Virginia Apgar

Neonatologin & Erfinderin des Apgar-Tests

Geboren: 07.06.1909 in Westfield, New Jersey, Vereinigte Staaten

Verstorben: 07.08.1974 in New York City, Vereinigte Staaten

Virginia Apgar - Pionierin der Neonatologie & Erfinderin des Apgar-Tests

Wer ist Virginia Apgar?

Virginia Apgar (1909–1974) war eine US-amerikanische Anästhesistin und Ärztin, deren Name heute weltweit in jedem Kreissaal auftaucht – in Form des Apgar-Tests. Dieser einfache, aber revolutionäre Test bewertete erstmals systematisch den Gesundheitszustand von Neugeborenen und rettet seit den 1950er-Jahren Millionen Leben.

Sie war die erste Frau, die an der Columbia University eine Professur für Anästhesiologie erhielt, und sie gilt als Mitbegründerin der Neonatologie. In einer Zeit, in der Frauen in der Medizin kaum Fuß fassen konnten, setzte Apgar medizinische Standards, die bis heute gelten.

Kindheit, Herkunft & frühe Neugier von Virginia Apgar

Geboren wurde Virginia Apgar am 7. Juni 1909 in Westfield, New Jersey. Schon als Kind faszinierte sie alles, was mit Wissenschaft, Elektronik und Medizin zu tun hatte. Ihr Vater war Hobbyerfinder – eine Leidenschaft, die auf Virginia übersprang.

Während des Studiums an der Mount Holyoke Women’s University und später am Columbia University College of Physicians and Surgeons gehörte sie zu den wenigen Frauen in einem männerdominierten Umfeld. Sie entschied sich früh gegen eine Karriere in der Chirurgie – nicht aus Mangel an Talent, sondern weil ihre Vorgesetzten meinten, eine Frau hätte dort keine Zukunft.

Was ist der Apgar-Test?

Der 1952 von ihr entwickelte Apgar-Test ist eine standardisierte Methode zur Beurteilung der Vitalität von Neugeborenen direkt nach der Geburt – und ist in nahezu jedem Mutterpass, jeder Geburtsklinik und jedem Kreissaal weltweit etabliert. Der Test wird eine, fünf und zehn Minuten nach der Geburt durchgeführt.

Apgar-Schema: Was bedeuten die Werte?

Bewertet werden fünf Parameter:

  • A: Appearance (Hautfarbe)
  • P: Pulse (Herzfrequenz)
  • G: Grimace (Reflexe)
  • A: Activity (Muskeltonus)
  • R: Respiration (Atmung)

Jeder dieser Werte erhält 0, 1 oder 2 Punkte – der sogenannte Apgar-Score reicht also von 0 bis 10.

Ein Wert zwischen 8 und 10 bedeutet, dass Ihr Kind gesund ist. Bei 5 bis 7 Punkten ist das Neugeborene leicht beeinträchtigt. Liegt der APGAR-Wert unter 5 Punkten, besteht Behandlungsbedarf, bei dem das medizinische Personal unmittelbar aktiv wird. Die „Apgar-Wert-Tabelle“ ist heute Standard in allen Leitlinien der Geburtshilfe.

Ein Wert von 9/10/10 z.B. ist sehr gut, wobei der fehlende Punkt nach 1 Minute oft auf die noch leicht bläuliche Hautfarbe zurückzuführen ist, die sich aber schnell normalisiert.

Apgar-Wert-Tabelle: So viele Punkte werden vergeben

Apgar-Kriterium 0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte
A – Appearance (Farbe) Blau oder blass Rumpf rosa, Extremitäten blau Komplett rosig
P – Pulse (Herzschlag) Kein Puls Unter 100 Schläge/ Minute Über 100 Schläge/ Minute
G – Grimace (Reflexe) Keine Reaktion Grimasse, schwache Reaktion Husten, Niesen, etc.
A – Activity (Bewegung) Schlaff Wenig Bewegung Aktive Bewegung
R – Respiration (Atmung) Keine Atmung Unregelmäßig, schwach Kräftges Schreien

