Astronautinnen & berühmte Frauen der Raumfahrt

Astronautinnen – von der ersten Frau im All bis zur ISS
1963 flog Valentina Tereschkowa als erste Frau im All ins Weltall – und blieb fast zwei Jahrzehnte die einzige. Erst 1982 folgte Swetlana Sawizkaja, die 1984 auch den ersten Weltraumspaziergang einer Frau absolvierte. Auf US-amerikanischer Seite flog Sally Ride 1983 als erste amerikanische Astronautin ins All und wurde zur Wegbereiterin für nachfolgende Generationen.
Nach ihnen öffneten Astronautinnen weltweit Türen: Mae Jemison (erste schwarze US-Astronautin, 1992), Helen Sharman (erste Britin im All, 1991), Chiaki Mukai (erste Japanerin im All, 1994), Liu Yang (erste Chinesin im All, 2012) und Eileen Collins (erste Shuttle-Kommandantin, 1999). Jede von ihnen musste sich durch Auswahlverfahren kämpfen, die lange auf männliche Astronauten zugeschnitten waren.
Auf der ISS stellten Frauen seit der Jahrtausendwende Rekorde auf: Peggy Whitson verbrachte über 665 Tage im All – mehr als jede andere US-Person. Christina Koch hielt den Rekord für den längsten ununterbrochenen Aufenthalt einer weiblichen Astronautin und absolvierte gemeinsam mit Jessica Meir den ersten rein weiblichen Weltraumspaziergang.
Samantha Cristoforetti (ESA) kommandierte die ISS-Expedition 68. Wang Yaping wurde durch ihre Live-Unterrichtsstunde aus dem Orbit bekannt, Naoko Yamazaki flog 2010 als japanische Astronautin zur ISS. Trotz dieser Erfolge lag der Frauenanteil unter den ISS-Besatzungen jahrzehntelang unter 20 Prozent.
2025 flog Rabea Rogge mit der privaten SpaceX-Mission Fram2 als erste deutsche Astronautin ins All – nachdem Deutschland zuvor ausschließlich Männer ins Weltall geschickt hatte.
NASA-Frauen – Mathematikerinnen, Ingenieurinnen und Hidden Figures
Viele der wichtigsten NASA-Missionen wären ohne Frauen am Boden gescheitert – NASA-Mathematikerinnen, Ingenieurinnen und Programmiererinnen, deren Arbeit erst Jahrzehnte später Anerkennung fand.
Katherine Johnson berechnete Flugbahnen für Mercury- und Apollo-Missionen – als schwarze Frau im segregierten Virginia. Margaret Hamilton leitete die Entwicklung der Apollo-Onboard-Software und prägte den Begriff „Software Engineering“. Mary Jackson wurde NASAs erste schwarze Ingenieurin, Dorothy Vaughan die erste schwarze Abteilungsleiterin. Nancy Roman spielte als „Mother of Hubble“ eine Schlüsselrolle bei der Planung des Weltraumteleskops. Ihre Geschichten wurden durch den Film „Hidden Figures“ einem breiten Publikum bekannt – Jahrzehnte, nachdem diese NASA-Frauen ihre Arbeit geleistet hatten.
Astronominnen – von der Antike bis ins 20. Jahrhundert
Schon in der Antike prägten Frauen die Astronomie. Hypatia von Alexandria (ca. 355–415 n. Chr.) gilt als eine der frühesten namentlich bekannten Astronominnen und Mathematikerinnen. Im 18. Jahrhundert entdeckte Caroline Herschel acht Kometen und war eine der ersten Frauen, die für wissenschaftliche Arbeit bezahlt wurden. Maria Mitchell wurde Mitte des 19. Jahrhunderts die erste professionelle Astronomin der USA.
Um 1900 leisteten die sogenannten Harvard-Computer Grundlagenarbeit: Henrietta Swan Leavitt entdeckte die Perioden-Leuchtkraft-Beziehung der Cepheiden – die Grundlage, um kosmische Entfernungen zu messen. Annie Jump Cannon klassifizierte über 350.000 Sterne. Cecilia Payne-Gaposchkin wies 1925 nach, dass Sterne hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium bestehen – zunächst abgelehnt, später als eine der bedeutendsten Dissertationen der Astronomie anerkannt. Alle drei arbeiteten für einen Bruchteil des Gehalts ihrer männlichen Kollegen.
