erhalte ich vom jeweiligen Anbieter eine kleine Provision – für dich entstehen dabei keine Mehrkosten. Das Beste daran: Alle Provisionen werden an feministische Projekte gespendet. Support mit Wirkung – ganz einfach!
Bildquellen
- Klimentev, M. (2017, 6. März). Valentina Tereshkova (2017-03-06) [Fotografie]. Kremlin.ru. Wikimedia Commons. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Valentina_Tereshkova_(2017-03-06).jpg. Lizenziert unter CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/): Anpassungen: Hintergrund entfernt, Anzeige des Bildes in schwarz/weiß.
Textquellen
- Burgess, Colin; Hall, Rex: The First Soviet Cosmonaut Team. Chichester, Praxis Publishing, 2009. ISBN 978-0-387-84823-5.
- Lothian, Antonella: Valentina, First Woman in Space: Conversations with A. Lothian. Edinburgh, Pentland Press, 1993.
- Gibas, Monika: „Venus vom Sternenstädtchen“. Walentina Tereschkowa. Heldin der Moderne in der DDR. In: Satjukow, Silke; Gries, Rainer (Hrsg.): Sozialistische Helden. Eine Kulturgeschichte von Propagandafiguren in Osteuropa und der DDR. Berlin, Ch. Links, 2002, S. 147–157. ISBN 3-86153-271-9.
- Kevles, Bettyann Holtzmann: Almost Heaven: The Story of Women in Space. New York, Basic Books, 2003.
- Probst, Ernst: Walentina Tereschkowa. Die erste Frau im Kosmos. In: Königinnen der Lüfte. Grin, 2001. ISBN 978-3-638-93415-2.
- Encyclopaedia Britannica: Valentina Tereshkova – Soviet cosmonaut. britannica.com/biography/Valentina-Tereshkova (zuletzt aktualisiert März 2026).
- NASA History Division / John Uri: Valentina Tereshkova and Sally Ride – Women Space Pioneers. ntrs.nasa.gov/api/citations/20180002182 (NASA Technical Reports Server, 2018).
- Deutsches Rundfunkarchiv (DRA): Valentina Tereschkowa, die erste Frau im All. dra.de. Interview-Archiv des DDR-Rundfunks, 1968.
- Heroicum – Freiburg Institute for Advanced Studies: Fortschrittsheldin – Walentina Tereschkowa, Kosmonautin. heroicum.net (Ausstellungskatalog, PDF).
- Vensky, Hellmuth: „Die Kosmonautin, die für Putin kämpft.“ ZEIT online, 6. März 2012. zeit.de.
- Erdenberger, Ralph: „06.03.1937: Geburtstag der sowjetischen Kosmonautin Tereschkowa.“ WDR 5, ZeitZeichen, 6. März 2026 (Podcast, 14:43 Min.).
- Russia Beyond DE: „Was wurde aus der ersten Frau im All?“ de.rbth.com/geschichte/86065, 28. März 2022.
- UNIS Wien / UNOOSA: 50 Jahre Frauen im Weltall. unis.unvienna.org, Juni 2013.
- Raumfahrer.net: Projekt Wostok. raumfahrer.net/projekt-wostok. Aktualisiert 2017 durch Uwe Rätsch.


