Apgar-Score: Interpretationshilfen

  • Apgar-Wert 9/10/10: Das Baby zeigt bei der ersten Minute leichte Zyanose (z. B. bläuliche Füße), entwickelt sich aber innerhalb von 10 Minuten zu einem vitalen, gesund wirkenden Neugeborenen. Sehr guter Gesundheitszustand, keine Intervention erforderlich.
  • Apgar-Wert 1/5/10: Zu Beginn keinerlei Atmung oder Puls – Notfall! Durch sofortige Reanimation (Beatmung, Herzmassage) wird das Kind stabilisiert. Nach 10 Minuten sind alle Vitalparameter in Ordnung. Beispiel für erfolgreiche Notfallversorgung.
  • Apgar-Wert 3/4/5: Das Baby atmet schwach, ist schlaff, zeigt wenig Reaktion. Hier besteht ein dringender Bedarf für eine medizinische Überwachung oder Verlegung in eine Neonatologie. Langsame Verbesserung weist auf ein erhöhtes Risiko für Folgeschäden hin.
  • Apgar-Wert 7/8/9: Guter Start, aber mit leichten Defiziten wie schwachem Muskeltonus oder geringem Reflexverhalten. Oft bei Frühgeborenen oder nach langen Geburten zu sehen. Beobachtung empfohlen, aber meist kein Anlass zur Sorge.
  • Apgar-Wert 0/1/1: Kritischer Notfall. Keine Vitalzeichen bei der Geburt, minimale Reaktion auch nach 5 und 10 Minuten. In solchen Fällen wird intensivmedizinisch alles unternommen – leider aber oft mit schlechter Prognose.

Apgars Lebenswerk: Vom OP in die Weltpolitik

Virginia Apgar arbeitete zunächst als Anästhesistin am Columbia Presbyterian Medical Center. Ihre medizinischen Schwerpunkte verlagerten sich bald auf Geburtshilfe und Neugeborenenmedizin, weil sie das Gefühl hatte, dass dort die meisten Leben gerettet werden konnten.

In den 1950er-Jahren trat sie dem March of Dimes bei, einer Stiftung zur Bekämpfung von Geburtsdefekten, und reiste weltweit, um über die Bedeutung von Geburtsüberwachung und Frühintervention aufzuklären.

Sie promovierte zwar nie im klassischen Sinne, erhielt jedoch zahlreiche Ehrendoktorwürden und lehrte an der Johns Hopkins School of Hygiene and Public Health.

Gesellschaftliche Hürden: Eine Frau in der Medizin

Apgar wurde in ihrer Laufbahn mehrfach übergangen – nicht wegen mangelnder Leistung, sondern wegen ihres Geschlechts. Sie blieb zeit ihres Lebens unverheiratet und hatte keine eigenen Kinder – ein Aspekt, der in den 1950er-Jahren oft als „Anomalie“ galt, besonders bei einer Frau, die sich so intensiv mit dem Start ins Leben beschäftigte.

Literatur & Veröffentlichungen von Apgar

Virginia Apgar war nicht nur eine Praktikerin, sondern auch eine produktive Wissenschaftlerin. Sie veröffentlichte mehr als 60 Fachartikel, vor allem in den Bereichen Anästhesie, Pädiatrie und Geburtshilfe. Ihr populärstes Buch heißt „Is My Baby All Right?“ aus dem Jahre 1970, das sie gemeinsam mit Joan Beck veröffentlichte. Es klärt Eltern über Gesundheit und Entwicklung von Neugeborenen auf und war ein Bestseller im medizinischen Ratgebersegment.

Ihr Leben und Wirken wurden zudem in zahlreichen Anthologien über wegweisende Frauen gewürdigt, unter anderem im empfehlenswerten Sammelband „Frauen, die die Welt veränderten“.

Berühmte Zitate von Virginia Apgar

  • „There’s plenty of room in medicine and science for women.. and it’s just waiting for women to come.“
  • „Women are liberated from the time they leave the womb.“

Tod, Todesursache & Vermächtnis

Virginia Apgar starb am 7. August 1974 im Alter von 65 Jahren an Leberzirrhose – wahrscheinlich durch eine lange, unerkannt verlaufende Hepatitis. Ihre letzte Ruhestätte ist auf dem Fairview Cemetery in Westfield, New Jersey. Trotz ihres Todes vor über 50 Jahren lebt ihr Erbe in jedem Kreissaal weiter.

Warum Apgar heute wichtiger denn je ist

In Zeiten, in denen Frauen in STEM-Berufen (Science, Technology, Engineering, Math) noch immer unterrepräsentiert sind, ist Apgars Geschichte ein mahnendes Beispiel für unsichtbares Genie. Sie schuf mit dem Apgar-Test ein Instrument, das heute fester Bestandteil der Geburtshilfe ist – und gleichzeitig Symbol für medizinischen Pragmatismus, Empathie und weibliche Innovationskraft.

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