Astrophysikerinnen – Entdeckungen ohne Nobelpreis
Auch im 20. Jahrhundert lieferten Frauen bahnbrechende Erkenntnisse, ohne die verdiente Anerkennung zu erhalten. Jocelyn Bell Burnell entdeckte als Doktorandin die Pulsare – den Nobelpreis erhielt ihr Doktorvater. Vera Rubin lieferte überzeugende Belege für Dunkle Materie und wurde ebenfalls nie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Beide Fälle stehen exemplarisch dafür, wie Frauen in der Wissenschaft systematisch übergangen wurden.
Weltraumforschung heute – Kosmologinnen, Astrobiologinnen und Planetologinnen
Frauen arbeiten heute als Kosmologinnen, Astrobiologinnen, Astrophysikerinnen und Planetologinnen an den großen offenen Fragen: Gibt es Leben jenseits der Erde? Wie entstehen Galaxien? Was ist Dunkle Materie?
Lisa Kaltenegger erforscht die Atmosphären von Exoplaneten und ist eine der führenden Stimmen in der Suche nach bewohnbaren Welten. Sara Seager hat am MIT Methoden entwickelt, um die chemische Zusammensetzung ferner Planeten zu analysieren. Jill Tarter leitete als SETI-Astronomin jahrzehntelang die Suche nach außerirdischer Intelligenz. Carolyn Porco führte die Kameraexperimente der Cassini-Saturn-Mission.
Weitere Forscherinnen in dieser Sammlung: Emily Levesque (massereiche Sterne), Chanda Prescod-Weinstein (Kosmologin, Dunkle Materie), Margaret Geller (Galaxienkartierung), Sara Mazrouei (Mars-Forschung), Françoise Combes (Galaxienforschung), Lindy Elkins-Tanton (NASA-Mission Psyche), Heidi Hammel (äußere Planeten) und Nicole Gugliucci (Wissenschaftskommunikation).
Women in Space – warum ihre Geschichte erzählt werden muss
Frauen im Weltraum, Frauen hinter den Berechnungen, Frauen an den Teleskopen: Die Geschichte der Raumfahrt und Astronomie wurde lange so erzählt, als hätten ausschließlich Männer sie geschrieben. Dabei berechneten Mathematikerinnen die Flugbahnen für die ersten bemannten Missionen, Astronominnen entdeckten Himmelskörper und Ingenieurinnen entwickelten die Software für die Mondlandung. Die öffentliche Wahrnehmung hinkte der Realität Jahrzehnte hinterher.
Die Gründe dafür waren strukturell. Raumfahrtagenturen wie NASA, ROSKOSMOS und ESA waren männlich dominiert – nicht weil Frauen die Qualifikation fehlte, sondern weil ihnen der Zugang verwehrt wurde. Die NASA ließ erst 1978 Frauen zum Astronautinnen-Programm zu, obwohl Pilotinnen bereits in den frühen 1960ern alle Tests bestanden hatten. Hinter den Lücken in der Raumfahrtgeschichte standen patriarchale Strukturen, keine mangelnde Kompetenz.
Von rund 700 Menschen, die jemals im All waren, sind nur etwa 80 Frauen. Die NASA will mit dem Artemis-Programm die erste Frau auf den Mond schicken, ESA, CNSA, ISRO und JAXA bauen ihre Programme aus. Gleichberechtigung im Weltraum entsteht nicht von selbst.
Frauen im All und in der Weltraumforschung sichtbar zu machen, ist kein Selbstzweck. Wenn Mädchen keine Astronominnen, Astronautinnen oder Astrophysikerinnen sehen, fehlt ihnen nicht die Fähigkeit, diesen Weg einzuschlagen – es fehlt die Vorstellung, dass dieser Weg existiert. Ihre Geschichten findest du hier.
Bildquellen:
- Astronaut steht auf grauem Sand — Foto:
historyhd via Unsplash.
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